Pounder – Uncivilized

CD Reviews, Pounder – Uncivilized

Was haben die kräftige Fleischereifachangestellte Gerda und die kalifornischen Pounder gemeinsam? Richtig, sie hauen ein ordentliches Pfund in die Waagschale.
Los Angeles versprüht noch heute den Duft klebrigen Haarsprays und verschwitzter Spandexhosen. Doch eigentlich kommen auch die Speed/Thrash Giganten Metallica aus der Gegend. Und mit POUNDER macht sich ein vielversprechendes Trio auf, die Eingängigkeit der Hair Metal Jahre mit der Rohheit und der Kraft des Speed Metal zu kombinieren. Nach zwei Demos (2017) und einer EP im vergangenen Jahr, legen Matt Harvey & Co morgen ihr Debütalbum vor. Dabei bedienen sie sich vor allem der klassischen Doppelgitarren der NWoBHM sowie der rohen Riffs des traditionellen Speed Metals. Doch mit Songs wie „Answer The Call“ oder „Long Time No Love“ zeigen die Jungs auch eine andere, deutlich gefühlvollere Seite. Mit einem Titel wie „Red Hot Leather“ erinnert man einerseits textlich an die Hair Metal Ära und andererseits musikalisch an frühe PRETTY MAIDS, ANVIL oder DOKKEN. Doch in erster Linie kommen die Freunde der donnernden Double Bass auf ihre Kosten, wenn Sessiondrummer Gus Rios bei dem Opener, bei „We Want The Night“ oder „The Evil One“ ordentlich auf die Pedale tritt. Da werden Erinnerungen an Bands wie RAZOR FIST wach, auch wenn POUNDER nicht ganz so roh produziert sind. Die Metal-Nerds werden es schon bemerkt haben: Mit POUNDER steigt zwar ein Neuling in den Heavy Metal Ring, doch trotz der kurzen Bandgeschichte darf man wohl bereits von einem Schwergewicht sprechen. Sänger und Klampfer Matt Harvey stand immerhin auch kurzzeitig für EXODUS hinterm Mikro und verdient seine Brötchen u.a. bei Bands wie GRUESOME und EXHUMED. Bass Alejandro Corredor griff zumindest live für eine der Lieblingsbands des Kollegen Lison in die Saiten: VALLENFYRE. Und Leadgitarrist Tom Draper steht seit letztem Jahr neben Bill Steer und Jeff Walker mit CARCASS auf der Bühne, war aber auch schon auf der Gehaltsliste von SAVAGE MESSIAH und ANGEL WITCH. Die Jungs verstehen ihr Geschäft also und das hört man „Uncivilized“ auch zu jeder Sekunde an. Mit ihrer geballten Kraft, der erfrischenden Rohheit und dem Händchen für melodische Eingängigkeit stellen POUNDER die letzten – für meinen Geschmack zu zahmen – Alben vergleichbarer Bands wie STRIKER, SKULL FIST oder NIGHT DEMON problemlos in den Schatten. Ich bin jedenfalls froh, die Vinylversion dieses Debüts bereits in den Händen zu halten, denn die Jungs könnten es noch weit bringen. Und was fragt unsere emsige Fleischereifachverkäuferin immer so schön? „Darf es noch ein Pfund mehr sein?“ Aber sicher!!!


Line Up

Alejandro Corredor - bass guitar
Tom Draper - lead guitar
Matt Harvey - rhythm guitar, vocals

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Pounder