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DEVIN TOWNSEND nur mit Akustikgitarre?! Seine Alben entstehen bekanntermaßen üblicherweise ganz im Chuck Norris´schen Credo, alle verfügbaren Tonspuren plus eine mehr zu nutzen. Ziel: Maximum Fatness of Sound. 
Hier ist er allein mit seiner Stimme, einer akustischen Gitarre, ein bisschen Hall, ein bisschen Echo, ein paar Effekte für ein paar Begleitgeräusche oder die Stimme. Und dem Publikum, dass er gem. einiger Ansagen hier und da während des Sets gar nicht sieht - aber hört.   
Diese beinahe intime Stimmung zwischen ihm und den Anwesenden, wie viele es tatsächlich waren, konnte ich nicht recherchieren, ist deutlich wahrzunehmen. Es wirkt beinahe wie in einer Guitar Clinic, wenn ihm 20 Leute gegenüber sitzen. DEVIN TOWNSEND ist ein Entertainer, dessen Gesamterscheinung aus Mimik, Gestik, Gesang und Gitarrenspiel fesselt. Die visuellen Eindrücke bleiben bei diesem Album außen vor, was dem Spaß am Album keinen Abbruch tut. 
"Intro" ist wirklich ein solches. Er nimmt sich ausgiebig Zeit, seine Gitarre zu stimmen. Die sehr humoritische, selbstironische Unterhaltung (sinngemäß: Musikalisches und Kreatives bereiten ihm keinerlei Herausforderungen, die basalen Handlungen des Lebens zeigen ihm hier und da jedoch das eigene Unvermögen auf.). Die musikalische Ausgestaltung des Intros holt einen ab zur Meditation, das könnte auch im Yogakurs laufen neben brennenden Räucherstäbchen. Die Unterhaltung im Intro ist aus meiner Sicht der wesentliche Grund, dass er das Publikum sofort für sich gewann. Für ihn, das sagt er im Übergang zum folgenden Lied "Let It Roll", sei es elementar zum Schreiben von Musik, dass es regne. Dass dieses Wetter auch in Leeds an diesem Tage vorherrsche, erfreue ihn ausdrücklich. "Let It Roll" ist auch ein typisches Beispiel für DEVIN TOWNSENDs Unberechenbarkeit. Er startet zart, dreht ins Falsett, um dann zu brüllen. Die Nummer, bei der dieses Wechselspiel kummuliert, ist "Love?". Man kann sich dieses Stück gerne mal im Original seiner Band STRAPPING YOUNG LAD anhören. Da ist es bester Industrialmetal - hier wird es Avantgarde. Seine Arbeit mit seiner Stimme ist das eine, was diese Bewertung nährt, wenn er mit Ankündigung auf einmal einen Dur-Akkord ansetzt, wird es wörtlich komisch und bricht deutlich mit dem Original. Vor "Hyperdrive" erläutert er die Erfindung seiner Figur Ziltoid, die als Handpuppe entstand. Seine Mutter schlug vor, mit dieser Puppe nicht öffentlich zu spielen. Ein verlegenes "Zu spät..." war seine Reaktion - der Rest ist Musikgeschichte. 
Mir gefällt die Songauswahl und deren Interpration sehr gut, darunter sind "Deadhead", "Solar Winds", "Thing Beyond Things" sowie natürlich die schon vorher aufgeführten. 

Bei aller Euphorie für dieses außergewöhnliche Livealbum, bitte ich dennoch das Label um Zurückhaltung. Manchmal ist es besser, sich rar zu machen und nicht in Chuck Norris'sche Verhaltensweisen zu verfallen, alles und noch eines mehr zu veröffentlichen, was man kann. Es ist genau wie in der Liebe: Die Sehnsucht steigt nicht mit der permanenten Verfügbarkeit. Geehrtes Label: DEVIN TOWNSEND hat genug Livealben am Start, belasst es dabei. Investiert besser Mühen in ein neues Studioalbum. Danke!  

Kategorie

V.Ö.

19. März 2021

Label

Inside Out Music

Spielzeit

61:02 min

Tracklist

1. Intro
2. Let It Roll
3. Funeral
4. Deadhead
5. Ih-Ah!
6. Love?
7. Hyperdrive
8. Terminal
9. Coast
10. Solar Winds
11. Thing Beyond Things

Line Up

Devin Townsend - Gesang, Gitarre

Bewertung

1