Periphery - Periphery IV: Hail Stan

CD Reviews, Periphery - Periphery IV: Hail Stan

„Honores corrumpunt mores“ sagt der Lateiner. „Ehren verderben den Charakter“. In diesem Sinne sollte Vorsicht geboten sein, wenn man für den Grammy-Award als beste Metal Act nominiert wird. Aber ist das auch bei den Szene-Größen von PERIPHERY so? Es ist so... vielleicht.
Zunächst ist festzuhalten, dass die Band den eingeschlagenen Weg konsequent fortgeht und dementsprechend den Sound permanent weiterentwickelt, ohne die bandeigenen Essentials zu verraten. Mangelnde Innovationsfreude kann man den US-Amerikanern jedenfalls mitnichten vorwerfen, wenn man in ganz revolutionärer Art und Weise den Longplayer mit einem über 15-minütigen Opener beginnen lässt. Somit ist 'Reptile' fast schon ein eigenes kleines Album im Album: experimentell, abwechslungsreich und durchdacht.

Dieser Eindruck verfestigt sich auch bei den anderen Songs, bekommt man doch neben den gang ganz großen emotionalen Momenten, vor allem transportiert durch die mitunter melancholischen, sehnsuchtsvollen Klargesänge von Spencer Sotelo, die erwartete gehörige Portion Durchschlagskraft in Form von griffigen, proggigen Riffs und djentigen Grooves. Martialität wird hier noch groß geschrieben, vor allem, weil man durch die Ausnutzung musikalischer Gegensätze ein hohes Maß an Explosivität erreichen möchte. Das gelingt durchgängig aber nicht immer, und zwar immer dann nicht, wenn eine scheinbar angestrengte Verkopftheit und Durchdachtheit zu ausladenden, bisweilen psychedelischen Partien oder zu enervierenden Gitarrensoli führen, von denen sich die betroffenen Tracks nur sehr schwer zu erholen vermögen. Bestens zu beobachten zum Beispiel in der Vorabveröffentlichung 'Garden In The Bones'. Zudem muss man in dem Bestreben, sich musikalisch nicht wiederholen zu wollen, nicht über jeden Tellerrand schauen, nicht jede Grenze einreißen und nicht jedes Tabu brechen.

Fazit: PERIPHERY legen mit „Periphery IV – Hail Stan“ einen ordentlichen okay-seienden Longplayer vor, der den Anhängern der Band und den Freundinnen des alternativen Progressive Metal gefallen dürfte. Für meinen Geschmack ist er aber zu angestrengt, verkopft und experimentell.

Line Up

Misha Mansoor [guitar, programming], Jake Bowen [guitar, programming], Matt Halpern [drums], Spencer Sotelo [vocals], and Mark Holcomb [guitar]

Tracklist

  1. Reptile
  2. Blood Eagle
  3. CHVRCH BVRNER
  4. Garden In The Bones
  5. It's Only Smiles
  6. Follow Your Ghost
  7. Crush
  8. Sentient Glow
  9. Satellites