Veruca Salt - Eight Arms To Hold You

CD Reviews, Veruca Salt - Eight Arms To Hold You

Unglaublich, aber wahr. Das zweite Album von VERUCA SALT konnte gerade seinen 25. Geburtstag feiern (11. Februar 1997). Schon lange, bevor “feministische Außenpolitik” erfunden wurde, schickten sich Louise Post und Nina Gordon an, die männlich dominierte Musik, von ihnen auch Boys Club genannt, aufzumischen.

Denn ihr Debütalbum “American Tights” (1994) schlug ein, wie ein Jägermeister auf nüchternen Magen. Die Singles ‘Seether’ und ‘Number One Blind’ liefen im Musikfernsehen (MTV) rauf und runter und inspirierten unter anderem die Mannen um Shaun Morgan für ihren Bandnamen (SEETHER). Es folgen umfangreiche Promotouren und Auftritte, zum Beispiel als Vorgruppe für HOLE auf deren “Live Through This Tour”.



Aber wie das im Leben oft so ist, im Moment, in dem die Sonne am hellsten scheint, ziehen in der Ferne schon die ersten Wolken auf und der zweite Longplayer, der ja immer auch der schwerste ist, war der Beginn eines längeren Zerwürfnisses zwischen den beiden Frontfrauen. Zunächst ging es aber gewohnt erfolgreich weiter. Noch vor Veröffentlichung des Albums kam die Maxi-Single (EP) “Volcano Girls” heraus. Deren Titeltrack findet sich gaunauso wie die schon von den Konzerten bekannten Tracks ‘Straight’ und ‘Stoneface’auf dem Longplayer. Als Reaktion auf allerlei Kritik am Auftreten der Band (z.B. too cute), egagierte man den Produzenten Bob Rock, der gerade METALLICA mit dem “schwarzen Album” zu einigen Millionen verholfen hatte. Dessen Arbeitsweise sorgte für weitere Entfremdungen in der Band, so dass am Ende der Drummer Jim Shapiro seine Klöppel hinwarf.



Nichtsdestotrotz ist “Eight Arms To Hold You” ein wirklich herausragendes zeitloses Opus, das auch heute noch überaus frisch klingt und mit einer bezaubernden Mischung aus dreckig, rotzigen Rocksongs (‘Straight’, ‘Don’t Make Me Prove’, ‘Shutterbug’), “gute-Laune-Hymnen (‘With David Bowie’, ‘Awesome’, ‘The Morning Sad’) und nachdenklichen, melancholischen, sehnsuchtsvollen Schmachtfetzen (‘Benjamin’, ‘One Last Time’) aufwarten kann.



Der Suchtfaktor entsteht hier durch die gekonnte Kombination aus fragiler Zerbrechlichkeit und monolithischer Stärke, aus melodischer Eingängigkeit und riffiger Härte, aus erfrischender Leichtigkeit und schwerer Tiefgründigkeit. Wer das Lebensgefühl der jungen Menschen in den 90er Jahre authentisch (wieder) erleben möchte, der sollte sich Zeit für diese Perle der Musikgeschichte nehmen und bei Gefallen sofort auch zum restlichen Backkatalog der Band greifen. Eine “Geld-zurück-Garantie” ist nicht erforderlich, da auch die vier anderen Longplayer herausragend sind. aber das ist eine andere Geschichte.

Für tiefgreifendere Recherchen:


Line Up

Nina Gordon, Louise Post, Steve Lack, Jim Shapiro
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.