Liv Sin - Interview mit Liv

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Liv Sin - Interview mit Liv
Mit Mitte Zwanzig heuerte Liv Jagrell bei der ehemaligen Black Metal Band INTO DESOLATION an, bevor sie 2006 mit den True Metal Amazonen HYSTERICA ein Demo aufnahm. Während dieser Zeit stand die Fitnesstrainerin allerdings auch schon bei SISTER SIN in Lohn und Brot, mit denen sie 2003 bereits „Dance of the Wicked“ veröffentlicht hatte. Der Durchbruch kam 2008 mit dem Zweitwerk „Switchblade Serenades“. 2015 gaben die schwedischen Rotzrocker dann überraschend das Aus der Band bekannt. Nach kurzer Schockstarre melde sich Liv mit ihrer neuen Combo LIV SIN zurück. Und mit „Burning Sermons“ kommt am 6. September nun das Zweitwerk der Band in die Läden, weshalb uns Liv einige tierische Geheimnisse verriet.

Mit dem Nachfolger zum 2017er Debüt „Follow Me“ liefern die Stockholmer ein echtes Kraftpaket ab. Für mich bewegt man sich damit absolut auf den Pfaden von SISTER SIN und die Mischung aus Melodie, Kraft und Metal überzeugt auf der ganzen Linie. Da jagten mir Statements der Frontfrau über stilistische Veränderungen zunächst einen Schauer über den Rücken.

„Auf unserem Vorgänger „Follow Me“  wollten wir einen straighten old school Metal Sound haben bei dem die Gitarren im Zentrum standen“, gibt die Sängerin zu Protokoll. „Auf der neuen Scheibe haben wir elektronische Elemente wie Keyboards und Orchesterarrangements verwendet. Dies nimmt den Gitarren natürlich etwas Raum, so dass ein dynamischerer und melodiöserer Sound entstanden ist. Daher klingen wir für mich heute anders, allerdings haben wir nach wie vor dasselbe Songwritinggerüst. „

In einem Interview habe ich sogar gelesen, dass du von „Industrial elements“ gesprochen hast. Da wurden bei mir böse Erinnerungen an Experimente wie W.A.S.P.s „Kill.Fuck.Die“ wach. Do auch hier kann ich Entwarnung geben. Könntest du vielleicht genauer erklären in welchen Songs du diese Elemente siehst?

„In „Blood Moon Fever“ haben wir definitiv viele Keyboards und in „Hope begins to fade“ findest du die orchestralen Elemente die ich bereits erwähnte. Dies ist für mich absolut neu in meiner Musik.“

In einem Punkt sind wir auf jeden Fall einer Meinung. Obwohl ich die SISTER SIN Alben auch durch die Bank gelungen und kraftvoll fand, kann „Burning Sermons“ definitiv mit dem fettesten Sound punkten. Was habt ihr denn dieses Mal anders gemacht?

„Die Lorbeeren würde ich unserem Produzenten Emil Nödtveidt überlassen“, zeigt Liv sich bescheiden. „Er wusste, dass wir einen großen, heavy Sound wollten und er hat ihn uns definitiv verpasst. Er kennt seinen Sound und indem wir ihm erlaubten mit allen möglichen Arrangements herumzuspielen, hat er den Sound noch heavier gemacht.“

Neben den stilistischen Veränderungen und dem neuen Soundgewand hat es auch eine Veränderung im Line Up gegeben.  Livs Lebensgefährte Per hatte auf „Follow Me“ die Stöcke hinter der Schießbude geschwungen. Im aktuellen Line-Up wird er jedoch nicht mehr genannt.

„Im Moment hilft uns Pers Freund Thomas und Per wird für einige Shows einspringen. Ich möchte nicht in seinem Namen sprechen, aber es gab wohl persönliche Probleme mit einigen Bandmitgliedern. Das ist ziemlich normal in einer Band und Per hat für sich entschieden, dass er so nicht weitermachen wollte und nun konzentriert er sich lieber auf andere Projekte.“


Für mich gehörten SISTER SIN ebenso wie LIV SIN heute immer zu den bodenständigen Bands mit Wurzeln im traditionellen Heavy Metal. Das Coverartwork zu „Burning Sermons“ erinnert mich hingegen eher an eine dieser okkulten, düsteren Doom Metal Bands. Und auch das Artwork zu „Follow Me“ hatte eher eine düstere Atmosphäre und erinnert mehr an diese ganzen „Female Fronted Symphonic Metal“ Bands. Wer ist denn bei euch für die Artworks verantwortlich?

„Unser Kumpel Hector fertig für uns alle Artworks an. Er ist wirklich großartig“, schwärmt die Frontfrau, „denn ich kann ihm kleine Ideen schicken und es ist als würde er meine Gedanken lesen können. Er kommt dann immer mit einem Artwork um die Ecke, das super passt. Ich lasse ihm ziemlich freie Hand und er enttäuscht mich nie.“

Vor einiger Zeit war zu lesen, dass Liv ihren Job als Personal Trainerin gerne an den Nagel hängen möchte, um von der Musik zu leben. Wie nah bist du denn diesem Ziel mittlerweile gekommen?

„Hhmm, mir hing die ganze Fitness-Industrie ziemlich zu Halse raus und ich habe für eine Weile wieder die Schulbank gedrückt. Mittlerweile arbeite ich als Arzthelferin in einem Tierkrankenhaus. Ich liebe Tiere wirklich sehr, aber mein Ziel ist es natürlich immer noch von der Musik leben zu können. Ich würde dann weiterhin ehrenamtlich im Tierheim arbeiten.“

Schweden ist ja spätestens seit der Death Metal Welle in den 90ern eine feste Größe in der Metalszene. Viele großartige Bands und Stile kommen aus Schweden, aber nach dem Abebben der New Wave of Swedish Sleaze scheint mir der nächste große Trend aus Schweden auf sich warten zu lassen. Hast du irgendeine Idee, was die nächste große Sache aus dem hohen Norden sein könnte?

„Hmmm, ich habe nicht so ein gutes Gespür für Trends“, gibt Liv zu. „Ich kann da wirklich keine Vorhersage treffen. Vielleicht dieser 70er Satanic Stil mit Bands wie GHOST oder LUCIFER GRAVEYARD.“

Ein Trend scheint zu sein – zumindest wenn man Veteranen wie Schmier trauen darf -, dass Bands auf der Bühne immer mehr schummeln und auf technische Hilfe setzen. Bekommen die Fans bei euch noch 100% LIV SIN wenn ihr auf der Bühne steht oder arbeitet ihr auch mit Clicks und Samples?

„Also meiner Meinung nach bekommen sie bei uns 100%, da wir immer alles geben. Aber wir benutzen auch Clicks und da einige der neuen Songs Keyboards haben, werden wir auch mit Samples arbeiten müssen. Unsere Instrumente sind aber immer live und ich würde auch niemals Backing Vocals für meinen Gesang benutzen. Ich liebe es zu singen!“

Bleibt mir zum Schluss nur noch die Frage nach einer Empfehlung. Welchen Song vom neuen Album würdest du gerne in unserer Radioshow bei Radio Tonkuhle 105.3 hören und weshalb?

„“Dead Wind Intermezzo“ – es ist einer meiner Lieblingssongs und es passieren viele Sachen im Song, was ich sehr mag. Da ich mir nicht sicher bin, ob der Song bei anderen Sendern gespielt werden wird, wäre es cool, wenn er wenigstens bei euch diese Chance bekommen würde…“

Ist notiert…


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