Blast From The Past – Teil 10 mit Aino Laos von LAOS

weitere Artikel zu Blast from the Past LAOS

Blast From The Past – Teil 10 mit Aino Laos von LAOS
“Laos ist ein Land in Südostasien, durch das der Mekong fließt. Es ist bekannt für seine Berge, Architektur aus der französischen Kolonialzeit, die Siedlungen der Bergvölker und buddhistische Klöster.“ Im Deutschland der Wendezeit wurde der Name jedoch vor allem wegen eines aufsehenerregenden Debütalbums der Band LAOS bekannt. „We want it“ blieb leider das einzige Lebenszeichen dieser vielversprechenden Kapelle um Frontfrau Aino Laos und Drummer Jörg Michael (ex-AVENGER, ex-MEKONG DELTA, ex-GRAVE DIGGER, ex-STRATOVARIUS. Grund genug, um fast 30 Jahre nach Erscheinen des Album Kontakt zu Aino aufzunehmen und ihr ein paar Fragen für unsere „Blast From The Past“-Reihe zukommen zu lassen.


Female-Fronted Metal gab es dem Namen nach Ende der 80er natürlich noch nicht, auch wenn sich mit WARLOCK, HOLY MOSES, WARDANCE, LEE AARON, GIRLSCHOOL usw. schon eine ganze Reihe von Bands mit weiblichen Mitgliedern in der Szene finden ließen. Musikalisch hatten LAOS auch deutlich mehr Gemeinsamkeiten mit Bands wie LEE AARON, LITA FORD oder VIXEN als mit den späteren Female-Fronted Band à la NIGHTWISH oder WITHIN TEMPTATION. Trotz moderner Medien ist anno 2019 kaum mehr als die Besetzung und die Discographie von LAOS herauszufinden. Doch die musikalische Ausrichtung von LAOS lässt durchaus Vermutung hinsichtlich der musikalischen Wurzeln der gebürtigen Engländerin Gudrun Laos (die ihren Namen später in Aino änderte) zu. 

„Mit 11 Jahren hat mir mein älterer Bruder „Rainbow Rising“ von RAINBOW vorgespielt. Ich habe die ganze Platte angehört (beide Seiten) und war unglaublich geschockt! Es war wie eine Offenbarung. Die Stimme von RONNIE JAMES DIO war spektakulär. Bis dahin habe ich Bands wie THE SWEET und SLADE angehört und fand sie schon ziemlich frech und interessant, aber das war eine andere Dimension. Danach bin ich neugierig geworden. Bands wie PINK FLOYD, LED ZEPPELIN, BLACK SABBATH, GENESIS und RUSH haben mich beeindruckt.
Mit 13 habe ich – gemeinsam mit meinem Bruder - meine erste Band gegründet. Ich am Bass und er an der E-Gitarre. Da wir keinen guten Sänger gefunden haben, musste ich auch als Frontfrau agieren. Wir haben alles Mögliche nachgemacht und uns auch an eigene Kompositionen gewagt. Es war eine lehrreiche Zeit und hat mich als Musikerin sehr geprägt.“

Für den außenstehenden Fan sind LAOS 1990 quasi aus dem nichts plötzlich auf der Bildfläche erschienen. Im Internet ist nachzulesen, dass die Band von Aino gemeinsam mit Gitarrist Frank Fricke (ex-LIVING DEATH, ex-MEKONG DELTA) gegründet wurde. Eine Information, die wir nach Trump’scher Manier guten Gewissens als Fake News abtun können, wie Aino erklärt:

„Frank Fricke ist viel später als Lead Gitarrist eingestiegen. Ich habe die Band 1988 mit dem Keyboarder Wolfgang Schindler und dem Gitarrist Ralph Hansmeyer [die beiden hatten zuvor mit der Kölner Band XXARON ein Album veröffentlicht – TZ] in England gegründet. Ich habe die beiden zufällig in eine Kneipe in London getroffen. Kurz davor habe ich in der Band SHE gesungen, mit Tracey Lamb am Bass und habe auch als Session Sängerin gearbeitet. Die Jungs hatten fünf Tracks ohne Melodie oder Text und waren extra nach London gereist, um den idealen Sänger und Songschreiber zu finden. Ich fand deren Ehrgeiz beeindruckend! Ich bin danach oft nach Deutschland gependelt, um Songs mit denen zu schreiben und aufzunehmen.“

Heute würde ein Label in Bandinfo sofort von einer Supergroup sprechen. Vor allem Frank (alias Rolf Stein) und Jörg (alias Gordon Perkins) waren Ende der 80er mit Bands wie MEKONG DELTA und RAGE in der Szene sehr bekannt und erfolgreich. Allerdings handelte es sich bei LAOS nicht um eine gecastete Band.

„Wir hatten verschiedene Besetzungen gehabt. Die Gebrüder Herve und Pascal Rossi waren eine Weile am Bass und Schlagzeug tätig. Wir haben lange in der Nähe von St. Tropez geprobt,
in Vorbereitung für Auditions in London für große Plattenfirmen und Managements - leider vergeblich. Die beiden waren frustriert und sind ausgestiegen und wir waren wieder zu dritt und auf der Suche nach der idealen Besetzung. Letztendlich konnten wir Frank Fricke als Lead Gitarrist, Thomas Röben am Bass und Jörg Michael am Schlagzeug gewinnen.“

Als der Fünfer schließlich komplett war, erschien 1990 das Debüt „We Want It“ bei der Time Warner-Tochter TELDEC. Die blonde Frontfrau Aino steuerte nicht nur den Bandnamen bei, sondern nahm auch die zentrale Position auf dem Albumcover ein. Wie sich bald herausstellen sollte, führte dies zu erheblichen Problemen. . .

„Unser Name war unsere Idee – „Laos“ war kurz und bündig: ein wenig exotisch und natürlich mein Nachname. Die Plattenfirma hat mich als Frontfrau und als Aushänge-Schild eingesetzt. Das war in diese Zeit nicht unüblich, aber es hat zu viel Frustration und Eifersucht unter den Bandmitgliedern geführt, insbesondere mit Wolfgang und Ralph. Sie hatten natürlich Angst, dass sie zurückgelassen werden könnten und nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben.
Ich war andauernd hin- und hergerissen – meine Loyalität war gespalten. Ich wurde vom Manage-ment, von der Produktionsfirma, von der Plattenfirma und von der Band massiv unter Druck gesetzt. Alle wollten ihren eigenen Vorteil: Die Produktionsfirma wollte, dass ich eine Solokarriere anfange und die Band vergesse, aber das konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Nach einem Jahr wurde die Spannung für mich unerträglich. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte, wem ich vertrauen kann. Ich wollte meine Bandmitglieder nicht verraten und den egoistischen Weg ohne sie gehen. Lange Geschichte kurz: Ich habe alles brutal gestoppt und bin aus dem ganzen Chaos ausgestiegen. Die Band war natürlich ziemlich enttäuscht und sauer auf mich. Die diversen Firmen auch, aber ich konnte zumindest weiterhin in den Spiegel schauen.“

Viele Fans haben sich damals wie heute natürlich gefragt, weshalb es bei einer Band mit so viel Po-tential und einem dermaßen starken Debüt nicht sofort durch die Decke ging und die Band stattdessen mehr oder weniger klanglos so schnell wieder in der Versenkung verschwunden ist. Wer kann schon von sich behaupten ein Debütalbum ohne lästige Füller und halbgare Songs veröffentlicht zu haben? 

„Danke! Das Album sollte ganz groß herauskommen – Teldec wollten und haben viel Geld und Wer-bung investieren. Es ist an den Intrigen und an Manipulation gescheitet. Auch waren die Tage von Heavy Metal im Mainstream gezählt – Bands wie NIRVANA und SOUNDGARDEN haben die Charts/Musikszene übernommen und die Musikszene verändert. Wir waren einfach zu spät dran, auch wenn alles gut gelaufen wäre, wäre es irgendwann wohl dennoch gescheitert. Grunge und Crossover der 90er waren jetzt angesagt.“

Dennoch gab es große Träume für „We Want It“. Mit TELDEC schien man zudem einen potenten Partner gefunden zu haben. Doch bekanntlich kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

„Zu dritt haben wir damals auf meine Kosten drei Demos im Studio aufgenommen, mit Drum-Maschine und Synthbass. Es war für uns der letzte Versuch eine Plattenfirma zu gewinnen. Erstmals war Uwe Block von Mainhatten Musik aufgesprungen und er hat den Deal mit Teldec ausgehandelt. Dass er der „Mittelmann“ war, hat viele Probleme bereitet. Wir waren total in seinen Händen und hatten keinen Einfluss oder Einblick in seine Geschäfte mit uns. Es wäre alles besser gewesen, wenn wir direkt mit Teldec verbunden gewesen wäre – who knows.....“

Und so kam es auch nicht zu größeren Touraktivitäten. Die Fans, die die band seinerzeit live erlebt haben, durften sich dies zu Recht als glücklichen Umstand in ihr Fan-Tagebuch schreiben.

„Wir haben ein paar kleine Aufwärm-Gigs gemacht. Wir hätten eine Support Tour mit Ian Gillan machen sollen, aber alles ist auseinandergebrochen bevor das geschehen konnte.“

Wie gesagt, bewegten sich LAOS irgendwo im Hardrock Bereich. Songs wie „Why is a good Love“, “Straight To The Top” oder der Opener “I Want It” hatten zweifellos internationals Format und die Songs brauchen auch heute keinen Vergleich mit den ganz Großen der hart rockenden Szene zu scheuen. Allerdings hatten alle Bandmitglieder außer Aino mit ihren anderen Bands deutlich härte Klänge angeschlagen und schienen eher im Heavy Metal verwurzelt zu sein.

„Ursprünglich waren unsere Gruppenvorbilder Bands wie „WHITESNAKE, BON JOVI, THE SCORPIONS, MÖTLEY CRÜE – die Glam-Rock Bands der 80er. Es war die Zeit des Musik-TVs – die Videos von diesen Gruppen liefen rauf und runter. Ich glaube Frank, Thomas und Jörg waren einfach von unseren Qualitäten überzeugt: Wir hatten gute Songs und sie haben an mich als Sängerin und Frontfrau geglaubt. Alle drei waren unheimlich tolle Menschen und sehr professionell. Nach dem Split haben Jörg und ich geheiratet – deshalb bin ich in Deutschland geblieben und nicht zurück nach England.

Allerdings ist auch zu lesen, dass es ein zweites LAOS Album gab, dieses jedoch nie veröffentlich wurde. Da würde es uns natürlich interessieren, was mit den Aufnahmen geschehen ist, sofern es sie tatsächlich gibt…

„Ich habe Jahre später ein Album für BMG Ariola geschrieben und aufgenommen. Es hatte nichts mit der Gruppe LAOS zu tun. Einige Singles waren „veröffentlicht“, aber das Album nicht. Ich hatte keinen richtigen Ansprechpartner bei BMG – sie hatten kein Plan, keine Vision für mich oder das Album - von Anfang an. Schade: Es war von David Richards (QUEEN-Innuendo Produzent) abgemischt und war sehr anspruchsvoll. Diese drei Jahre unter Vertrag bei BMG waren aber wichtig für mich. Ich konnte mich als Künstlerin weiterentwickeln und viel experimentieren.“

Ein zweites LAOS Album gibt es also nicht. Aber das muss ja nicht so bleiben, denn zurzeit gibt es ja einen wahren Reunion Boom und viele Helden von damals kehren auf die Bühnen und in die Studios zurück. Vielleicht dürfen wir uns ja auch bald auf eine Fortsetzung von „We Want It“ freuen. . .

„Ich habe keinen Kontakt mehr zu den Jungs, außer mit Jörg ab und zu. Wir sind seit 1997 geschieden. Die Band wiederzubeleben kommt für mich nicht mehr in Frage – da ist viel zu viel Zeit vergan-gen und ich habe mich über die Jahre ganz anders orientiert. Ich bin ins Musicaltheater eingestiegen, schreibe Geschichten und Librettos, schauspiele und komponiere. Nur als Gesangsproduzentin habe ich ab und zu Kontakt zur Rock Szene: Zum Beispiel mit Bands wie DIE HAPPY, SUBWAY TO SALLY, MEGAHERZ, KREATOR, STEPFATHER FRED und THE DOGMA.

Die Zeit mit LAOS hat mich sehr geprägt, aber nicht definiert. Ich schaue mit gemischten Gefühlen zurück – eigentlich schaue ich kaum zurück, wenn ich ehrlich bin. Ich bin ein Mensch der sehr in der Gegenwart lebt und genieße es, jeden Tag kreativ zu sein. Künstlerin zu sein ist mein Leben und meine Berufung und bedeutet eine tagtägliche Weiterentwicklung. Etwas Spannenderes kann ich mir nicht vorstellen! “

Schade, eine Neuauflage der Band wird es also voraussichtlich nicht geben. Immerhin ist das Album 2005 in einer Neuauflage erschienen.Darauf sind auch drei Bonussongs zu hören, die von einer Solo-Single von Aino stammten. Wer hat die Songs geschrieben und eingespielt?

„Ich habe „More Than A Feeling“ damals aufgenommen, weil es für eine Jeans Werbung gedacht war. Mein musikalischer Partner war Rudy Kronenberger [STORMWIND, KOKOLORES – TZ]. Über die Jahre hat er mit mir viele Songs geschrieben und produziert. Er hat alle Instrumente eingespielt. „Come Tomorrow“ war auch gemeinsam mit Rudy – Jörg hat getrommelt. „Love Sweet Love“ war in Kollaboration mit Nick Graham [ATOMIC ROOSTER – TZ] geschrieben – er hat zum Beispiel „The Flame“ für CHEAP TRICK geschrieben (Nummer Eins in der Billboard Charts Amerika).“






Photocredt: Aino Laos; last.fm

Line Up

Line Up 1988

Gundrun Laos – Lead vocals
Ralf Hansmeyer – Guitar
Wolfgang Schindler – Keyboards
Pascal Rossi – Drums
Herve Rossi – Bass


Line Up 1990

Gundrun Laos – Lead vocals
Ralf Hansmeyer – Guitar
Wolfgang Schindler – Keyboards
Jörg Michael – Drums
Thomas Röben – Bass
Frank Fricke – Guitar