INHUMAN CONDITION Interview mit Taylor Nordberg

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INHUMAN CONDITION Interview mit Taylor Nordberg
Es ist beängstigend ruhig unter den Death Metal Jüngern der deutschen Medienlandschaft, dabei haben die Amis von INHUMAN CONDITION mit ihrem Debüt „Rat God“ doch gerade einen echten Oldschool Florida Death Metal Sturm entfesselt. Klar, dass wir Klampfer Taylor Nordberg (u.a. THE ABSCENCE, RIBSPREADER) mit einigen Fragen auf den Leib rückten.

Bei der amerikanischen Death Metal Legende MASSACRE hielten Nordberg und Drummer Jeramie Kling gerade mal ein Jahr aus, bevor sie die Notbremse zogen. Was tun also mit dem fertigen Songmaterial? Schnell war man sich einig, dass die Mucke zu gut für den Mülleimer war.

„Wir haben im Grunde sofort nach unserem Ausstieg bei MASSACRE beschlossen mit einer neuen Band weiterzumachen“, gibt Taylor zu Protokoll. „Es war eine große Enttäuschung bei MASSACRE auszusteigen, aber es war 100% notwendig. Wir wussten sofort, dass die Musik dennoch veröffentlicht werden müsste. Wir wussten, dass Kam Lee (Vocals, MASSACRE) im Handumdrehen neue Leute finden würde, und dann auch sehr schnell neues Material erscheinen würde. Dass die Band INHUMAN CONDITION heißen würde, hat sich dann erst einige Wochen später entschieden.“

Mit Terry Butler (OBITUARY, ex-MASSACRE, ex-DEATH) am Bass war das Trio schnell komplett.

“Jeramie und Terry kennen sich bereits seit 15 Jahren oder so. Terry hat uns nach unserem Ausstieg bei MASSACRE kontaktiert, um mit uns über die Situation zu sprechen. Er hörte dann unsere Songs und liebte sie. Wir fragten ihn, ob er auf dem Album Bass spielen wolle und er sagte sofort zu. Er wollte sogar ein vollwertiges Mitglied der Band sein und so ist es dann auch gekommen.“

Der Bandname ist ja eine offensichtliche Anspielung auf die gleichnamige MASSACRE EP. Darf man ihn auch als Referenz auf die Situation bei MASSACRE vor eurem Abschied verstehen?

„Ja, es ist eine Verneigung vor der EP, aber vor allem ein Kick-Ass Name, oder? Wir lieben ihn auf jeden Fall. Er repräsentiert die Menschheit im Allgemeinen recht gut. Alles in der Welt ist momentan so durcheinander und seltsam.
Ich habe den Bandnamen nie als Anspielung auf unsere Situation bei MASSACRE gesehen, aber ich würde schätzen, dass das auch gut passt, hahaha.“

Kein gutes Zeugnis für den ehemaligen Arbeitgeber also. In ihrem Facebook-Post bzgl. des Ausstiegs bei MASSACRE war von 14 neuen Songs für das potentiell nächste MASSACRE Album die Rede. Auf „Rat God“ sind nun nur neun Songs gelandet. Bleibt also die Frage, was mit dem Rest geschehen ist.

„Lustig, dass du das fragst. Wir haben diese fünf Songs komplett fertig aufgenommen und sie werden auf dem nächsten Album erscheinen“, erklärt Taylor. „Es war nicht so, dass die Songs nicht ebenso gut gewesen wären wie die „Rat God“ Songs, aber die Songs, die es letztlich aufs Album geschafft haben, passten einfach perfekt zusammen. Die übrigen fünf Songs haben ebenfalls einen bestimmten Vibe. Wir freuen uns wirklich darauf unser zweites Album fertigzustellen.“

Darauf bin ich auch gespannt. In der Zwischenzeit dürfte auch schon ein neues MASSACRE Album vorliegen, denn die Band hat mittlerweile einen Vertrag bei Nuclear Blast unterzeichnet. INHUMAN CONDITION hingegen bringen „Rat God“ mehr oder weniger als DIY Veröffentlichung raus. Wie kommt es?

„Nachdem wir MASSACRE verlassen hatten, wussten wir, dass die neue Band ganz von vorne beginnen würde. Wir wollten wirklich alles so machen, wie wir es wollen, was bedeutete, dass wir es selber machen müssen. Es gab einige Labels die das Album gerne veröffentlicht hätten und wir haben mit einigen von ihnen Lizenzdeals abgeschlossen. Im Grunde wollten wir das Album aber selbst veröffentlichen. Wir wollten die Musik auch möglichst schnell veröffentlichen und nicht noch ein Jahr warten bis das Album von einem größeren Label veröffentlicht werden würde. Es war eine lustige Erfahrung alles selber zu machen. Ich habe in der letzten Woche persönlich mehr als 300 Bestellung gepackt und versendet, nur durch unseren Bandcamp-Shop.“

Und während viele Versionen des Albums bei Bandcamp bereits vergriffen sind, kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass der Großteil der deutschen Printpresse das Album bislang links liegen lässt. Während es im Metal Hammer und Deaf Forever bislang keine Artikel zur Band gab, findet sich im Rock Hard ein eher verhaltenes Review, bei dem aus „Rat God“ auch noch „Rat King“ wurde. Kaum vorstellbar, dass das Album dieses Schattendasein führen würde, wenn es unter dem MASSACRE-Banner veröffentlicht worden wäre.

Da musst du wohl unser deutsches Label fragen, haha. Ich glaube, die Scheibe wurde bislang sehr gut angenommen, auch international. Ja, klar, das Rock hard hat den Albumtitel falsch abgedruckt, haha. Es gibt immer so einen Spinal Tap Moment im Label einer Band und für jede Veröffentlichung. Aber natürlich wäre es alles anders, wenn das Album unter dem MASSACRE-Banner erschienen wäre. Die Band gibt es seit 1985 und hat eben eine lange Geschichte in der Death Metal Szene.“

Aber auch “Rat God” atmet den Geist des traditionellen Florida Death Metal mit jeder Pore: Coverartwork, Logo, Sound, Riffs. Ist das Ergebnis so geworden, wie ihr es haben wolltet?


„Die Gitarren und Drums aller Songs wurden komplett während unserer Zeit bei MASSACRE und den Arbeiten am neuen Album geschrieben und aufgenommen. Wir versuchten also dieses jugendliche, rohe Gefühl der späten 80er/frühen 90er Jahre einfangen, damals kam ja dieser ganze Death-Thrash Metal Kram.
Logo und Artwork sind entstanden nachdem INHUMAN CONDITION geboren waren. Die Musik hatte dieses Gefühl und uns war klar, dass das übrige Konzept ebenfalls dazu passen musste. Dan Goldsworthy, oder „Babe Ruth“, wie wir ihn nennen, hat da echt den Vogel abgeschossen und tolle Arbeit abgeliefert. Das Cover von „Rat God“ ist möglicherweise mein Favorit unter allen Artworks der Alben an denen ich beteiligt war.“

Eine Besonderheit der Band ist jedoch, dass Jeramie neben den Drums auch die Vocals übernommen hat. Eine Kombination, die man vor allem von den klassischen EXCITER kennt.

„Seine Drums waren bereits im Kasten als wir INHUMAN CONDITION offiziell gegründet haben und wir haben uns den Kopf darüber zerbrochen wer den Gesang übernehmen könnte. Ich sagte immer, dass er es einfach selber machen solle. Er sing in unserer anderen Band GOREGÄNG, in der ich Schlagzeug spiele. Wir teilen uns dort die Gitarren und er übernimmt alle Vocals, die zu den knarrigsten Death Metal Vocals diesseits des Atlantiks gehören. Ich wusste also, dass er es könnte, außerdem wusste ich, dass wir viele Dinge zum darüber schreiben und schreien haben. Ich habe ihn also immer wieder gestichelt, bis er die Vocals zu „Crown of Mediocrity“ aufgenommen hat. Es wurde dann sogar besser als wir beide es uns vorgestellt hatten.
Wenn wir live spielen, wird Jeramie sing und wir werden einen Live Drummer haben, so dass sich Jeramie darauf konzentrieren kann ein Frontmann und Psychopath zu sein.“

Das klingt vielversprechend. Die Fans der Ostküste werden im Herbst auch in den Genuss einer ersten Tour kommen. Nach Orlando ist meine zweite Heimat, das schöne Chapel Hill, NC, der nächste Stopp. Da wäre ich gerne dabei. Aber sicherlich wird es auch mal Europadates geben. Oder sind INHUMAN CONDITION nach diesem Album bereits wieder Geschichte?

„Nein, wir wollen auf jeden Fall als Band weitermachen. Wie gesagt, haben wir ein weiteres Album in der Mache und wir definitiv nicht vor in nächster Zeit das Tempo rauszunehmen. Die erste Tour steht für September an der Ostküste an und danach wird es hoffentlich viele weitere Shows geben.



Line Up

Jeramie Kling - vocals/drums
Terry Butler - bass
Taylor Nordberg – guitars

Gäste
Rick Rozz – Solo Guitar
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