The Cure - Faith

CD Reviews, The Cure - Faith

Das Jahr 2021 wirft seine Schatten voraus, vor allem, was die Jubiläen so angeht. Denn wirklich herausragende Longplayer sind in den Jahren 2001, 1991 und sogar 1981 erschienen. Dazu gehört ohne Zweifel „Faith“ von THE CURE, das zusammen mit „Pornography“ und „Disintegration“ mit Abstand eines der besten drei Alben der Mannen um Robert Smith ist.

Das liegt vor allem an der scheinbar instrumentellen Reduziertheit, die aber mit einer ungeheuren Intensität einhergeht. Selbige hat auch vierzig Jahre später nichts von ihrer Wirkungskraft eingebüßt und entfaltet sich in den Live-Versionen eindrucksvoll. Hinzu kommt, dass „Faith“ ein überaus ruhiges, gesetztes Album ist, das mit „Primary“ auch nur eine einzige Singleauskoppelung gesehen hat und eben mit keinen pophymnischen Gute-Laune-Songs aufwarten kann.
Stattdessen dominieren traurige Melancholie, triste Wehmut und funerale Schwermut, also all das, was man braucht, um sich stundenlang dem nicht enden wollenden Liebeskummer, dem herzzerreißenden Weltschmerz oder der tiefgreifenden Realitätsflucht hingeben zu können. Denn als musikalisches Remedium wirken die Songs durch ihren ungeahnt hypnotischen und meditativen Charakter. Sie sollen somit auch schon die eine und den anderen sich in den Schlaf geweint lassen haben.

Tracks wie 'The Holy Hour', 'Other Voices', 'Funeral Party', 'All Cats Are Grey', 'The Drowning Man' und 'Faith' atmen einerseits den New-Wave-Odem der frühen Achtziger, erschaffen gleichzeitig aber auch Klang- und Sounderlebnisse, die man bis dato noch nicht gehört hatte und somit den Heldenstatus von THE CURE in der frühen Gothic-Szene begründeten. Ikonographisch ist auch das Cover, das aufgrund der nebelschwadigen Grauschattierungen die funeral-niederdrückende Atmosphäre sehr gut wiederzugeben vermag.

Fazit: Auch vierzig Jahre nach seinem Erscheinen hat das überaus weh- und schwermütige „Faith“ nichts von seinem Reiz und seiner Wirkungskraft eingebüßt, weil es jenseits der gegenwärtigen Playlist-Beliebigkeit organisch als Ganzes funktioniert und mit inneren, zeit- und modelosen Werten aufwarten kann. Keine leichte Kost, nichts für Freundinnen und Freunde der leichten Muse oder oberflächlichen „Friday-I'm-in-love-Fetischisten.

"I went away alone, nothing left but faith!"

 

Tracklist

01. The Holy Hour
02. Primary
03. Other Voices
04. All Cats Are Grey
05. Funeral Party
06. Doubt
07. The Drowning Man
08. Faith

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