The Chicks – Gaslighter

CD Reviews, The Chicks – Gaslighter

„Superstars, renegades, innovators, heroes, villains, and moms - over almost a decade, The Chicks have grown from a band into a phenomenon.“ Diese Selbstbeschreibung der THE CHICKS beschreibt die Entwicklung der US-amerikanischen (Country-)Band eigentlich recht gut. Kaum eine Band des Genres dürfte eine solche Veränderung durchgemacht haben wie die DIXIE CHICKS.
16 Jahre sind vergangen seit die DIXIE CHICKS ihre Erfahrungen mit dem politischen Amerika auf dem von Rick Rubin (u.a. SLAYER, THE BLACK CROWES, RUN-DMC) produzierten „Taking the Long Way“ veröffentlicht haben. Danach brauchte vor allem Frontfrau Natalie eine Auszeit, während die Schwestern Emily und Martie zwei Alben unter dem Banner der COURD YARD HOUNDS veröffentlichten. Dass THE CHICKS nach so langer Zeit nicht wieder zu ihren musikalischen Anfängen zurückkehren würden dürfte klar gewesen sein. Und ebenso wie „Taking the Long Way“, ist auch „Gaslighter“ nicht unbedingt leichte Kost. Vorbei sind die unbeschwerten oder romantisierten Sounds der 90er Jahre, als sich das „brave“ Damentrio in die Herzen der Country-Gemeinde spielte. Viele der ehemaligen Fans im Deep South dürften Maines & Co mittlerweile meiden wie der Teufel das Weihwasser. Denn selbst wenn Frontfrau Natalie allenthalben betont, dass sie nicht wütend und keine politische Band sein, so polarisiert die bloße Existenz der Band seit „Bush-Gate“ – ob sie es wollen oder nicht.
Der titelgebende Track „Gaslighter“ gehört zu den schmissigsten Nummern und darf sicherlich als Abrechnung mit dem politischen Amerika und insbesondere der Trump Administration verstanden werden – auch wenn der Text persönlicher klingt. Und auch das poppig-eingängige „March“ spricht für sich selbst. Die THE CHICKS nehmen längst kein Blatt mehr vor den Mund – dass sie politisch sind, zeigt auch die Rubrik „Causes“ auf ihrer Website. Und auch die Umbenennung in THE CHICKS zeigt, dass die Band Brücken in die eigene Vergangenheit niederreißt, dass sie sich positionieren, und dass „Bush-Gate“ für das Trio auch vor allem eine Befreiung bedeutete – selbst wenn der Weg oftmals schmerzhaft gewesen ist.
Aber auch persönliche Katastrophen werden hier musikalisch umgesetzte: Man nehme nur „Sleep at Night“, „Hope It’s Something Good“ oder „Set Me Free“. Ein gute Laune Album ist „Gaslighter“ jedenfalls nicht geworden – weder inhaltlich noch musikalisch. Vor allem der zweite Teil der Scheibe wird von langsamen, nachdenklichen und melancholischen Tönen dominiert.
Zwar bedient sich das Trio nach wie vor typischen Country Elemente, jedoch werden diese im modernen, poppigen Gewand präsentiert. THE CHICKS machen anno 2020 nicht für andere Musik, sondern ganz offenbar für sich selbst.
Mit „Gaslighter“ melden sich THE CHICKS nach 14 Jahren auf der musikalischen Bühne zurück. Die einstigen Lieblinge der Countryszene präsentieren sich musikalisch erwachsener und selbstbewusster als jemals zuvor. Leichte Kost sucht man auf dem siebten Studioalbum der Amerikanerinnen jedoch vergeblich: „March, march to my own drum/Hey, hey, I'm an army of one.“ THE CHICKS wollen es niemandem mehr recht machen, sie schütteln mit „Gaslighter“ vielmehr alles von den Schultern was sie belastet. Ein echtes Phänomen!

Line Up

Natalie Maines
Emily Strayer
Martie Maguire

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