Disillusion

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Damals war das dann noch neu, heute ist es eher als inflationäre Flut an New-Metal-Acts verschrieen. Seitdem hat sich viel verändert – nach dem Split der Kapelle 1997 arbeitete Andy, mittlerweile in Leipzig, allein an dem Fortschritt der dann toten Kapelle, schrieb neue Songs, und verbrachte nahezu 3 Jahre damit, neue Musiker zu finden, um DISILLUSION wieder aufleben zu lassen. Bis endlich im Oktober 2000 mit Rajk Barthel (git.) und Jens Maluschka (dr.) die wahrscheinlich perfekte Besetzung gefunden wurde. Prompt fingen wir an zu arbeiten – bauten ein Kleinstudio, schrieben 10 Songs, nahmen die THREE NEURON KINGS ep auf und bereiteten uns auf die Livegeschichten vor. Das geschah alles in Eilgeschwindigkeit und mit unzähmbarem Engagement binnen einem Jahr.

Was hat euch motiviert Musik zu machen?

Letztendlich ist die Musik einfach da und muss raus um das dringende Bedürfnis nach Selbsterfüllung und Sinngebung zu befriedigen. Es ist eben wahnsinnig schwierig, überhaupt einen (eigenen) Weg zu finden im Chaos all der Pfade, die beschritten werden könnten. Wenn jedoch der erste Schritt fällt, ist da oft keiner, der zurück führt. So war es anfänglich vielleicht eine Art Rebellion, Extravaganz. Doch schnell führte die immer intensiver werdende Beschäftigung mit Musik an sich, beim Schaffen der Eigenen, zu Provokation und Anstachelung des „Innersten“, so dass es überhaupt entdeckt werden und herausbrechen konnte..... Aus welchen musikalischen Lagern kommen eure einzelnen Bandmitglieder?

Für alle drei gilt sicher eines: da ist kein klar definierbares Lager. Trotzdem war und ist für alle der Metal und hier bes. Thrash –und Death Metal ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Teil der mannigfaltigen musikalischen Interessen und der Punkt, in dem sich diese überschneiden.

Was ist bis heute so bei euch geschehen?

Nachdem wir also die anfänglich immer sehr schwierige Suche nach einer gemeinsamen Sprache weitestehend hinter uns gelassen hatten, war es dann endlich erst möglich, gemeinsam an der Musik zu arbeiten. Dieser Prozess verlief zum Glück sehr schnell und nahezu komplikationslos, sonst hätten wir uns wohl auch im Dezember 2000 nicht entschieden, überhaupt zusammenzuarbeiten. Ab diesem Zeitpunkt hatte DISILLUSION schon längst eine Eigendynamik entwickelt. Die Pläne für die CD und die Livegeschichten wurden geschmiedet, das Studio (salvation Rec.) wurde aus dem Boden gestampft, und Probe nach Probe verkürzte die Freizeit auf ein Minimum. All das gab uns die Möglichkeit, tief an den Songs der EP und den anderen zu feilen. Wie es bei einer Eigenproduktion dann meist der Fall ist, war alles viel zu viel auf einmal , um es zu kontrollieren oder auf feste Wege zu zwingen. Am Ende ist alles gut geworden, nicht zuletzt aufgrund der grossen Hilfe auf voller Breitseite von vielen.

Welches sind eure grössten Einflüsse?

Direkten Einfluss auf die Musik DISILLUSIONs haben Kapellen wie Opeth, Soilwork, Arch Enemy, Emperor, Meshuggah, um nur einige zu nennen. Dies weiterzuführen würde hier sicher den Rahmen sprengen. Am Ende ist es doch so, dass sich selbst eine Kinderliedmelodie aus vergangenen Tagen in der Musik von späteren Jahren wiederfinden lässt. Kurzum: schwierig, etwas allgemeines zu sagen - vielleicht ist es doch komplexe Musik jeglicher Richtung, die DISILLUSION am weitesten beeinflusst, Musik mit Tiefe, Emotionalität (was natürlich auch Wut etc. bedeuten kann), Energie...

Wie würdet ihr eure Musik selbst beschreiben und kategorisieren?

Black / Thrash Metal der modernen skandinavischen Schule, irgendwo zwischen Anathema, Soilwork, Opeth und Emperor; energisch und doch verhalten, filigran, kalt und doch brodelt das Feuer der Wut, der Verachtung, der Gelüste. Nackenbrechende Grooves münden im wimmernden Leiden einer Akustikgitarre, ein triumphaler Zug als inbrünstiger Recke endet im Schlachtgetümmel voll Wut, voller Energie. Und, egal welcher Stilistik sich gerade bedient wird, Energie ist das Schlüsselwort; ob nach aussen oder innen – sie ist das Charakteristikum der Musik DISILLUSIONs. So gibt es sicher viel zu bieten: gewaltige Riff-Attacken, die eher in einem Death / Hardcore Style dargeboten werden , Black-Metallische Atmosphäre, ein wenig Jazz, eine Prise Folk, aussergewöhnlich variable Gesänge - doch bei weitem keine Ruhe und Ausgeglichenheit.

Und was haltet ihr von Kategorisierung bzw. Schubladendenken bezüglich Musikstilen?

Eine Schublade wird natürlich nie wirklich allen Facetten einer Kapelle gerecht und ist somit unter Umständen ein beengendes Korsett. Dann wiederum kann eine harte Kategorisierung durchaus zur Beschreibung und zum ersten-Eindruck-gewinnen dienen und verschafft dem geneigten Hörer so etwas wie eine Richtlinie. Bei den aber-zigtausend Kapellen da draussen ist eine Kategorisierung wohl die einzige Möglichkeit, so etwas wie Ordnung zu erschaffen. Am ende spricht aber die Musik natürlich für sich. Einzige Möglichkeit aus dem Schubladendilemma herauszukommen wäre wohl bei jedem Review etc ein Songbeispiel dabei zu haben. Nur das wird wohl noch etwas dauern...

Wie ensteht bei euch das Songwriting und wie läuft eine Recording Session bei euch ab?

Eigentlich unspektakulär klassisch: Ideen werden gesammelt, Konzepte gebaut, danach geht es in den Proberaum und alles wird arrangiert. Ehe jedoch ein fertiger Song daraus wird, lassen wir das Material einige Zeit reifen, um wieder etwas Abstand zu bekommen. Dann geht manchmal alles wieder von vorn los, was jedoch noch nie geschadet hat. Erst nach einiger Zeit eben ist ein Song ins Blut übergegangen und der Kopf ist nicht mehr im Einsatz. Erst dann ist wohl die Zeit gekommen, die eigene Musik erleben zu können. Ist es einmal soweit, wird aufgenommen. Da kommt es dann natürlich zu spontanen änderungen, Inspirationen, Verspielern, die neue Möglichkeiten offen legen. Eine sehr spannende und zermartende Zeit, wiederum auch die Zeit, in der die Musik am lebendigsten ist.

Welche Bedeutung messt Ihr dem Sound bzw. der Produktion generell bei? Denkt Ihr beispielsweise, dass gute Songs auch mit einem durchschnittlichen Sound funktionieren können?

Im Grunde ist die Antwort „JA“. Da sind jedoch einige Probleme: Wenn der Song nach dem Produzieren so weit anders ist, dass die Kapelle selbst überrascht ist, wie sie denn klingt, dann nützt auch die beste Produktion nichts. Schließlich hat man bei jedem Song eine gewisse Vorstellung, baut die Struktur eben genau so, dass dieses Bild entsteht. Klingt es dann anders, ist es wohl ein bisschen auch ein anderer Song. Das ist dann schade. Es kann also funktionieren, einen guten Sing mit durchschnittlicher Produktion gut an de Mann zu bringen. Einfacher und fast klüger ist aber wohl, die Produktion nicht einem Selbstlauf zu überlassen, kurz: sich ständig darüber Gedanken zu machen, wie klingt das in meinem Kopf und wie nur kann ich es umsetzen. Dann sollte auch bei der Produktion wenig anbrennen. Eine andere Sache mit der Produktion sind die Details der Musik – ist natürlich extrem ungünstig, wenn Dank einer schlechten Produktion die Finessen des Songs verloren gehen. DISILLUSION messen Sound und Produktion also einen sehr großen Anteil von Ideenfindung bis zur Mastern bei, genau damit sich die Gedanken und Pläne auch wirklich verwirklichen lassen.

Wie sieht es mit Live-Gigs aus?

Die Reaktionen auf unsere EP „Three Neuron Kings“ sind bis jetzt rundum sehr positiv, so dass wir auch relativ unkompliziert an Live-Gigs kommen. Für April planen wir mit den Stuttgarter „Bizarre Space“ Metallern von „Asterius“ eine kleine Tour mit Namen „Prologues To Infinity“, die uns nach Süd- und Mitteldeutschland führen wird. Nähere Infos dazu werden bald unter www.disillusion.de zu finden sein.

Was steckt hinter eurem Bandnamen? Wieso habt ihr diesen gewählt und was bedeutet er für euch?

In den sieben Jahren Bandgeschichte gab es viel Zeit darüber nachzudenken und zu philosophieren, was genau eigentlich DISILLUSION sei; was es auszudrücken galt und immer noch gilt, was unser Innerstes bis zum Bersten mit Lanzenstichen peinigt. Jedoch, keine Erklärung wurde gerechter, als die einfachste - alles drehte sich um uns, unser Innerstes, unsere dunkle Welt und die Farben der Illusionisten, die Geister verflossener Lieben und all das, was uns ernüchtert hat, ja uns die Illusionen stahl. Disillusion wurde zum Innbegriff für Wissen, Reflexion, Leid und Schmerz - doch auch für Stärke durch Selbsterkenntnis und die Entschleierung der Welt, und wurde lebendig, gar zu einem vielschichtigen Lebensbild mit einer karg-schwarzen ästhetik. Es geht um den Einzelnen, seine Reise durch sein Ich, durch seine Emotionen, sein Leid und seine Freuden, seine Grenzen und deren Durchbrechung, um endlich zu leben und sich selbst zu hören im Lärm der Fanatisten.

Was erhofft ihr euch bandtechnisch für die Zukunft? Wann ist mit neuem Material zu rechnen?

Mit der aktuellen CD geht es natürlich auf Labelsuche, mit welchem wir uns hoffentlich schnell auf das erste DISILLUSION Album einigen können. Wenn alles gut läuft, beginnen wir die Aufnahmen im November/Dezember 2002, Vö Anfang 2003.

Wie steht ihr generell der Metal-Szene gegenüber?

Obwohl niemand von uns so Recht dem Bild des Klischee Metallers entsprechen mag, stehen wir der Szene nicht „gegenüber“ sondern fühlen wir uns als Teil von Ihr, gestalten sie, im bescheidenem Ausmaß, durch unsere Musik ja auch mit.......

Abschliessende Worte an unsere Leserschaft?

Besucht unsere HP www.disillusion.de und diskutiert im Forum mit uns.......und natürlich: Hört „Three Neuron Kings” !!!

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