Xentrix

Xentrix sind eine der unterbewertetsten Bands der frühen 90iger Jahre. Alben wie „Shattered Existence“ oder auch das gelungene „Kin“ sind nach wie vor hörenswerte Dokumente der europäischen Thrash Metal Geschichte.

Relativ sang- und klanglos verschwand die Band dann von der Bildfläche und machte nun nach 13 Jahren plötzlich wieder durch einige Konzerte in England auf sich aufmerksam. In freudiger Erregung nahm ich Kontakt zu Sänger/Gitarrist Chris Astley auf und er erklärte sich schließlich bereit uns ein Interview zu geben. Was er uns zu sagen hatte und ob es für Xentrix eine Zukunft gibt, könnt ihr hier nachlesen…

1989 erschien mit “Shattered Existence” das grandiose Debut der englischen Thrashmetaller von Xentrix. Die Zeit war für diese Art von Musik perfekt – Chris, wie ist dir denn der Release der Scheibe in Erinnerung geblieben und was würdest du heute gerne ändern?

Sofern ich mich erinnere, waren wir von der ganzen Sache damals ziemlich überwältigt, um ganz ehrlich zu sein – es geschah alles so schnell. Der Sprung von der lokalen Kneipenband zum Debut ging sehr schnell. Wir dachten, die Welt gehöre uns und waren wohl auch etwas großspurig.
Was „Shattered Existence“ angeht würden wir wohl nichts anders machen wollen – es passierte einfach alles so und das kann ja nur etwas Gutes sein. Mehr Geld wäre gut gewesen, ein großes, gutes Studio wäre auch nicht schlecht gewesen, aber es hat alles funktioniert und wir waren froh.

Damals haben viele Journalisten den Vergleich zu Metallica gezogen. Wie passend findest du diesen Vergleich mit den Bay Area Thrashern?

Unsere Gefühle bezüglich dieser „Englands Antwort auf Metallica“ Geschichte waren gemischt. Wenn es hieß, dass wir das Potential hatten, die größte Metalband der Welt zu werden, dann war es okay. Was unseren Sound betrifft, so habe ich niemals gedacht, dass wir besonders stark nach Metallica klangen. Ich fühle mich für diese Vergleich verantwortlich, da ich „Explorer“ Gitarren spielte. Ich hatte diese aber schon in der Schule und damals spielte James Hetfield noch Flying-Vs. Wir haben denselben Stil gehabt und Metallica haben uns inspiriert. Ich glaube nicht, dass dies eine schlechte Sache ist.

Ähnlich wie bei Metallica hatten auch eure Songs ziemlich direkte Aussagen. Welche Rolle spielten den die Lyrics für euch und wie denkst du über Bands, denen die Lyrics vollständig egal sind?

Es wurde oft gesagt, dass unsere Texte tiefere Bedeutung hätten und dass das “unsere Sache” sei. Um ehrlich zu sein, wir haben nur irgendwelche Worte geschrieben, die okay zur Musik klangen und nicht zu dumm waren (meistens jedenfalls). Wir haben alle Texte geschrieben und Teile für die Songs verwendet wo sie passten. Wir haben aber viel mehr Zeit auf die Musik verwandt und die Texte waren nur ein notwendiges Übel – sie sind oft erst in letzter Minute entstanden.

Die Band hat vor allem durch das (wie ich noch heute finde) großartige „Chostbusters“ Cover von sich Reden gemacht. Wessen Idee war das denn?

Daran war Macka schuld. Ich kann mich an die Umstände nicht erinnern – was haben wir uns bloß damals gedacht?

Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, dann habt ihr die Single ursprünglich mit dem echten „Chostbusters“ Logo veröffentlicht und musstet es dann verändern, so dass schließlich ein langhaariger Typ aufs Cover kam. Was ist genau passiert?

Die Aufnahmen für „Chostbusters“ wurden für die Friday Rock Show auf Radio 1 gemacht und wir haben uns später entschlossen, diese Version zu veröffentlichen anstatt sie neu aufzunehmen. Die Idee zum Cover erschien nahe liegend und lustig und daher haben wir es genommen. Es handelte sich um das „Chostbusters 2“ Logo (ein Geist steigt durch das Einfahrt Verboten Zeichen), allerdings zeigte unser Geist den Mittelfinger und nicht das Victory-Zeichen. Als die Scheibe gerade erscheinen sollte, erhielten wir ein Schreiben von Columbia Pictures, die uns legale Schritte androhten. Daher wurde das Original verworfen und schnell ein neues Cover erstellt. Es war das Beste, was uns geschehen konnte, da wir so viel Öffentlichkeit bekamen. Wir konnten die verbotenen Cover nicht verkaufen und daher haben wir sie bei Konzerten einfach in die Menge geworfen. Oh happy days!

Das Album “For Whose Advantage” zeigt verschiedene Perspektiven auf die Welt: einen Geschäftsmann mit ausgestreckten Armen vor glänzenden Hochhäusern und dann die ausgebeutete Wüste mit Ölpipelines. Das Cover sieht ersten cool aus und trug weiterhin zum sozialkritischen Image der Band bei.

Titel und Cover sind ein gutes Beispiel dafür, wie wir zu unseren Ideen gekommen sind. Es wurde oft vermutet, dass „FHA“ eine Kritik an der wirtschaftlichen Ausnutzung der Dritten Welt sei und dass wir ein Statement damit treffen wollten. Tatsächlich ist die Sache so entstanden. Macka fand einen lateinischen Rechtsausdrug in einem alten coolen Buch, der übersetzt „For Whose Advantage?“ bedeutete. Uns gefiel der Sound und wir haben um den Titel einen Song geschrieben. Das Artwork ist nur die Visualisierung des Titels – aber natürlich waren wir damit zufrieden, wie der Titel etc. in der Öffentlichkeit angekommen ist. Es ist auf jeden Fall mein Lieblingsartwork und auch mein Lieblingssong.

Ich liebe zwar viele Xentrix Songs, habe es aber immer als Problem angesehen, dass die Produktion nie das volle Potential der Songs herausstellen konnte. Wer die Band live gesehen hat, wird mir zustimmen, dass dort wesentlich mehr Kraft und Rauheit hinter den Kompositionen stand – man bekommt auch auf der „Dilute To Taste“ EP einen guten Eindruck davon.

Ich denke, dass ich für die gesamte Band spreche, wenn ich sage, dass wir dir voll zustimmen. Wir waren immer eine Liveband, die es im Studio nie so richtig gerissen hat. Im Rückblick hatten wir wohl zu viel Kontrolle über den Aufnahmeprozess. Erst bei den Aufnahmen zu unserem letzten Demo 1993 wurde uns gesagt, wie wir aufnehmen würden und dann wurden wir zum Mix aus dem Studio geworfen. Damals haben wir gemerkt, dass wir den Produzenten hätten produzieren lassen sollen und nicht immer überall reinreden – und wir haben uns überall reingehängt – überall.

Dieses Demo wurde ja niemals als CD veröffentlicht. Stattdessen stelle „KIN“ die letzte Scheibe mit dem Original Xentrix-Line-Up dar. In einem Interview hast du mal gesagt, dass ihr für das Album eine Art Hass-Liebe empfindet. Ich persönliche liebe die Scheibe, da sie viele gute Midtempo Songs enthält und musikalisch reifer klingt als die Vorgänger. Warum seid ihr so zwiegespalten?

Was „KIN“ betrifft, so kann ich nur für mich selber sprechen, aber ich denke, dass die anderen ziemlich sicher mit meinem Kommentar übeeinstimmen würden. „KIN“ war unser „make or break“ Album und wir wussten, dass wir großartige Songs hatten, aber es klang beschissen – nicht nur „nicht gut“, der Sound war wirklich komplett für die Tonne. Die Gitarren sind zu leise und die Drums viel zu laut, besonders die Snare. Ein amerikanisches Magazin besprach die Scheibe und schrieb: „Die Platte klingt, als baue jemand einen Schuppen.“ Dem stimme ich zu.

Nach „KIN“ folgte noch eine EP mit dem Namen „The Order of Chaos“, bevor Sänger/Gitarrist Chris sich dazu entschloss, die Band zu verlassen und damit im Grunde das Ende der Band zu besiegeln. Was genau ist damals vorgefallen?

Genau genommen war ein 3 Track Demo, das unter www.xentric.co.uk in der Media-Section herunter geladen werden kann, unsere letzte gemeinsame Aufnahme. Nach der Veröffentlichung von „Kin“ wurde die Musikszene etwas seltsam. Death Metal war groß angesagt und ich habe es einfach nicht verstanden. Wir haben uns entschieden, dass es Zeit sei uns weiterzuentwickeln und eine neue Plattenfirma und ein neues Management zu besorgen. Wir haben ein Demo aufgenommen und begonnenes zu promoten. Es war eine Zeit der Herausforderungen, hat aber auch viel Spaß gemacht. Wir Vier haben das getan, was uns Spßa machte und niemand hat uns reingeredet und wir haben unsere eigenen Entscheidungen getroffen. Fantastisch! Ich war entschlossen entweder bei einem Label zu unterschreiben, das bereit war Geld in die Band zu investieren oder die Band zu verlassen. Ich wollte einfach nicht mehr so weitermachen, ohne Einkommen und mit der Hoffnung, dass wir durch Zufall groß rauskommen würden. Das würde einfach nicht passieren. Das einzige richtige Angebot zu der Zeit kam von Heavy Metal Records und die anderen wollten das Angebot annehmen – da wusste ich, dass es Zeit war zu gehen.

Die Geschichte der Band spielte sich im Grunde im Zeitraum von 3 Jahren ab (erste CD bis zur Trennung). Denkst du, dass die Fülle an Ereignissen und Eindrücken in einer solch kurzen Zeit dazu beitrug, dass es 1992 zur Trennung kam?

Das ist eine interessante Frage und ich habe die Sache noch nie von der Seite betrachtet. Ich denke allerdings, dass die Antwort „nein“ sein müsste. Drei Jahre sind eine lange Zeit um festzustellen, dass man es nicht schaffen wird. Wir hatten keine Möglichkeit unseren Lebensunterhalt mit der Musik zu verdienen und wir wurden in der Welt nicht so promotet, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir denken immer noch, dass wir das Potential hatten und es schmerzt noch immer daran zu denken, dass jede amerikanische Band ein Album veröffentlichte, die Staaten für einige Monate betourte und dann für einige Monate in Europa touren konnte. Wir haben nur die pflichtmäßigen UK Shows gespielt, die dann durch einen weiteren Gig im Marquee beendet wurden. Versteh mich nicht falsch: wir hatten die Touren mit Annihilator und Tankard und wir haben Sepultura und Testament im Hammersmith Odeon supported, was wirklich genial war. Es hat uns aber nicht die Gelegenheit gegeben vor genügend Menschen zu spielen und unsere Platten entsprechend zu promoten und die Verkäufe anzukurbeln. Es wurde uns klar, dass der Schritt von der überdurchschnittlich guten Lokalband zur wirklich erfolgreichen Band nicht stattfinden würde. Ich hasse es, dies einzugestehen, aber so war es eben.

Nachdem du die Band verlassen hattest, haben die anderen Jungs die Band zum Fünfer aufgestockt und eine Scheibe namens „Scourge“ aufgenommen. Die Scheibe hat wenig Interesse erregt und ist auch wirklich nicht sehr hörenswert – zu modern, zu farblos. Weißt du, ob die Band selbst festgestellt hat, dass es nicht funktionieren würde?

Verständlicher Weise bin ich nicht die richtige Person, um diese Frage zu beantworten. Ich persönlich halte „Scourge“ für eine großartige Scheibe und Simon ist ein sehr guter Sänger und Andy ein guter Gitarrist. Ich hätte gerne gesehen, dass die Jungs weiter gemacht hätten, da sie gemessen am Aufwand und Arbeit mehr verdient hätten.


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Infos

  • Erstellt am

    07. September 2006
  • Line Up

  • Redakteur

    Thorsten Zwingelberg
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