Siegfried Tesche - 50 Jahre Sonntagsmord

Was wäre der Lockdown ohne den TATORT, ohne die skurrilen Kommissarinnen und Kommissare, ohne die regionalen Eigenarten, ohne die eingespielten Teams, die für einige ja fast schon zur Ersatzfamilie geworden sind, ohne die Hochspannung, ohne die Sozialkritik, ohne den Humor, ohne das Experimentelle, ohne das Revolutionäre, ohne das Traditionelle, ohne das Originelle?
Jetzt kann der TATORT schon auf eine fünfzigjährige Geschichte zurückblicken und Siegfried Tesche hat sich der Sache verschrieben, jenseits der offiziellen „Geschichtsschreibung“ ein „inoffizielles“ Buch zu veröffentlichen, das skurrile Fakten und lustiges Wissen zu Deutschlands berühmtester Krimiserie bietet. Und hinzu kommt auch noch, dass Oli Hilbig, seines Zeichens bekannt für die „Schön-doof-Cartoons“, für die Illustrationen gewonnen werden konnte.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einleitung in die Entstehungsgeschichte des TATORTs, dann geht es mit den TATORT-Anekdoten das erste Mal richtig in die Vollen. Denn wer hätte zum Beispiel gewusst, dass die ersten Kritiken vernichtend gewesen sind. Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Der Leser ist hier aber nicht nur als Konsument gefragt, sondern er muss im TATORT –Quiz (Teil 1) die ein oder andere Frage beantworten. Können sie und er das nicht, ist natürlich eine knallharte Recherche gefragt.

Um sich von diesen Mühen erholen zu können, folgt das Kapitel über die Tatort-Skandale, die die ganze Bundesrepublik in helle Aufregung versetzt und zu der ein oder anderen Diskussion geführt haben: Einer meiner persönlichen Lieblingsfolgen war der Bremer TATORT „Abschaum“, in dem es um Satanismus und rituellen Kindesmissbrauch ging. Harter Tobak, aber am Ende werden alle Bösewichter nacheinander von einem Beschützer eines der Kinder der Reihe nach umgebracht. Charles Bronson ließ grüßen. 14 Tote in einer Folge, die waren natürlich eine gehörige Aufregung wert.
Dann geht es um Zahlen und Statistiken: Quoten, Kosten, Gagen, Leichen. Sehr interessant, aber mehr wird vorab nicht verraten. Im Anschluss kommt der zweite Teil des TATORT-Quiz, ehe eine Sammlung der besten Zitate der TATORT-Macher und -Schauspieler das Ende des Buches einläutet.

Selbstredend gibt es dann noch die Quizauflösung, für die Akademiker eine Bibliographie, denn die Fußnoten wollen ja auch überprüft werden, und eine Danksagung.

Kurz: Das inoffizielle TATORT-Buch „50 Jahre Sonntagsmord“ von Siegfried Tesche (mit Illustrationen von Oli Hilbig) ist eine wahre Fundgrube für die Anhängerinnen und Anhänger des ARD-Sontagskrimis, die sich einmal jenseits der offiziellen TATORTgeschichtsschreibung kurzweilig, humorvoll und stichhaltig informieren möchten. Denn wer möchte nicht einmal auf einer Party mit allerlei interessanten „nice-to-know-facts“ die Gäste beeindrucken. Gut, das geht auch mit Lateinkenntnissen, aber dasselbe ist es nicht!

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