Slime – Wem gehört die Angst

CD Reviews, Slime – Wem gehört die Angst

Beim Anblick des Albumtitels meint man fast, dass Dicken, Elf & Co eine Glaskugel auf dem Küchentisch stehen haben. Doch tatsächlich zeigt „Wem gehört die Angst“ nur, dass das Punkrock Urgestein aus Hamburg textlich absolut auf der Höhe der Zeit ist.
Und das gilt auch für die Musik der Truppe. Waren die ersten Gehversuche Ende der 70er und frühen 80er noch recht roh und schlicht, so ist die Truppe spätestens seit den 90er auch spielerisch und soundtechnisch absolut metaltauglich – ich rechne hier jetzt mal assoziierte Projekte wie ELF und C.I.A. mit. Auch anno 2020 hat sich das nicht geändert und SLIME punkten mit bratenden Gitarren und fettem Sound – was der Band allerdings auch immer wieder den Vorwurf des Ausverkaufs eingebracht haben. Ich will es mal so beschreiben: SLIME sind in meinen Augen so etwas wie die TOTEN HOSEN des Untergrunds, also durchaus die massenkompatible Version des Punk Rock. Da macht aber gar nichts, denn die Herren lassen sich textlich auch nach über 40 Jahren keinen Maulkorb aufsetzen, was sich bereits im tollen Titeltrack zeigt. An „Paradies“ zeigt sich dann doch das Alter der Truppe – denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Jugend nicht mal weiß wer Curt Kobain war. Da dürfte ihnen der Name RIO REISER erstrecht nichts sagen. Sei‘s drum. Ein weiteres Highlight der Scheibe ist für mich das eingängige „Ebbe und Flut“, das mit tollem Refrain punkten kann. Mit „Die Fetten Jahre“ geht die Band auch musikalisch noch stärker zum punkigen Ursprung zurück: schnelle Riffs, aggressive Vocals und kritische Lyrics – und wer weiß, vielleicht sind die fetten Jahre nun tatsächlich für viele Menschen vorbei. Schade nur, dass es in einer solchen Krise meist die Falschen trifft und die ganzen Arschlöcher und Bonzen immer wieder aufstehen und sich die Taschen noch voller Stopfen. SLIME schreien ihre Botschaften auch 2020 noch mit messerscharfer Zunge raus und untermalen ihre politischen Botschaften mit richtig gutem Punk Rock. Zwar flashen mich nicht alle Songs gleichermaßen, aber mit dem Titeltrack, mit „Die Fetten Jahre“ und „Ebbe und Flut“ gibt es zeitlose Punkrock Hits vom Feinsten.

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