Paradise Lost - The Lost And The Painless

CD Reviews, Paradise Lost - The Lost And The Painless

In existenziellen Krisen neigt der Mensch dazu, innezuhalten und das Gewesene noch einmal Revue passieren zu lassen. Gleiches gilt für diejenigen, die ein bestimmtes Alter erreicht haben. Durch das Eintauchen in die guten alten Zeiten fühlt man sich für einige Momente auch wieder jung. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass nicht nur viele Mitglieder der Twilight-Redaktion von einer tiefgründigen Nostalgie und Melancholie erfüllt sind.

Denn immer wieder wird man mit der Frage konfrontiert, was man am 19.03.1991 gemacht hat, an dem Tag, an dem das Metaluniversum für einen Moment stillstand, weil PARADISE LOST sich anschickten, mit ihrem Album „Gothic“ Musikgeschichte zu schreiben. Denn auf eines konnte man sich seit dieser Zeit verlassen. Selbst als die Briten mit Albem wie „Host“ fast die gesamte alte Fangemeinde vergrault hatte, wurden die Augen bei der Nennung von „Gothic“ immer noch feucht.

Zum dreißgjährigen Jubiläum dieses Meilensteins versucht die Plattenfirma Peaceville Records, dieses Opus in seinen historischen Kontext einzuordnen. Herausgekommen ist ein 6 CD- und DVD-Set, das nicht nur die erfrischen rotzig und authentischen frühen Demos von PARADISE LOST enthält, sondern auch die ersten beiden Alben „Lost Paradise“ und „Gothic“ in remasterter Form. Hinzu kommen die „Gothic-EP“ sowie Live-Mitschnitte der Konzerte „Live Death und Liverpool Live“ und „Live in Ludwigsburg“. Abgerundet wird das ganze durch eine 92-seitige Abhandling des Musikjournalisten Nick Ruskell, der sich speziell mit der Frühphase der Gothic-Metal-Veteranen auseinandersetzt. Darüber hinaus bietet die DVD vier Shows, und zwar das „Live Death Konzert“ aus dem Jahre 1989 und weitere Auftritte aus den Jahren 1990 und 1991.

Besser als Nick Holmes kann man die Stimmung der damaligen Zeit fast nicht zum Ausdruck bringen: „Wir lebten von Chips, schliefen in Löchern, auf Fluren oder unter Fahrzeugen, Zigaretten kosteten eineinhalb Pfund, Stella Artois hatte noch 5,2 Umdrehungen und das Reisen in einem Ford Transit mit der ganzen Ausrüstung und zehn Leuten, die auf einer alten Matte saßen, wurde als normal betrachtet.“ Schön!

Die PARADISE-LOST-Kollektion „The Lost And The Painless“ bietet allen Freundinnen und Freunden des frühen Death Metal die Möglichkeit, innezuhalten und sich in einer Art Lagerfeuerromantik kompromiss- und bedingungslos der Zeit hinzugeben, als der Todesmetal wirklich noch revolutionär war, als Nick Holmes noch richtig gegrowlt hat und der Metal eine Jugendbewegung war.


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