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  • Exodus, Arcania – Hannover Musikzentrum (5.6.2015)

    | Thorsten Zwingelberg | Konzerte

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser da draußen an den Bildschirmen,

für euch sind mal wieder Helldeathhorst und Helldeathrainer in der Höhle der Löwen, oder sollen wir aufgrund des heutigen Headliners lieber vom Piranhabecken sprechen? Wir melden uns heute jedenfalls mal wieder direkt aus dem Musikzentrum in Hannover, wo in wenigen Minuten ein wahrer Thrash Metal Sturm losbrechen wird. Auf dem vom TWILIGHT MAGAZIN präsentierten Programm stehen heute nicht nur die Franzosen von ARCANIA, sondern auch die Bay Area Veteranen von EXODUS.

 

Während ich mich hier oben auf den Balkon zurückgezogen habe, um das Treiben aus sicherem Abstand überblicken zu können, berichtet mein unerschrockener Kollege Helldeathrainer direkt aus der Schlangengrube vor der Bühne. Rainer, wie sieht es denn bei dir aus?

 

Ja, hallo liebe Leser. Helldeathhorst, noch herrscht hier die Ruhe vor dem Sturm und vereinzelt treffen erste Thrash Metal Fans aus der Landeshauptstadt ein. Allerdings wurden auch bereits zahlreiche Szenegrößen aus der benachbarten Kulturhauptstadt Niedersachsens, Hildesheim, gesichtet. Momentan nutzen die Fans jedoch die Gelegenheit, um sich an der Theke mit Erfrischungsgetränken zu versorgen, denn aufgrund der Tatsache, dass wir heute den ersten hochsommerlichen Tag des Jahres hatten, werden später auch in der Halle echte Saunatemperaturen erwartet – und das nicht nur aufgrund der hoffentlich schweißtreibenden Auftritte der Bands. Doch zunächst zurück zu dir.

 

Nutzen wir die Zeit bis zum Konzertauftakt, lieber Helldeathrainer, um zunächst mal die Mannschaften genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Vorprogramm spielt heute eine Band aus Frankreich – in gewisser Weise also musikalische Exoten. Und obwohl die als SILVERSKUL gegründeten ARCANIA bereits seit 1999 aktiv sind, hat ihre Karriere erst in den letzten 5 Jahren an Fahrt aufgenommen. Mit „Dreams are Dead“ ist 2014 das zweite Album der Jungs auf den Markt gekommen und dieses wird man heute natürlich so gut es geht präsentieren wollen. Ah, liebe Leser, ich sehe, dass sich da etwas tut… Helldeathrainer, was gibt es Neues aus der Menge?

 

Lieber Helldeathhorst, noch ist es ruhig, aber du hast vollkommen Recht – im Backstagebereich ist ein emsiges Treiben zu vernehmen und dementsprechend kommen nun auch immer mehr Metalheads in die Halle, um ja keine Minute des Spektakels zu verpassen. Und da sind sie nun auch tatsächlich, pünktlich wie ein TGV: ARCANIA. Mehr aus der ersten Reihe in Kürze. Zurück zu dir, Helldeathhorst.

 

Mein lieber Mann, die Franzosen brettern ja ganz schön los. Wir dürfen jedenfalls annehmen, dass die Truppe hier einen guten Eindruck bei der Thrashmetalgemeinde hinterlassen will. Frontmann Cyril Peglion schreit ins Mikrofon und bewegt sich dabei stilistisch zwischen Death und Thrash Metal. Seine Hintermannschaft sorgt für die passende musikalische Untermalung. Und auch der Soundmann meint es gut mit uns, denn er dreht die Regler so hoch, dass auch die Fans, die noch vor der Hallentür verweilen sicherlich eine ordentliche Kostprobe vom Wüten der Franzosen bekommen.

 

Wenn ich mich kurz aus der ersten Reihe einschalten darf, lieber Helldeathhorst. Hier sind nach den ersten Songs bereits die ersten Headbanger in Stellung gegangen. Allerdings zeugt der große Sicherheitsabstand zwischen der Bühne und den ersten Fans davon, dass man sich wohl erst beschnuppern muss. Der Sound direkt vor der Bühne ist jedoch infernalisch und wer hier mit Lockenfrisur angetreten ist, darf sich am Ende des Abends sicherlich über eine geglättete Mähne freuen. Zurück zu dir auf den Balkon…

 

…ja, wir sehen euch da unten. Hier in der Reporterkabine wollen wir natürlich nicht auf kritische Analysen verzichten. Und ich denke, man kann schon nach wenigen Songs sagen, dass sich die Franzosen mitunter  etwas in ihren Songs verzetteln. Der ein oder andere Gitarrenpart wirkt doch etwas langatmig – bei aller Liebe zu den vierhändigen Tappingeinlagen des Gitarrenduos Peglion/Le Bellec. Und wer nicht mit dem Songmaterial der Franzmänner vertraut ist, wird sich schwer damit tun, Erinnerungen an einzelne Songs mit nach Hause zu nehmen. Oder wie siehst du das da unten, Helldeathrainer?

 

Genau meine Meinung, Helldeathhorst. Die Stärken der Band liegen sicherlich in groovigen Passagen, wobei man doch auch aufpassen muss, sich in den meist um die 5 Minuten langen Songs nicht zu verzetteln. Ich habe mal versucht einige Stimmen aus dem Publikum einzufangen. Jedoch grunzte mir ein Kuttenträger mittleren Alters nur unverständlich ins Ohr: Es sollte wohl sowas wie „Äääääkzooodussss, deine Mudddaa! heißen. Du siehst also, die Fans sind heiß auf den Headliner. Und damit zurück zu dir.

 

Kurz und schmerzlos, das dürfte den Auftritt der Franzosen wohl am treffendsten Umschreiben. Nach 30 Minuten ist der Zirkus vorbei, liebe Leser, und Band und Roadies räumen das Feld für EXODUS. Als Resümee des Auftritts nehmen wir wohl mit, dass ARCANIA als Vorgruppe keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnten, sich dennoch redlich mühten und durchaus auch den ein oder anderen Kopf zum bangen bringen konnten. Wollten wir hier von Hochklassikkeit sprechen, könnten wir auch den HSV (Hannover und Hamburg gleichermaßen) als Weltklassemannschaft bezeichnen.

 

Vollkommen richtig, Helldeathhorst. Hier unten verläuft sich die Menge im an sich ordentlich besuchten Musikzentrum nochmals, um entweder Bier zu holen, weg zu bringen oder um vor der Tür einen Schwatz zu halten. Auf der Bühne sind die Roadies damit beschäftigt alles für den Auftritt der Thrash Metaller von EXODUS vorzubereiten. Aus gut informierten Kreisen hören wir, dass mit dem Auftritt der Band gegen 21 Uhr zu rechnen sei. Wir sind gespannt und damit verabschiede ich mich für den Moment hier aus der Halle.

 

Liebe Leser, wir nutzen die kurze Umbaupause und geben ab in die Werbung. Wir melden uns wieder, sobald sich hier im Musikzentrum etwas tut. Bis dahin. (Hier könnte Ihre Werbung stehen!)

 

Liebe Leser, wir melden uns zurück aus dem mollig warmen Musikzentrum in Hannover. Für Sie vor Ort bei EXODUS sind heute Helldeathhorst und Helldeathrainer. Die Franzosen ARCANIA haben bereits einen unspektakulären Auftritt hinter sich gebracht und jetzt tummeln sich am Bühnenaufgang einige bekannte EXODUS Gesichter. Es geht also los….

…und wie es losgeht. Besonders erwähnenswert ist, dass Gitarrist Gary Holt offenbar Teile seines jüngst noch zur Schau gestellten Bartes auf den Kopf hat verpflanzen lassen. Oder wie ist die volle Lockenmähne des Gitarristen zu erklären? Helldeathrainer, kannst du aus deiner Position vor der Bühne mehr Detail erkennen, als wir von hier oben?

 

Helldeathhorst, das kann ich tatsächlich. Durch die Wand leicht verschwitzter Metalheads und dicker Nebelschwaden kann ich feststellen, dass es sich mitnichten um den Gründungsvater der kalifornischen Thrash Metal Institution Gary Holt handelt, sondern um den HEATHEN Klampfer Kragen Lum. Offenbar ist Holt zurzeit zu sehr mit SLAYER beschäftigt, um die gesamte Tour zu begleiten. Eine unglaubliche Unglaublichkeit, wenn du mich fragst…

 

…tatsächlich, lieber Helldeathrainer, wer hätte gedacht, dass die Riffmaschine ohne ihren Erfinder auf die Straßen gelassen wird. Das wir das noch erleben müssen. Doch mit Drummer Tom Hunting ist ja der einzig verbleibende Geburtshelfer noch mit an Bord. Eine echte Sensation wäre es gewesen, wenn er seinen alten Kumpel Kirk Hammett als zweiten Gitarristen präsentiert hätte. Allerdings müssen wir sagen, dass das Gitarrenduo Altus/Lum natürlich ein eingespieltes Team sind und hier in kürzester Zeit eine fette Riffwand errichtet haben.

Ja, liebe Leser, tatsächlich feuern die Amis ein wahres Thrash Metal Feuerwerk ab. Dabei wird der 30. Geburtstag von „Bonded By Blood“ durch übermäßige Berücksichtigung in der Playlist gebührend gefeiert. Zwar hat sich der neu eingestellte Frontmann Steve Zousa bemüht in Sachen Körperumfang an den ausgeschiedenen Hardcore-Schreier Rob Dukes heranzureichen, doch stimmlich hat er sich zum Glück sein schräges Kreischorgan bewahrt…

 

…richtig, lieber Helldeathhorst. Sicherlich gehen die Meinungen über die Sängerposition auch in Fankreisen auseinander. Doch wir halten einfach mal fest, dass mit „Zetro“ am Mikrofon die stärksten Alben der Band entstanden sind. Die Studioära von Dukes hat meiner Meinung nach keine wirklichen Highlights hervorgebracht. Und selbst wenn der GENERATION KILL Frontmann irgendwie mehr „Bad Ass“ ist als Souza, so ist mir letzterer doch deutlich lieber. Hier unten scheint übrigens auch niemand Krokodilstränen zu vergießen weil Dukes nicht mehr auf der Bühne steht. Stattdessen werden hier Klassiker wie „Another Lesson In Violence“, „Pleasures Of The Flesh“ und „Bonded By Blood“ genauso abgefeiert wie „Children of a Worthless God“ oder „Body Harvest“. Und der Schweiß läuft mittlerweile nicht nur bei den Fans, die hier um mich herum einen mörderischen Moshpit in Gang gebracht haben…

 

…ja, Helldethrainer, wir können es sehen. Der Moshpit beginnt direkt hinter der ersten Reihe, was dem ein oder anderen Fan dort gar nicht so zu passen scheint. Einige kleine Rangeleien sind zu beobachten. Doch vor allem scheint Lee Altus richtig viel Spaß zu haben. So spielfreudig habe ich den langjährigen EXODUS Klampfer bislang noch auf keiner Show erlebt – die Kommunikation mit dem Pulk vor seinem Bühnenteil scheint hervorragend zu sein. Da kann sich selbst Basser Jack Gibson ein Lächeln nicht verkneifen – auch wenn der Gute vor allem Angst um den richtigen Sitz seiner Lockenpracht zu haben scheint. Auf jeden Fall sitzt seine Matte am Ende der schweißtreibenden Show noch nahezu perfekt – während man vor allem bei Lee Altus und Steve Souza eigentlich nicht mehr von einer verkehrsfähigen Frisur sprechen kann.

 

Gut, dass wir hier nicht auf einer Frisurenshow sind. Denn musikalisch waren die Amis richtig angeknipst und haben lange Zeit vor allem auf Tempo gesetzt. Für Liveshows meiner Meinung nach immer eine schwierige Sache, da der Livesound den Songs doch häufig viele der musikalischen Details raubt. Insofern lag der Höhepunkt der Show für mich eindeutig im letzten Drittel. Eingeleitet durch das mächtige „Blacklist“ wurden nun Songs wie „War Is My Sheperd“ und „Toxic Waltz“ abgefeuert, bevor das schnelle „Strike of the Beast“ das Set beendete.

 

Hier unten gibt es mittlerweile kein Halten mehr und die verschwitzten Fans machen sich für die Wall of Death bereit – allerdings gelingt diese nur so halb. Egal, der Moshpit ist brutal genug und es wird gebangt und geschubst was das Zeug hält.

 

Nach etwa 1.5 Stunden war dann Schluss mit EXODUS und die Band ging sichtlich zufrieden mit dem heutigen Auftritt von der Bühne. Und die Thrash Metal Riffmeister haben auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Brutalität keine 7Saiter braucht, sondern nur richtig schwere Riffs. Erwartungsgemäß hat man das seit jeher unterbewertete „Impact Is Imminent“ Album in der Playlist nicht berücksichtig, dabei wäre „Lunatic Parade“ sicherlich eine geniale Abwechslung zwischen den ganzen Hochgeschwindigkeitssongs gewesen. Aber das Fehlen von „Fabulous Desaster“ dürfte dann doch den ein oder anderen Fan überrascht haben. Dennoch: EXODUS haben gehalten, was man von ihnen erwartet und ein fulminantes, brutales Thrash Metal Brett runtergespiet. Und damit verabschieden wir uns von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Helldeathrainer wird erstmal unter die Dusche geschickt und ich genehmige mir noch eine kühle Cola Light.

Bis zum nächsten Mal in diesem Theater!

 

Ort

Musikzentrum, Hannover

Kategorie

Setlist

Spielzeit

Tags

| Thorsten Zwingelberg | Konzerte

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