Mit Jesus in Hollywood - Anders Wikström von TREAT im Interview

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Mit Jesus in Hollywood - Anders Wikström von TREAT im Interview
Im Falle der schwedischen TREAT darf man wohl mit Recht von einem zweiten Frühling sprechen. Während die 80er Jahre durch verschiedene Hits, Majorverträge und Auftritte beim Monsters Of Rock gekennzeichnet waren, ist die zweite Phase der Bandgeschichte im 21. Jahrhundert vor allem durch konstant gute Alben geprägt. Mit “The Endgame” haben Bandgründer Anders Wikström & Co just ein weiteres Hard Rock Meisterwerk vorgelegt.

Im Info zum neuen Album wird die Band folgendermaßen zitiert: "We always want to make albums that are better than the last one.” Was genau macht den “The Endgame” besser als die starken Alben “Tunguska” und “Coup de Grace”?


Ich würde nicht sagen, dass die Platte besser ist als unsere vorherigen Alben, denn verschiedene Songs bedeuten immer, dass die Musik eine besondere Note bekommt. Aus Sicht der Produktion und mit Blick auf die Song-Balance würde ich allerdings schon sagen, dass es sich um das beste TREAT Album bisher handelt.

Weiter wird die Band folgendermaßen zitiert: "We really hope our fans will love this album as much we do because we made it for YOU!" Was passiert den, wenn die Fans das Album nicht mögen? Hättet ihr dann irgendetwas anders gemacht?

Auf keinen Fall. Wir machen das, was wir machen und was wir immer gemacht haben. Viele unserer Fans waren sehr positive und folgten uns, als wir unseren Sound 2010 auf “Coup de Grace” etwas verändert haben. Nun geht es mit “The Endgame” weiter.

Und musikalisch wird die Messlatte tatsächlich nochmal ordentlich nach oben verschoben. Allerdings habe ich mich gefragt, wie das Coverartwork zum Titel passt.


Zunächst: Was ist ein Endgame (Endphase)? Der härsteste Kampf? Nun, ist die Geburt nicht die größte Herausforderung für einen Menschen?
Und wenn du genau hinhörst, dann stellst du fest, dass “The Endgame” so anfängt wie “Coup de Grace” aufgehört hat. Das weist darauf hin, dass wir unsere Karriere und Zeit eher zirkular und nicht linear sehen. Es ist sehr metaphysisch, ha ha.

Tatsächlich. Zumal man von Hard Rock Kapellen ja nicht immer besonders viel Tiefgang erwarten darf. Im Gegensatz zu den 80er Jahren ist Schweden heute ja ein absoluter Hotspot für Sleaze, Glam und Hard Rock Bands. Ist das eher ein Vorteil? Oder herrscht eine große Konkurrenz zwischen den Bands?

Es gibt wirklich eine große Zahl sehr guter Bands in Schweden. Da wir ein kleines Land sind, gibt es also auf jeden Fall auch Konkurrenz. Allerdings kennen wir die meisten Bands aus unserem Genre und haben mit den moisten bereits getourt oder zumindest die Bühne geteilt. Dann und wann spielen wir Shows zusammen, um ein größeres Publikum anzuziehen und den beteiligten Bands mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. So profitieren alle davon.

Lass uns nochmal auf “The Endgame” zurückkommen. Für mich klingt das genial “Home of the Brave” nach THIN LIZZY, da es neben den Gitarrenmelodien auch diesen keltischen Touch hat. Liege ich da richtig?

Da hast du Recht. Ich bin immer ein großer THIN LIZZY und GARY MOORE Fan gewesen. Mein Großvater ist ein schwedischer Folk-Musikant gewesen, der Geige gespielt hat. Insofern fühlen sich diese Dinge für mich sehr heimisch an. Man kann diese Einflüsse bereits in frühen TREAT Songs wie “World of Promises” hören.

Es gibt noch weitere interessante Songtitel, wie bspw. “Jesus from Hollywod” und das geniale “Carolina Reaper”. Bei letzterem handelt es sich aber wohl nicht um eine Hommage an die schärfste Chilli der Welt, oder?

“Jesus from Hollywood” basiert auf einem Typen den ich immer gesehen habe als ich in Los Angeles arbeitete. Offenbar ist dieser normale Typ – vielleicht war er auch Obdachlos, ich weiß es nicht genau – täglich als Jesus gekleidet durch Hollywoods Straßen gelaufen und hat Menschen geholfen. Dies hat er über Jahre getan, bis er 2017 gestorben ist. Ich habe keine Ahnung, ob er ein Schauspieler oder einfach nur eine ehrliche Seele war, aber bislang hat niemand einen Song oder gar ein Drehbuch über den Typen geschrieben. Also habe ich es getan.
“Carolina Reaper” ist ein metaphorischer Song über eine starke, sexy und unabhängige Frau. Der Text erinnert ziemlich an den ironischen Stil der 80er, aber mit einem zeitgemäßeren Pop-Vokabular. Der Text past gut zum energetischen Stil des Songs.

Apropos 80er: Wie würdest du die erste Phase der Band in den 80er mit der zweiten Phase mit Blick auf Plattenfirmen, Aufnahmepraktiken, euren Träumen usw. vergleichen?

Die erste Phase hat sich sehr von heute unterschieden, den damals waren wir alle Vollzeitmusiker und haben zweimal wöchentlich geprobt, hatten unsere ersten Hits und Touren – mit all den dazugehörigen Exzessen. Wir hatten einen sehr selbstbewussten Manager, der uns pausenlos sagte was wir zu tun und zu lassen haben, ha ha. Wir hatten auch viel größere Aufnahme- und Videobudgets, die wir auf die dümmste Art und Weise verpulvert haben.
Aber ernsthaft: Wir haben niemals von etwas anderem geträumt als großartige Songs zu schreiben und geile Shows zu spielen. Und um das deutlich zu machen, wir waren niemals auch nur nahe dran einen Privatjet zu haben oder einen persönlichen Assistenten, der uns morgens den Hintern abgewischt hat.

Diese fragwürdige Ehre wird uns allen ja möglicherweise mit zunehmendem Alter dann doch noch zuteil. Bis es jedoch soweit ist, kannst du bitte mal eine begründete Wahl treffen.

a) POISON oder MÖTLEY CRÜE?

Auf jeden Fall MÖTLEY CRÜE. Ich habe Nikki getroffen und 2019 bei meinem letzten LA Aufenthalt mit ihm gegessen. Ich habe die Band 1984 in Stockholm gesehen und ihnen unsere erste Single “Too Wild” vorgespielt. Sie sind eine große Inspiration für mich und zahllose Bands auf der ganzen Welt. Dafür verdienen sie Respekt. Ich hoffe wirklich, dass sie sich auf der kommenden Stadiontour zusammenraufen können.

b) EUROPE oder BON JOVI?

Da muss ich mich für meine Kumpel von EUROPE entscheiden. Natürlich haben BON JOVI sowohl großartige Songs geschrieben, als auch tolle Shows gespielt. Ich habe sie häufig gesehen…
Aber EUROPE sind wie ein gutter Wein, der mit dem Alter immer besser wird. Gleichzeitig wollen sies ich als Band musikalisch weiterentwicklen. Und darum geht es doch bei Kreativität.

c) H.E.A.T. oder ECLIPSE?

Das ist schwierig, da ich beide Bands liebe und mit beiden Bands gut befreundet bin. Wir haben seit Jahren gemeinsam getourt und Shows gespielt. Ich bewundere Erik Mårtensson als hart arbeitenden Sänger, Songwriter, Produzenten, Mischer und Performer. Als Prouzent und Songschreiber weiß ich selber sehr gut was es bedeutet, diese Verantwortung auf den Schultern zu tragen.
Ich bewundere Jona Tee aus genau denselben GRünden und er hat sogar bei verschiedenen Gelegenheiten die Keyboards für TREAT gespielt. 2010 waren wir mit H.E.A.T. auf Europatour.
Schlussfolgerung: Ich liebe beide Bands, allerdings erinnern mich H.E.A.T. ein wenig mehr ab TREAT in den 80ern, so dass ich mich etwas mehr mit ihrer Kameradschaft identifizieren kann. Mehr bekommst du zu dieser Frage nicht aus mir heraus.

d) 1980s oder 2020s?

2020s! Ob du es glaubst oder nicht.

e) Stockholm oder Göteborg?

Stockholm ist meine Heimatstadt. Das kann ich nicht ändern. Ich liebe aber Göteborg. Großartiges Publikum!

f) Trick or Treat?

TREAT! Gibt es noch etwas anderes?

© Pic: Anders Fastader



Line Up

Robert Ernlund - Lead Vocals
Anders ”Gary” Wikström - Guitars, Backing vocals
Jamie Borger - Drums, Percussion
Nalle Påhlsson - Bass, Backing vocals
Patrick Appelgren - Keyboards, Backing vocals
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