The Cure - Curaetion-25/ Anniversary:1978-2018 (Six Disc Set)

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  • The Cure - Curaetion-25/ Anniversary:1978-2018 (Six Disc Set)
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  • Erstellt am: Freitag, 25 Oktober 2019
  • Label: Eagle Rock
  • V.Ö.: 18 Oktober 2019
  • Bewertung: The Cure - Curaetion-25/ Anniversary:1978-2018 (Six Disc Set)
  • Redakteur: Kersten Lison

THE CURE sind im Moment wieder einmal in Hochform, zumindest was ihre Live-Auftritte angeht, denn das letzte Studioalbum „4:13 Dream“ stammt aus dem Jahre 2008. Was hat sich also verändert? Da ist zum einen der neue Gitarrist Reeves Gabrels (TIN MACHINE), der ohne Zweifel in der Lage ist, Porl Thompson adäquat zu ersetzen, und zum anderen ist da das 40-jährige Jubiläum, das es angemessen zu feiern galt und das ungeahnte Energie freigesetzt hat.

Und deshalb erfreuen uns die Mannen um ROBERT SMITH jetzt mit einer wahren Veröffentlichungsorgie. Da wären zum einen die beiden Sets „Curaetion 25: From There To Here/ From Here To There“. Dabei handelt es sich um Ton und Videoaufnahmen, die 2018 auf der 25. Ausgabe des von Robert Smith persönlich kuratierten Meltdownfestivals entstanden sind. Das Besondere an den beiden Sets ist, dass sie aus jeweils einem Song der bisher dreizehn Studioalben sowie einem neuen Track bestehen, und zwar in chronologischer Reihenfolge zunächst von 1978 bis 2018 und dann wieder zurück.

Das ist eine wirklich herausragende Idee, kommt man als langjähriger Fan doch sogleich ins Grübeln, ob man selbst die gleiche Songauswahl getroffen hätte. Dass vom ersten Longplayer der Titeltrack 'Three Imaginary Boys' und „Boys Don't Cry“ gespielt wurden, war wohl unvermeidlich. Bei dem Album „Seventeen Seconds“ war natürlich 'A Forest' gesetzt, als Alternative für 'At Night' hätte sich meines Erachtens aber auch 'M' angeboten. Von 'Faith' gab es die einzige Single 'Primary' und 'Other Voices'. Da wäre meine Wahl eher die düsteren, aber auch sehr stimmungskillenden 'The Drowning Man' und 'Faith' gewesen. Von „Pornography“ eine Auswahl zu treffen, gleicht dann der Quadratur des Kreises. Deshalb sind 'One Hundred Years' und 'A Strange Day' in Ordnung, auch wenn dadurch 'The Figurehead', 'Cold' und 'Pornography' auf der Strecke bleiben mussten.

'Shake Dog Shake' und 'Banana Fishbones' von „The Top“ sind okay, dass neben dem Klassiker 'A Night Like This' von „The Head On The Door“ das überaus schwermütige 'Sinking' Eingang in die Setlist gefunden hat, ist mehr als begrüßenswert. Erstaunlich ist dann, dass von „Kiss Me Kiss Me Kiss Me“ nicht die fröhlichen „Gute-Laune-Songs“ zum Besten gegeben wurden, sondern das auch von den DEFTONES gecoverte 'If Only Tonight We Could Sleep' und das bei weitem unterschätzte 'Like Cockatoos'. Ein glückliches Händchen bei der Songauswahl stellen 'Disintegration' und 'Pictures Of You' für "Disintegration" unter Beweis, auch wenn 'Homesick' und 'The Same Deep Waters Of You' dadurch das Nachsehen hatten. Von „Wish“ kann man durchaus 'High' und auf jeden Fall 'From The Edge Of The Deep Green Sea' vertreten, schließlich konnte aufgrund des Konzepts ja nicht an der Reduktion auf zwei Songs gerüttelt werden, aber der Verzicht auf 'Open', 'Apart', 'End', 'Cut' oder 'To Wish Impossible Things' bleibt schmerzhaft.

„Wild Mood Swings“ ist mit dem melancholischem 'Jupiter Crash' und 'dem Opener 'Want' vertreten. Kann man durchaus machen. Bei „Bloodflowers“ ist '39' alternativlos, gleiches gilt eigentlich auch für 'The Last Days Of Summer', obwohl 'Where The Birds Always Sing', 'The Loudest Sound' und 'Bloodflowers' selbst in der gleichen Liga spielen. 'Us Or Them' und 'Alt.End' vom selbstbetitelten Album „The Cure“ sind ebenfalls eine gute Entscheidung. Daneben ist auch 'The Hungry Ghost' einer der besten Songs des letzten Studioalbums „4.13 Dream', 'It's Over' ist dann aber überhaupt nicht meins. Vielleicht wäre 'Sleep When I'm Dead' besser gewesen.

Ein Top-Titel ist das zum ersten Mal offiziell veröffentlichte 'It Can Never Be The Same', mit dem Robert Smith den Tod seiner Mutter verarbeitet und das nicht nur mit diesem Wissen zumindest eine Gänsehaut erzeugt. Zum Herzzerreißen! Da ist dann das ebenfalls neue 'Step Into The Light' um einiges leichtere, hoffnungsvollere Kost.

Fazit: Bei Live-Alben stellt sich ja immer die Frage, ob man sie wirklich braucht. Bei „Curaetion-25“ kann diese Frage nur mit einem eindeutigen ja beantwortet werden, befinden sich die Mannen um Robert Smith spielerisch doch gerade in einer Top-Form. Hinzu kommt, dass das Konzept, von jedem Studioalbum in chronologischer und gegenchronologischer Reihenfolge einen Song zu spielen, einfach unwiderstehlich ist. Und dann gibt es ja auch noch zwei neue Songs und alles zusammen als Konzertfilm für diejenigen, die nicht nur auf die inneren musikalischen Werte stehen, sondern auch etwas für das Auge wollen.

 
 
Anniversary: 1978-2018
 
Wer THE CURE sagt, muss im selben Atemzug immer auch Tim Pope nennen, zumindest was die bildliche Umsetzung der Lieder in Musikvideos angeht: Denn die Arbeiten zu 'Close To Me', 'Lullaby' oder 'Never Enough' sind wahre legendäre Kunstwerke. Darüber hinaus stammt auch der Konzertfilm „The Cure – Live In Orange“ von ihm. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Robert Smith ihn auch für die Aufnahmen für „Anniversary: 1978-2018 – Live In Hyde Park London“ gewinnen wollte und konnte.

Und so bleibt dieses legendäre Ereignis anlässlich von 40 Jahre THE CURE nicht nur denen vorbehalten, die für das Konzert eine Karte ergattern konnten, sondern auch für die, die dieses Glück nicht hatten. Damit ist der Übergang ins kulturelle Gedächtnis gesichert! Auch im Hyde Park zeigen sich Robert Smith, Reebes Gabrels, Simon Gallup, Roger O'Donnell und Jason Cooper von ihrer besten spielerischen Seite und sorgten für ein unvergessliches Erlebnis.
 
Im Hinblick auf die Songauswahl kann man nur spekulieren. Zum einen wird sie wohl anlassbezogen sein. Und wenn man einen Geburtstag feiern möchte, will man die Gäste wahrscheinlich nicht in eine schwermütige, düstere Stimmung versetzen. Das könnte der Grund dafür sein, dass Songs wie 'Faith', 'The Same Deep Water As You' oder 'The Figurehead' fehlen. Zum anderen schwelgt man als Jubilar ja auch gerne in Erinnerungen, und zwar an die Erlebnisse zu einer Zeit, als man noch jung und fit war, im vollen Saft stand, seine ersten großen Erfolge gefeiert hat und die Leute auch noch Platten und CDs gekauft haben. Denn die erste Liebe vergisst man halt nicht. Dementsprechend dominieren Tracks aus den ersten 15 Jahren.

Wobei dominieren eigentlich das falsche Wort ist, da die einzigen beiden Songs nach dem „Wish-Album (1992)“ der The-Crow-Filmsong 'Burn' und 'The End Of The World' vom 2004er Album „The Cure“ sind. Ansonsten "führt" „Disintegration“ mit sechs Tracks, „The Head On The Door“ ist mit vier Songs vertreten und am Ende der 29 Lieder umfassenden Tracklist gibt es fünf Stücke von „The Imaginary Boys“. Dabei sind besonders 'Jumping Someone Else's Train', '10.15 Saturday Night' und 'Killing An Arab' zu nennen. Herausragend. Da hört man THE CURE die Spielfreude wirklich aus jedem einzelnen Ton an. Hammer! Vielleicht waren aber die gespielten Lieder im Vereinigten Königreich besonders erfolgreich. Man will ja das Publikum nicht verprellen und wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, gegen die Zuhörerschaft anspielen zu wollen.

Fazit: Auch „Anniversary: 1978-2018 – Live In Hyde Park London“ darf in keiner Sammlung fehlen, zeigen sich THE CURE doch frischer, dynamischer und spielfreudiger denn je. Außerdem ist dieses Konzert auch eine gute Gelegenheit für alle, die jüngeren Alters sind und sich erst einmal an das Opus der Mannen um Robert Smith herantasten wollen.

Tracklist

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