RUNNING WILD – Death or Glory REVIEWsited

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RUNNING WILD – Death or Glory REVIEWsited

Gegen den 9. November kann der heutige Tag in der Geschichte wohl nicht anstinken – und doch wurde auch am 8.11.1989 Geschichte geschrieben, denn RUNNING WILD veröffentlichten an diesem Tag ein Highlight des deutschen Heavy Metal.

Schon optisch unterschied sich “Death or Glory” von seinen Vorgängern und weder Adrian noch irgendwelche Piraten hatten Einzug ins Coverartwork des fünften RUNNING WILD Albums gefunden. Und auch der Sound wirkt düsterer und härter als auf dem Vorgänger – und dem Nachfolger. Doch auch musikalisch sticht das Album aus der Discographie der Hamburger Piraten-Metaller heraus.

Mit dem schnellen „Riding the Storm“ lieferten Rolf, Jens, Majk und Iain damals nicht nur einen der schnelleren RUNNING WILD Songs ab, sondern gleichzeitig einen Evergreen, der sich bis heute im Liverepertoire der Band befindet. Diese Ehre ist dem nicht minder gelungenen „Renegade“ leider nicht zuteil geworden. Dabei überzeugt der Song nicht nur durch ein eingängiges Riffing, sondern auch durch gute Melodien und einen absolut bühnentauglichen Refrain. Die Besonderheiten der Produktion werden spätestens beim verspielten Einstieg zu „Evilution“ deutlich und ich behaupte einfach mal, dass kein anderes RUNNING WILD Album jemals einen ähnlichen Sound gehabt hat – dies gilt neben den Gitarren übrigens besonders auch für Iains Drums. „Evilution“, das eine Coproduction von Rolf, Jens und Iain war, besticht bis heute durch den abwechslungsreichen Aufbau, die Tempiwechsel und die eingängigen Melodien und die ansprechende Instrumentalisierung.

Mit „Running Blood“ folgt ein Song, der zwar durchaus auch auf die „Blazon Stone“ Scheibe gepasst hätte, dann aber einen vollkommen anderen Sound gehabt hätte. Nicht jede Band – wenn sie nicht gerade IRON MAIDEN heißt – traut sich, ein fast fünfminütiges Instrumental auf die A-Seite der LP zu packen. Speaking of IRON MAIDEN : Mit den progressiven, verspielten Zügen möchte man fast Einflüse der NWoBHM Legende aus „Highland Glory“ heraushören. Thematisch mag man heute sogar mutmaßen, dass der Songtitel schon damals die Zukunft für Basser Jens Beck wies.

Doch schon mit dem Einstiegsriff zu „Marooned“ werden alle tageträume weggeblasen und die Band schlägt mit voller Kraft zu. Durch die Bridge wirkt der Song düster und bedrohlich, gleitet dann aber auch in einen eingängigen Refrain über. Super.

Was folgt ist ein Riff, welches Millionen von Metalfans auf der ganzen Welt wohl nach den ersten drei Noten erkennnen: „Bad To The Bone“. Mit dem Song positionierten sich RUNNING WILD seinerzeit gegen Extremisten, Neo-Nazis & Co und erreichten über die Jahre ein Publikum weit jenseits der Metalgemeinde aus Trveheim. Der Beweis ist bei den DONOTS nachzuhören, die den Song mit Rolf als Special Guest gecovert haben. Viel besser kann man einen Song nicht schreiben und hier Manifestiert sich, dass Crew und Käpt’n damals dem Höhepunkt ihrer Karriere entgegen segelten.

Naturgemäß muss es nach einem solchen Song selbst eine Nummer wie „Tortuga Bay“ schwer haben. Doch davon mal abgesehen überzeugt schon das schnelle Einstiegsriff, bevor der groovende Refrain zum headbangen und mitgrooven einlädt.

Der titelgebende Track befindet sich im letzten Viertel der Scheibe, was daran liegen mag, dass er nicht aus der Feder von Rolf, sondern von Majk Moti und Iain Finlay stammte. Davon abgesehen reiht er sich dennoch perfekt in die Songs der Scheibe ein. Verständlich, dass Majk Moti jüngst bedauerte, dass der Song nie live gespielt wurde. Verdient hätt er es, denn der Refrain bietet durchaus genügen Mitgrölpotential.

Mit „Battle of Waterloo“ wird es regelrecht episch und der Gesang setzt erst nach einer Spielzeit ein, nach der andere Bands schon ein-zwei Songs gespielt haben. Der Größe des Ereignisses entsprechend fällt auch der Chorus des Songs aus und das Duo Kasparek-Moti duellieren sich mit ihren Metal-Äxten. „March On“ steht dann zu Recht am Ende der Scheibe. Zwar ist der starke Refrain auch durchaus hörenswert, gegen die starke Konkurrenz des restlichen Albums kann sich der Songs jedoch nicht so richtig durchsetzen. Die Nummer klingt dann doch eher nach „Port Royal“ oder „Under Jolly Roger“. Beides gute Alben, doch mit „Death or Glory“ haben sich RUNNING WILD heute noch nachhörbar in die nächste Liga gespielt und zwar gleich auf die Topplätze.


Artwork By [Cover Concept] – Running Wild

Artwork By [Cover Painting] – Sebastian Krüger

Bass – Jens Becker

Drums – Iain Finlay

Engineer, Mixed By, Recorded By – Jan Nemec

Executive-producer – Karl-U. Walterbach*

Guitar – Majk Moti*

Guitar, Vocals – Rolf "Rock 'N' Rolf" Kasparek

Lyrics By – Finlay* (tracks: A2, A3, B1 to B4), R. Kasparek* (tracks: A1, A4, B1 to B3, B5)

Lyrics By, Music By – Moti* (tracks: B4)

Music By – Finlay* (tracks: A5), Becker* (tracks: A5), R. Kasparek* (tracks: A1 to A4, B1 to B3, B5)

Photography [Band Photos] – Martin Becker

Producer – Rock 'N' Rolf*

JAN NEMEC dürfte vielen Metalfans ein Begriff sein, denn immerhin arbeitete er nicht nur an wegweisenden RUNNING WILD Scheiben mit, sondern arbeitete auch mit Bands wie ZED YAGO, CELTIC FROST, FARGO, STEELTOWER, GRAVE DIGGER, VELVET VIPER, X-WILD, HELLOWEEN oder MSG zusammen, um nur eine Auswahl zu nennen. Im Sommer 1989 verschanzte er sich mit RUNNING WILD im legendären STUDIO M in Machtsum bei Hildesheim, um den Nachfolger zum „Port Royal“ Album aufzunehmen. Ich schrieb Jan kurzerhand an und wenige Tage später hatte ich den mittlerweile 70jährigen an der Strippe.

Jan, vielleicht kannst du dich unseren Lesern kurz vorstellen.

Ich bin gebürtiger Tscheche und nach meiner Auswanderung 1969 habe ich in West-Berlin in einem Tonstudio als Techniker angefangen. Ich habe dann verschiedene Sachen gemacht und habe dann als Tonmeister und Produzent gearbeitet. Dann bekam ich einen Anruf, ob ich in Hannover im Horus Sound Studio eine Produktion übernehmen wollte – das war die erste FARGO Platte. Zeitgleich war dort auch eine Band aus Hildesheim mit Kalle Bösel und der baute damals gerade das Studio M in Machtsum bei Hildesheim auf. Er hat mich dann also abgeworben und ich habe dann ZED YAGO, STEELTOWER, ZENO, VICTORY, HELLOWEEN, CELTIC FROST  und viele andere große Bands gemacht. Ich habe auch als einer der ganz wenigen Produzenten im berühmten Abbey Rd. Studio aufnehmen dürfen. Mit ZENO habe ich einige Monate im Studio 3 gearbeitet, dort wo auch die BEATLES ihre Platten aufgenommen haben. Im Horus Sound Studio habe ich damals die Live Platte von RUNNING WILD gemischt…

… genau, euer erster Kontakt war die „Ready For Boarding“ LP. Doch danach hat eure Zusammenarbeit erst richtig begonnen…

… ja, NOISE Records hatten damals viel Kontakt zum Horus Sound Studio. Warum RUNNING WILD dann nicht mehr im Horus Sound arbeiten wollten, weiß ich nicht, die Hintergründe kenne ich nicht. Auf jeden Fall wollten sie aber mit mir die nächste Platte machen und da ich damals bereits schon zum Studio M gewechselt war, sind RUNNING WILD eben auch dorthin gekommen. Ich glaube, wir haben dann im Studio M zwei Platten zusammen gemacht…

… stimmt nicht ganz. Neben der „Death or Glory“ sowie der „Wild Animal“ EP, wurden unter Jans Leitung auch die „First Years of Piracy“, die „Balzon Stone“ und die „Pile of Skuls“ im Studio M aufgenommen. Erst danach ging es zurück ins Horus Sound. Das ist jetzt aber nur für die Metal-Nerds unter uns. Zurück zur „Death or Glory“ Scheibe. Welche Aufgabe hattest du denn damals? Laut Backcover warst du für die Aufnahme und den Mix verantwortlich.

Produzent war damals Rolf und ich habe aufgenommen und gemischt. Allerdings gab es auch eine lustige Story. Jeden Freitag um 14 Uhr klingelte im Studio das Telefon und irgendein Heavy Metal Radio aus Tokio war in der Leitung. Die haben dann jede Woche nachgefragt, wie weit wir mit der Produktion sind. Ich habe dann gesagt: „Ja, wir haben gerade die Gitarren abgenommen“. Eine Woche später haben die wieder angerufen und wollten dann wieder wissen was es für Fortschritte gab. Man konnte sich darauf verlassen, dass die pünktlich angerufen haben und dann hat man fünf Minuten gesabbelt und dann waren die zufrieden. Die waren damals wirklich verrückt drauf.

In den Liner-Notes zum Re-Release von „Death or Glory“ zeigt sich Rolf ganz begeistert vom Studio M, da es dort eine ganz besondere technische Ausstattung gab…

Ja, der Kalle hat damals das alte Mischpult aus dem Polar Studio gekauft, auf dem ABBA sämtliche ihrer großen Hits aufgenommen haben. Das war ein 56 Kanal Mischpult.

Mittlerweile ist Rolf zweifellos der Boss bei RUNNING WILD, aber auch früher hat der Käpt’n seinen Kopf meist durchgesetzt. Wie hat sich das denn auf die Zusammenarbeit ausgewirkt? Konntest du bei den Aufnahmen überhaupt mitwirken

Was heißt mitwirken - Es war halt so, dass ich darauf geachtet habe, dass musikalisch und technisch alles Hand und Fuß hatte. Wir haben mehr oder weniger immer zusammen am Sound gearbeitet und gesehen, ob wir irgendwo mehr Bass brauchten und so weiter. Es musste halt alles passen und wenn ich Rolf etwas gesagt habe, dann hat er es auch akzeptiert. Wenn ich gesagt habe, dass wir das Schlagzeug nochmal aufnehmen müssen, dann haben wir das auch gemacht und dann wurden die Parts eben zwei oder dreimal gespielt. Also Rolf hat nicht gesagt „So ist es und so bleibt es.“, also so war das nicht. Wir haben uns schon sehr gut ergänzt.

Und ich habe damals auch eine tschechische Band namens KREYSON produziert. Der Sänger Ladislav Křížek aka Lan Kreyson hatte Rolf sehr gut gefallen und er hat ihn dann für die Background Chöre engagiert. Im Gegenzug hat Rolf dann für die einige Gitarrenparts als Gastgitarrist beigesteuert (und ist auf dem Album „Crusaders“ als Co-Produzent aufgetreten, allerdings stammt diese Episode aus der Aufnahme-Session zum „Death or Glory“ Nachfolger „Blazon Stone“ – TZ).

Apropos Gitarren. Wie zu lesen ist, musste Rolf den Großteil der Gitarren auf „Death Or Glory“ selber einspielen, da Majk Moti damals nur bedingt einsatzfähig war. Kannst du dich an die Situation noch erinnern?

Majk hatte zu der Zeit ziemliche Drogenprobleme und daher hat Rolf bis auf einige Soli mehr oder weniger alles alleine eingespielt.

Zudem war zu lesen, dass es in der Band Spannungen gegeben hat, da sich Majk und Jens nicht besonders gute verstanden haben sollen und Rolf etwas zwischen den Stühlen saß.

Daran kann ich mich nicht so genau erinnern. Allerdings war Rolf als Person, nicht als Gitarrist, sehr fit. Er ist morgens aufgestanden und hat sich seinen Trainingsanzug angezogen und ist durch die Felder gejoggt. Er hat sich also wirklich fit gehalten und deshalb war es im nicht so geheuer, wenn Majk im Rausch in irgendeiner Ecke saß. Das fanden die Jungs alle nicht so super. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen. Aber bei der nächsten Platte kam dann ja Axel Morgan als neuer Gitarrist dazu und dann ging es also ohne Majk weiter.

Wie muss man sich das eigentlich genau vorstellen? Hat die Band während der Aufnahmezeit, die ja immerhin mehrere Wochen dauerte, im Studio gewohnt? Oder sind die Jungs immer aus Hannover angereist?

Nein, nein. Studio M lag ja einige Kilometer von Hildesheim entfernt in dem kleinen Dorf Machtsum. Das Studio war in eine alte Halle oder Scheune gebaut. Im Studio hatten wir so etwa fünf Übernachtungsräume mit einem oder zwei Betten drin und wir hatten Duschen usw. Und für die Zeit der Aufnahmen hat die Band dann auch dort im Studio gewohnt. Während der Zeit sind die Jungs auch mal nach Hause gefahren, aber im Grunde war die Band die ganze Zeit im Studio zusammen und hat dort gearbeitet.

Damals hat Iain Finlay Schlagzeug in der Band gespielt. Rock ‘N‘ Rolf kam dann mit einem Tape an auf dem Songs waren und die sollte sich Iain dann anhören. Dass hat er zwei- oder dreimal gemacht und dann hat er die Tracks eingespielt. Iain war ein absolutes Schlagzeug-Tier und ich habe nicht verstanden warum Rolf ihn nach der Scheibe rausgeworfen hat. Iain und Jens Becker (Bass – TZ) waren eine absolute Rhythmus-Sektion für eine Heavy Metal Band, etwas Besseres gab es da nicht.

Ja, die Episode Iain Finlay ist bis heute etwas undurchsichtig. Aufgrund eines gebrochenen Arms konnte Iain die „Port Royal“ Tour nicht mitspielen – wie Rolf in den Liner-Notes zu „Death or Glory“ schreibt – und so habe der Brite bis zu einem Ausstieg 1989 lediglich drei Shows mit RUNNING WILD gespielt. Nichtsdestotrotz hat er sowohl „Death or Glory“ als auch die folgende EP „Wild Animal“ eingetrommelt. Gerüchten Zufolge verdiente er sich dann als Schlagzeuglehrer im nahegelegenen Alfeld, bevor es ihn nach Süddeutschland zog.

Ich hatte den letzten Kontakt mit Iain vor ca. fünf oder sechs Jahren, als ich eine Band (möglicherweise die Band RUNAWAY – TZ) in der Nähe von Budweis in Böhmen produziert habe. Die hatten mich angeheuert und der Drummer war nicht so toll. Sie hatten aber vier oder fünf schnelle Titel mit Double Bass und Iain wohnte damals in Oberbayern und spielte in einer Metal-Punk Band. Ich habe ihn dann angerufen und er ist vorbeigekommen und hat an einem Tag die Songs eingespielt – die er vorher übrigens noch nie gehört hatte. Wir haben dann abends noch einen getrunken und ich habe Iain gefragt: Sag mal, warum hast du RUNNING WILD damals eigentlich verlassen?“ Und er hat gesagt, dass er das bis heute nicht wisse. Er hat damals eine Mitteilung bekommen „Du bist raus!“ und tschüss. Iain war wirklich ein Tier an den Drums und perfekt für diese Art von Musik.

Eine lustige Geschichte zu Iain fällt mir aber noch ein. Du musst dir vorstellen, dass im Studio M die Schlafräume über der Regie lagen. Man musste durch einen Flur nach oben gehen und dort waren dann die Toiletten und Duschen usw. Rock ‘N‘ Rolf hatte, wie gesagt, den Ladislav Křížek ins Studio geholt. Der hatte eine Flasche Becherovka aus der Tschechei mitgebracht und wir haben in der Aufenthaltsecke zusammengesessen und haben Maibock gesoffen. Und wie die Briten so sind, hat Iain Alkohol immer so schnell wie möglich getrunken. Wir haben da also gesessen und getrunken und Maibock mit Becherovka ist eine tödliche Mischung. Mitten im Gespräch machte es „Bumm“ und Iain knallte mit dem Kopf auf die Tischplatte. Als wir ihn dann geweckt hatten, ist er nach oben in sein Zimmer gegangen. Und am nächsten Morgen hat er mir dann erzählt, dass er nachts wach geworden ist und kotzen musste. Er hat es noch nach unten geschafft, aber im Flur zwischen Studio und Aufnahmeraum konnte er wohl nicht mehr, hat sich die Unterhose ausgezogen und hat da raingekotzt. Er war wohl noch so klar, dass er nicht das Studio vollkotzen wollte.

Da hoffe ich mal, dass er die Unterbuchse nicht wieder angezogen hat.

Das hoffe ich auch. Ich hoffe, dass er sie oben in der Dusche ausgewaschen hat.

Hoffen wir das Beste. Doch zurück zu „Death or Glory“. Hörst du dir die Platte heute noch an?

Ich muss dir sagen, dass ich mir nie Platten anhöre die ich aufgenommen habe. Sobald die Scheibe aus dem Presswerk kam und durchgewunken wurde, war eine Platte für mich Geschichte. Heute höre ich ab und zu mal eine Scheibe an der ich mitgearbeitet habe bei YouTube, wenn ich sie durch Zufall sehe. Aber nur um zu sehen, was ich damals so lustig gemacht habe.

Möglicherweise ist nur mein Eindruck, aber für mich klingen „Death Or Glory“ und „Wild Animal“ deutlich anders, obwohl zwischen den Aufnahmen nur wenige Wochen liegen. „Death or Glory“ ist für mich soundmäßig bis heute die düsterste Scheibe von RUNNING WILD. Weißt du noch, ob ihr damals irgendetwas anders gemacht habt und warum?

Wir hatten im Studio M einen riesigen Aufnahmeraum mit Podium. Damals haben wir die Songs auf diesem Podium aufgenommen. Wir haben aber dann im Studio einen besonderen Raum angebaut, der gekachelt war, weil wir einen richtigen Bollersound haben wollten. Dort haben wir dann die Drums für „Wild Animal“ aufgenommen, so dass sich der Drumsound also schon mal unterschieden hat.

Die Band hatte auf „Death or Glory“ , glaube ich, MesaBoogie Amps gespielt und das hat vielleicht auch einen Unterschied gemacht. Ich weiß nicht mehr, was sie auf den anderen Aufnahmen benutzt haben.

Ob man mehr oder weniger Hall auf eine Aufnahme packt, hängt immer von der Stimmung ab. Im Herbst ist man vielleicht etwas düsterer als im Sommer. Es steckte kein Plan dahinter, sondern solche Details hängen immer von der jeweiligen Stimmung und von den einzelnen Songs ab.

Damals fing es auch mit den ersten Samplern an und ich hatte damals schon einen Atari Computer an die Maschine gekoppelt. Auf diese Weise habe ich einen anderen Snare Sound hinbekommen. Ich habe die Snare-Spur über einen Audio-To-Midi-Converter abgenommen und dann auf dem Computer angetriggert. Das habe ich dann zur Originalsnare gemischt. Normalerweise nimmst du das alles mit vielen Mikros ab und dann hast du die Effekte auf dem gesamten Drumsound und es klingt nicht mehr so natürlich. Ich hatte jetzt den Vorteil, dass der Hall nur auf der Snare lag und z. B. nicht auf der HiHat Spur. Wir haben damals sehr viel experimentiert.

Wir haben beispielsweise auch die Gitarren viermal aufgenommen und dafür verschiedene Gitarren und Amp-Einstellungen genommen. Wir hatten also vier Gitarrenspulen und zwei davon waren mit sehr viel Verzerrung und die anderen beiden haben wir mit wenig Verzerrer auf genommen und dafür mehr Flanger usw. draufgepackt. Das hat zu der Zeit damals den Sound von RUNNING WILD ausgemacht.

Allerdings schien es irgendwann mit dem Studio M schwieriger zu werden. Mir ist ein Interview zum „First Years…“ Album in Erinnerung in dem Rolf sagte, dass man z. B. keinen Strom mehr gehabt habe, wenn jemand unter der Dusche stand usw. Erinnerst du dich noch daran?

Im Grunde wurde Studio M in Machtsum ja nur abgebaut – das war nach der zweiten Platte mit Axel Morgan. Ich weiß gar nicht, ob er gegangen ist oder rausgeworfen wurde. Jedenfalls hat er dann mit Jens Becker und Stefan Schwarzmann eine Band namens X-WILD gegründet und das war die letzte Platte, die in Machtsum aufgenommen wurde. Danach haben wir dort die gesamte Technik abgebaut und Kalle hat das Studio in Celle-Scheuern wieder aufgebaut. Wir haben da in einem alten Gasthaus die Kegelbahn ausgebuddelt, um den Raum tiefer zu machen usw. Später hat dann Tommy Newton dort seine Produktionen gemacht.

 

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Mit „Death or Glory“ und „Blazon Stone“ bewegten sich RUNNING WILD meiner Meinung nach auf dem Zenit ihres Schaffens. Der Tieftöner wurde damals vom heutigen GRAVE DIGGER Basser JENS BECKER bedient. Als der 30. Geburtstag der „Death or Glory“ näher rückte, nahm ich kurzerhand Kontakt zu Jens auf und er erklärte sich freundlicherweise sofort bereit ein wenig in der Mottenkisten der Geschichte mit uns zu wühlen. Man wundert sich bei genauerer Überlegung fast ein wenig, dass die Platte "Death or Glory" heißt. Denn zum einen stammt der titelgebende Song nicht aus Rolfs Feder und zum anderen hätte ein Titel wie "Riding the Storm" oder "Bad to the Bone" eigentlich besser zum aktuellen Piraten-Image gepasst.

Wieso wir damals diesen Titel gewählt haben, kann ich dir gar nicht mehr genau sagen. Wahrscheinlich einfach deshalb, weil es ein geiler Titel ist.

Welche Erinnerungen hast du denn noch an die “Death or Glory” Zeit?

Absolut positive. 1989 war ich 24 Jahre alt und das war natürlich meine Hochzeit. An diese Zeit habe ich nur die besten Erinnerungen. „Death or Glory“ war ja mein zweites Studioalbum mit RUNNING WILD. Vor her hatte ich die „Port Royal“ mit aufgenommen und die war ja auch schon relativ erfolgreich. Die „Death or Glory“ ging dann aber richtig durch die Decke, genauso wie die dazugehörige Tour. Das waren damals ganz andere Dimensionen – heute gibt es ja so viele Bands, dass das gar keiner mehr mitbekommt was da so passiert. Aber damals war das für eine deutsche Band schon etwas Besonderes.

Mit welchen Erwartungen seid ihr denn damals an die Aufnahmen herangegangen?

Ja, wir hatten schon gewisse Erwartungen und wollten auf die Erfolge von „Port Royal“ noch einen drauf setzen. Insofern sind wir schon auch mit Begeisterung an die Sache gegangen und waren von den Songs der Scheibe auch überzeugt, da es aus unserer Sicht keine Hänger gab. Der Sound war – jedenfalls für damalige Verhältnisse – auch wirklich gut und es hat einfach alles gepasst. Es war wirklich eine schöne Zeit.

Apropos Sound: Für mich klingt die Scheibe irgendwie düsterer als andere RUNNING WILD Scheiben…

… richtig, die Platte hat zumindest einen sehr eigenständigen Sound, im positiven Sinne. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern was wir damals anderes gemacht haben. Ich meine aber auch, dass die Platte einen ganz besonderen Sound hat und der war damals auch für viele bahnbrechend.

Ich bin ja mittlerweile auch schon 54 und da trifft man auch viele junge Bands für die das damals der Einstieg war. Ich bin immer überrascht, weil selbst viele dieser schwedischen Melodic Death Bands große RUNNING WILD Fans sind. Das ist wirklich unfassbar. Aber darüber haben wir damals natürlich nicht nachgedacht.

Tatsächlich geben viele der nordischen Death und Black Metal Bands in Interviews an, dass sie von deutschen Bands wie RUNNING WILD und HELLOWEEN beeinflusst bzw. für den Heavy Metal begeistert wurden.

Doch bleiben wir noch kurz bei den Aufnahmen, die im Sommer 1989 im Studio M in Machtsum stattfanden. Nur wenige Wochen später habt ihr euch wieder dort verschanzt, um die „Wild Animal“ EP aufzunehmen. Erstaunlicherweise klingen diese Songs ganz anders.

Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern was wir anders gemacht haben bei der EP. Man muss aber auch dazu sagen, dass es eine ganz andere Zeit war und wir haben alles analog aufgenommen. Es gab große Aufnahmeräume und dort waren Marshall Amps aufgebaut an die man dann die Mikros drangehalten hat. Man hat alle möglichen Positionen ausprobiert, um verschiedene Sounds zu testen. Selbst beim Bass. Ich weiß noch, dass ich damals richtig mit Anlage aufgenommen habe. Ich hatte da meine MegaBoogie Bassanlage und die haben wir dann abgenommen. Da ist es dann klar, dass Aufnahmen immer irgendwie anders geklungen haben, weil man das ja auch gar nicht zweimal identisch hinbekommen hat.

Heute hast du ja tausend vorprogrammierte Sounds. Die klingen zwar auch nicht schlecht, aber dadurch klingt alles häufig etwas gleich. Damals musste man jedes Mal alles komplett neu einstellen, auch die Drums und deshalb klingt natürlich alles immer etwas anders.

„Wild Animal“ ist meiner Meinung ja ein richtig starker Song und er gehört mit zu meinen Lieblingssongs von RUNNING WILD. Warum ist der nicht mit aufs Studioalbum gekommen?

Ich glaube, dass der Song als Appetizer für die Tour im Januar gedacht war. „Death or Glory“ war ja unsere erste Scheibe für die EMI, die eine Kooperation mit NOISE eingegangen waren und deshalb hat sich damals viel verändert. Die wollten eben zu der Tour einen kleinen Appetizer haben, auch wenn das wohl gar nicht nötig gewesen wäre. Der Song wurde dann komplett neu geschrieben und den gab es noch gar nicht als wir die „Death or Glory“ aufgenommen haben.

Auf der „Death or Glory“ durftest du dich ja mit „Highland Glory“ und „Evilution“ auch songwriterisch verewigen. War es damals schwierig eigene Ideen und Songs einzubringen? Rolf gilt da ja als eher dominant…

Damals war Rolf solchen Sachen nach etwas aufgeschlossener als das vielleicht heute der Fall ist. Natürlich hat er den Großteil vorgegeben, was auch in Ordnung war, da er ja den Stil von RUNNING WILD geprägt hat. Er hat uns aber schon Möglichkeiten gegeben uns auch einzubringen. Es gab damals auch keinen Stress zwischen uns, denn es war immer klar, dass er der Boss ist und sagt wo es langgehen soll. Er hat das aber nicht so raushängen lassen und alle Bandmitglieder hatten die Möglichkeit sich einzubringen.

Rolf hat auch einmal zu Protokoll gegeben, dass die Band seinerzeit noch stärker als Band gearbeitet hat und die Songs durchaus als Gemeinschaftsprodukte entstanden sind. 

Ja, das stimmt. Das war damals noch ein richtiges Band-Feeling.

Und wie würdest du deine damalige Position in der Band beschreiben? 

Ich habe von vielen Leuten gehört, dass der Wechsel zur „Port Royal“ für die Band schon sehr wichtig gewesen ist. Ich bin ja damals mit Stefan Schwarzmann, dem Drummer, zur Band gekommen. Ich glaube schon, dass das damals wichtig war, weil dadurch auch frischer Wind in die Band kam. Es ist aber auch immer schwer zu sagen. Vielleicht wäre Rolf mit RUNNING WILD genauso erfolgreich geworden, wenn er nach der „Jolly Roger“ die alte Band behalten hätte. Ich glaube es aber nicht, denn Stefan und ich haben da schon musikalisch einen anderen Wind reingebracht.

… zumal es auch allgemeiner Konsens zu sein scheint, dass du schlichtweg der bessere Bassist gewesen bist.

Das wollte ich jetzt so nicht sagen, aber ich denke mal, dass es so war. Ich habe meinen Vorgänger Stefan allerdings überhaupt noch nie getroffen und möchte deshalb auch nichts Schlechtes sagen.

Dem aktuellen DEAF FOREVER ist aber auch von Stefan selbst zu entnehmen, dass er sich nicht für den weltbesten Basser gehalten hat. Insofern machen wir hier wohl kein besonders explosives Fass auf.

Allerdings waren die Tage von Stefan Schwarzmann an den Drums bekanntlich auch gezählt, da er bald nach der „Port Royal“ zu U.D.O. abwanderte. Soweit ich weiß, hast du dann den Kontakt zu Iain Finlay hergestellt. 

Das ist richtig. Ich komme ja ursprünglich aus der Nähe von Nürnberg und Iain hat damals in einer Heavy Coverband gespielt. Er war als sehr guter Drummer bekannt und hat damals schon beim Spielen Feuer gespukt. Und da Stefan uns nach der „Port Royal“ verlassen hat und wir einen neuen Drummer brauchten, habe ich dann Iain angeschleppt.

Der Einstieg war allerdings etwas chaotisch. Iain hat sich den Arm gebrochen, so dass Jörg Michael die „Port Royal“ Tour mit uns gespielt hat. Iain hat dann das „Death or Glory“ Album eingespielt und das hat er auch hammermäßig gemacht, wie ich finde. Ich weiß gar nicht mehr genau, ob er dann gegangen ist oder ob er gegangen wurde …

… wie man hört, wurde er gegangen …

 … ja, ich glaube auch. Ich habe aber keine Ahnung mehr warum er gehen musste. Das weiß ich nicht mehr.

Das scheint auch bis heute ein Mysterium zu sein, denn scheinbar scheint Iain selber bis heute auch nicht so genau zu wissen, weshalb er geflogen ist. Toningenieur Jan hat sich ja im Gespräch auch entsprechend überrascht gezeigt, da er die Combi Becker-Finlay unglaublich stark fand.

Da war damals sicherlich was dran und Iain hat mit seinem Schlagzeugspiel auch viel dazu beigetragen, dass die Platte so gut klingt. Er war eben aber auch etwas chaotisch. Iain ist ja Engländer und er hat viel getrunken und war laut – gar nicht im negativen Sinne, aber er hat einfach einen ganz anderen Charakter als Rolf, der damals ein sehr ruhiger Typ war. Wahrscheinlich hat das auf Dauer einfach nicht so gut gepasst. Ich kann mich aber wirklich nicht daran erinnern was genau der Grund für den Rausschmiss war. 

Allerdings ist zu lesen, dass Iain und du – auch privat – ein gutes Team wart, während es zwischen dir und Majk nicht so gut funktioniert haben soll.

Da ist was dran. Ich weiß gar nicht, ob man das jetzt veröffentlichen sollte, da es sehr privat ist: Der Majk hat damals sehr viel gekifft. 

Die Katze hat Rolf allerdings schon in seinen Liner-Notes aus dem Sack gelassen, so dass wir hier keine schmutzige Wäsche waschen, wenn wir darüber sprechen.

Im Prinzip sorgte dieser Punkt damals für Probleme in der Band, nicht einmal menschlich. Aber das Gekiffe hat sich auch auf sein Gitarrenspiel ausgewirkt und er ist irgendwie immer schlechter geworden. Wir anderen wollten mit dieser Platte einen Meilenstein setzen und dazu passte das irgendwie nicht. Und daher hatten wir ein Problem. 

Vor einigen Jahren hat Rolf das Problem in Interviews noch etwas unverfänglicher und freundlicher umschrieben, aber mittlerweile scheint er der Meinung zu sein, dass man das Kind auch beim Namen nennen kann. Wie auch immer, das Resultat scheint gewesen zu sein, dass Majk viele Gitarrenparts auf der Scheibe gar nicht einspielen konnte.

Wenn ich mich richtig erinnere, hat Rolf tatsächlich alle Rhythmusgitarren eingespielt. Majk war einfach nicht mehr so präzise und bei Solos kann man das vielleicht noch vertuschen, aber die Riffs müssen gerade bei RUNNING WILD natürlich stakkatomäßig kommen. Und Rolf ist ja bekannt dafür, dass er diese Rhythmus-Sachen wirklich gut kann.  

Für die Aufnahmen hat sich die Band damals ja mehrere Wochen im Studio M in Machtsum verschanzt. Nun ist Machtsum nicht gerade der Nabel der Welt und ihr habt ja auch im Studio gewohnt während der Zeit. Was macht man denn dann dort so? Seid ihr durch die Feldmark gewandert oder wie habt ihr euch die Zeit vertrieben?

Nee, nee, wir haben uns da köstlich amüsiert. Machtsum selbst ist natürlich nichts los, das ist klar. Aber das Studio war vom Feinsten eingerichtet und wir waren auch gar nicht so drauf aus noch irgendwo was abzuziehen. Die hatten dort so ein richtig schönes Kaminzimmer mit einer riesigen Leinwand und Beamer. Rolf und ich haben da stundenlang Alf geguckt. Wir haben da Videos geschaut und gesoffen. Außerdem gab es einen Swimming-Pool und jeder hatte sein eigenes Zimmer. Das war also richtig gut und wir haben da nichts vermisst.

Wir haben natürlich auch viel konzentriert gearbeitet. Es war also auch nicht so, dass das viel Langeweile aufgekommen wäre, denn wir hatten schon einen straffen Zeitplan. Das waren damals auch ganz andere Zeiten. Wenn ich heutzutage mit GRAVE DIGGER ins Studio gehe, bin ich dort zwei Tage, spiele den Bass ein und haue wieder ab. Damals war das alles irgendwie anders: besser! Für die Bands jedenfalls. Man kann das heute nicht mehr bezahlen und es ist auch einfach nicht mehr nötig. Es wird mittlerweile so viel am Computer gemacht, dass eine so lange Studiozeit auch nicht mehr notwendig ist. Man spielt da einen Part und dann wird der am Computer zusammengesetzt. Das kann man gar nicht mehr vergleichen. Damals mussten wir immer mit Bandmaschine arbeiten und die wurde dann zurückgespult und dann ging es wieder von vorne los. Das können sich die ganzen jungen Bands gar nicht mehr vorstellen, wenn die zuhause an ihrem Laptop ihre Sachen aufnehmen. Das ist natürlich eine große Erleichterung, hat aber auch viel kaputt gemacht. Es gibt dadurch einfach viel zu viele Bands.

Die „Death or Glory“ war ja die erste echte Zusammenarbeit mit Jan Nemic als Toningenieur. Wie hast du denn die Zusammenarbeit in Erinnerung?

Das war ein angenehmes Arbeiten und Jan war kein Diktator oder so. Wir haben uns super verstanden und man merkt ja nach ein paar Tagen auch wie der andere tickt. Und man merkt dann ja auch selber wenn ein Take nicht so richtig passte und dann machte man den eben nochmal.

Wir haben ja dann die „Blazon Stone“ auch noch mit ihm gemacht und ich habe später noch die X-WILD Scheiben mit ihm gemacht.

Die erste X-WILD CD war wohl die letzte Scheibe die überhaupt noch im Studio M aufgenommen wurde. Allerdings sorgte die Anwesenheit von RUNNING WILD in der lokalen Metalszene stets für ungleich mehr Aufregung als X-WILD. Noch heute erzählen die Älteren an den Lagerfeuern davon, dass die RUNNING WILD Mitglieder im „Peppers“ unterwegs gewesen sein sollen. Ich hab euch dort allerdings nie getroffen.

Es ist brutal, aber so richtig kann ich mich daran nicht mehr erinnern. Der Name „Peppers“ sagt mir zwar was, aber ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Rolf dort hingegangen ist. Der war nämlich überhaupt nicht der Typ der abends noch irgendwo hinging. Ich glaube aber schon, dass wir anderen dort einige Mal waren. Wir sind aber ohnehin nicht wie andere Bands ständig irgendwo hingegangen. Wir haben zwar auch viel Party gemacht, aber eher unter uns.

Ja, Jan erzählte schon davon, dass in dem besagten Kaminzimmer wohl auch Alkohol getrunken worden sein soll…

… ja, durchaus. Wir waren keine Kostverächter.

Jan erzählte, dass Ladislav Křížek aka Lan Kreyson damals heimische Produkte aus der Tschechei mit ins Studio gebracht hat.

Ja, das stimmt. Das war damals in der Tschechei wohl eine ziemlich große Band und der hat auf der Platte Background gesungen. Der hat dann Becherovka mitgebracht…

… und Iain soll damit ziemlich abgestürzt sein …

Ja, das kann schon gut sein, das kam schon öfters vor. Wir anderen haben uns da zwar auch nicht zurückgehalten, aber der Iain war da schon sehr im Vordergrund, vor allem wenn es um Schnaps ging. Rolf und ich haben meist eher Whisky-Cola gesoffen, das war so unser Standardgetränk.

Und auch musikalisch habt ihr damals für die Band Standards gesetzt und mit Songs wie „Bad To The Bone“ oder „Riding The Storm“  absolute Klassiker eingespielt. War euch damals schon klar, dass diese Songs solche Klassiker sein würden?

Ja, man merkt schon, wenn ein Song das Potential zum Klassiker hat und gerade bei „Bad To The Bone“ war uns das auf jeden Fall klar. Ich weiß nicht mehr welche Songs wir auf der Tour gespielt haben. „Battle of Waterloo“ war ja ein ziemlich langer Song, den wir aber auf Tour trotzdem gespielt haben und der auch gut ankam.

Die EMI war natürlich auch anders drauf als NOISE und die wussten auch immer gleich welcher Song als Single ausgekoppelt werden sollte.

Neben der Musik stellen das „Death or Glory“ Album und die „Blazon Stone“ Scheibe für mich auch in Sachen Outfits eine Hochzeit in der Geschichte der Band dar. Rolf und Majk bestachen durch Leggings und genietete Lederschlüpfer und du hattest eine Jacke mit riesigen Schultern. Wie fandst du denn diese Klamotten?

Ich fand das schon geil damals. Auf der Reeperbahn gab es damals einen Typen namens Indianer Joe, ein richtiges Urgestein. Dort haben wir die Sachen anfertigen lassen und es war auch kein billiger Schund, sondern richtig teures Zeug. Es passte gut zu der ganzen Sache und wir hatten ja auch damals schon große Bühnenaufbauten, so dass das Ganze schon sehr stimmig war.

Die Grundidee war schon immer von Rolf. Es sollte schon immer alles an dieses Piratenimage angelehnt sein, auch wenn das bei der „Balzon Stone“ vielleicht nicht mehr so durchkam. Aber im Grunde gab es schon immer diesen roten Faden, der sich seit der „Under Jolly Roger“ durchzog.

Ich habe die Sachen leider nicht mehr. Irgendwann habe ich dieses Outfit von der „Death or Glory“ mal in einer Box im Keller gefunden. Die Nieten waren total verrostet und ich habe das Ding dann weggeschmissen, was ich vielleicht nicht hätte tun sollen. Auf Ebay hätte man dafür bestimmt noch einen Käufer gefunden.

Rolf hat mal erzählt, dass diese Lederoutfits auf Tour schnell ihre Nachteile offenbarten und ihr deshalb einen Anhänger für die Klamotten an den Bus gehängt habt.

Auf jeden Fall. Diese Lederklamotten haben irgendwann unglaublich angefangen zu stinken und wir konnten nicht mehr im Nightliner mitnehmen. Das war einfach nicht auszuhalten und daher kamen die in einen eigenen Garderobencase. Heute gibt es ja Sachen wie Febreeze, aber damals hatten wir sowas irgendwie nicht. Wenn diese Klamotten einmal durchgeschwitzt waren, dann hat man das auch nicht mehr trocken bekommen.

Auch in dieser Hinsicht kann man also sagen, dass das Geschäft damals noch ehrliche Arbeit war: Blut, Tränen und vor allem Schweiß.

Das kann man sagen. Es war auf jeden Fall eine tolle Zeit.

Du stehst zwar mittlerweile seit vielen Jahren mit GRAVE DIGGER regelmäßig auf der Bühne, aber beschleicht dich nicht auch ab und zu mal die Lust die alten RUNNING WILD Songs wieder zu spielen?

Auf jeden Fall. Ich hatte ja immer mal gehofft, dass Rolf mal anrufen würde. Es gab ja mal die große Show in Wacken und da hätte ich mich schon gefreut, wenn ich den Gig hätte spielen können. Aber der Zug ist nun wohl leider abgefahren.

Ich muss auch gestehen, dass ich gar keinen Kontakt mehr zu Rolf habe. Er ist wohl auch nicht so der Social Media Typ, der irgendwelche öffentliche Profile hat. Sonst könnte man ihn auf Facebook mal anchecken. 

© pics: Jens Becker, Jan Nemec, Martin Becker




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