Unter der Decke mit Joey Vera - Interview mit ARMORED SAINT

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Unter der Decke mit Joey Vera - Interview mit ARMORED SAINT
Der Kollege Börd hat es in seinem Review zur neuen Scheibe „Punching the Sky“ geschrieben: ARMORED SAINT hätten mehr Erfolg verdient und der neue Longplayer ist das perfekte Metal Album. Dementsprehend habe ich Basser Joey Vera ein paar Fragen zukommen lassen, die er mir in Rekordzeit beantwortete.

Nicht nur im TWILIGHT Magazin wurde die neue Scheibe abgefeiert. Auch DEAF FOREVER Chef Kühnemund konnte seine Begeisterung über „Punching the Sky“ kaum verbergen. Hinsichtlich der grandiosen Gesangsleistung von Frontman John Bush spekulierte Kühnemund, dass dieser seinen Partner Joey an seiner Seite brauche, um sein Optimum aus sich herauszuholen.

Ich bin mir nicht sicher, ob John mich wirklich dafür braucht, aber ich pushe ihn definitiv so, dass er seine besten Leistungen abrufen kann. John und ich haben eine großartige Arbeitsbeziehung und er vertraut mir mittlerweile selbst dann, wenn er Zweifel hat.

„End of the Attention Span“ ist nicht nur ein verdammt starker Song, sondern er setzt sich auch mit dem Konsum von Social Media und den dazugehörigen Endgeräten auseinander. Ein Phänomen, dass MUCKY PUP bereits vor 24 Jahren in „Short Attention Span“ thematisierten. Damals wie heute sicherlich eine zutreffende Beobachtung. Aber irgendwie entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass zu dem Song ein Video ausgekoppelt wurde, welches sich die Fans dann bei YouTube usw. auf ihren Smartphones ansehen können.

So sehe ich die Ironie: Wir alle benutzen Smartphones und Computer, um uns das Gefühl zu geben miteinander und mit dem Rest der Welt verbunden zu sein. Die Ironie ist, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem wir nicht länger miteinander reden, persönlich oder am Telefon. Die Kommunikationslücke ist weiter geworden und wir verstehen und gegenseitig viel weniger. Das ist die Ironie. Und wir sind alle genauso schuldig.

Das stimmt sicherlich und trifft auf viele Bereiche zu: Nie waren Informationen in solchen Massen für so viele Menschen griffbereit und doch waren die Leute noch nie so uninformiert. Kommunikation ist leichter denn je und doch vereinsamen Menschen immer mehr.
Aber vielleicht hilft die moderne Kommunikation dabei ARMORED SAINT endlich den verdienten Erfolg zu verschaffen. Oder habt ihr die Hoffnung auf den großen Durchbruch mittlerweile aufgegeben?

Da kann ich ganz brutal ehrlich sein: Es ist mir vollkommen egal. Wir tun diese ganzen Sachen nicht, um eine größere Band zu werden oder etwas zu bekommen, das wir vielleicht verdienen. Ich habe mich von diesen Ideen vor vielen Jahren verabschiedet. Ich bin ganz einfach glücklich, dass ich nach 40 Jahren immer noch Musik machen kann. Und wie ist es mit der Tatsache, dass es immer noch Fans und Kritiker gibt, die gerne unsere Musik hören? Das ist genug für uns. Das ist das, was wir damals 1982 erreichen wollten.


1982 sah die Welt noch anders aus. Der Kalte Krieg teilte die Welt noch in zwei Blöcke und in den USA war gerade ein Schauspieler Präsident geworden. Mittlerweile sitzt ein Clown im Weißen Haus und – für mich unverständlich – es ist nicht klar, ob Trump in 14 Tagen nicht doch für eine zweite Amtszeit im Amt bestätigt wird. Sind diese politischen Fragen unter euch ein Thema und wird der Ausgang der Wahl irgendeinen Einfluss auf die Band haben?

Ich kann dir nicht sagen, ob der Ausgang der Wahl einen Einfluss auf die Band haben wird. Wir sind alles verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Meinungen. Wir versuchen Politik aus der Band herauszuhalten.

Es ist ja auch viel schöner über Musik zu streiten. Welches ist denn dein Lieblingssong auf der neuen Scheibe und warum?

Das ist hart. Ich mag alle Songs. Ich würde mich vielleicht für „Lone Wolf“ entscheiden. Es hat Spaß gemacht den Song zu schreiben und ich liebe das Resultat. Ich konnte heavy Grooves und eine R&B Akkordfolge einbauen, die ich auf dem Klavier geschrieben habe. Es ist ein großartiger Song.

Oscar Wilde hat sich in seinem „Picture of Dorian Gray“ u.a. mit dem Sinn von Kunst auseinandergesetzt. Erfüllt Musik auch einen Sinn oder würde es gar keinen Unterschied machen, wenn es keine Musik auf der Welt gäbe?

Musik ist, wie alle Kunstformen, essenziell für die menschliche Erfahrung. Sie ist wie eine warme Bettdecke, die dir zeigt, dass du wohlbehütet und nicht allein bist. Wir alle brauchen die Kunst, um aus dem fliehen zu können, was uns als Norm vorgelegt wird. Wir brauchen sie, um unsere Einstellungen zu hinterfragen. Wir brauchen Musik als eine Ausdrucksform die weit über alle Sprache hinausgeht. Kunst ist die eine Sache, die Menschen in der ganzen Welt verbinden kann. Es steckt eine große Kraft in der Musik und ich kann mir eine Welt ohne Musik nicht vorstellen.

(c) pics:Stephanie Cabral und Travis Shinn



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