Metal Hammer Paradise 2015

  • Datum: Freitag, 13 November 2015
  • Ort: Weissenhäuser Strand
  • Redakteur: Carsten Brand
Metal Hammer Paradise 2015

Es ist November. Der Himmel grau, der Wind kalt, stürmisch und es regnet. Nicht die richtige Zeit für ein Festival? Aber natürlich. Jetzt erst recht!

Unter diesem Credo fand in diesem Jahr am 13.11 und 14.11.2015 zum dritten Mal das Metal Hammer Paradise im Ferien- und Freizeitpark Weissenhäuser Strand an der Ostsee in Schleswig Holstein statt.
Statt in Zelten erlebt man Wohnkomfort im Hotel, Apartments oder Bungalows. Man läuft nicht durch Schlamm und Dreck, sondern flaniert durch eine überdachte Galerie zu einer der drei Bühnen. Vorbei an Ständen, an denen man allerlei Merch, Musik und sonstiges kaufen konnte, die das Metalherz begehrt. Oder kehrte in einem der Restaurants, Kneipe oder Café ein, um sich die Wartezeit auf eine der 30 Bands zu vertreiben, die an diesem Wochenende spielten. Zudem beinhaltete die Buchung auch den Eintritt in das subtropische Badeparadies. Ein Festival der superlative.
Den Opener am Freitagnachmittag waren Battle Beast.  Die finnische Band mit Frontfrau Noora machten von Anfang an gleich Druck und brachten den (relativ kleinen) Baltic Ballroom, mit ihrem 80ger Jahre beeinflussten Metal, in Wallungen.
Bei den Truckfighters auf der Maximum Metal Stage überzeugte die Band um den Begründer Niko, der wie ein Flummi über die Bühne hüpfte, mit einem klaren Sound, der ein wenig an Kyuss erinnerte.
Moonspell im Ballroom. … Wer sich das hat einfallen lassen, war wohl auch dafür verantwortlich, dass in den Jahren davor sowohl Amorphis wie auch Lacuna Coil auf dieser kleinen Bühne spielen mussten. Aber, wie auch ihren Vorgängern, tat es der Band keinen Abbruch um mit Freude den Saal zu rocken. So war auch nichts von portugiesischer Wehmut zu vernehmen. Doch spürte man die Grenzen des Raumes. Aus der Erfahrung des letzten Jahres wurde Vorsorge getroffen und in der Galerie Monitore installiert, die das Konzert aus dem Inneren übertrugen. So konnten dort die verbliebenen Gäste trotzdem mitfeiern.
Etwas zeitversetzt Subway to Sally auf der Maximum Metal Stage. Getaucht im Wechsel von rotem und blauem Licht zeigten sie mal wieder, dass sie über 20 Jahre Bühnenerfahrung hatten und lieferten solide ab. Aber wo war „der Schrei“? Und Jig tanzen auf der Bühne ist wohl auch nicht mehr so angesagt. Es fehlte einfach die Freude an dem Auftritt.
So auch At The Gates. Mit brutal hämmerndem Sound und seinem brachialen Gesang heizte Tomas Lindberg der Meute ein, die wohl bereitwillig am nächsten Tag eine Nackenstarre vom bangen in Kauf nahmen.
Headliner an diesem Abend waren Opeth. Doch leider wurde dieser Abend von den Terror Angriffen in Paris überschattet. An dem viele Menschen auf einem Metal-Konzert der Band Eagles of Death Metal ums Leben kamen. So war das große Zelt doch wesentlich leerer als bei Subway to Sally zuvor. Doch die Band war professionell genug, um sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Musikalisch voll ausgereift bekam man den zunehmenden Einfluss des progressiven Psychedelic Rock zu spüren.
Wer an diesem Freitag noch nicht genug hatte, konnte auf der After Show Party noch mal richtig seinen Kopf durchschütteln, oder bei einem Drink das eine oder andere Gespräch über den vergangenen Tag bzw. den nächsten führen. Auf dem Rückweg zum Bungalow fiel auf, dass in vielen Apartments, aus denen sonst laute Musik strömte, jetzt nur noch das Licht der Fernseher zu sehen war.
An diesem Abend wurden auch, Aufgrund des aufkommenden Sturms, die Metal Hammer Paradise Buchstaben, die auf dem Deich aufgebaut waren, auf den Rasen gelegt.

Den Samstag konnte man mit einem reichhaltigen Frühstück am Buffet beginnen, welches man dazu buchen konnte. Danach ein Strandspaziergang, bevor um 13:00 Uhr sich Till Burgwächter die Ehre gab, und in seiner Lesung die Wahrheit über Wacken verkündete. Dazu kamen weitere Programmpunkte, die über den Tag verteilt waren. Wie ein Bandworkshop mit Rage, Gitarrenworkshop mit Gus G., Drumworkshop mit Helloween und letztendlich gegen Tankard auf die Bowlingbahn zu gehen.
Musikailsch standen dann Graveyard auf der Maximum Metal Stage. Stoner Rock der die Menge wieder in die 70ger Jahre zurück versetze.
Im Gegensatz dazu die Oldschool Thrash Metal Band Tankard den Ballroom unsicher machte, und der Sänger Gerre seinen Bauch über die Menge schwang. Auch wenn das zweite Mikro nicht funktionierte, war es ein „alkoholisches“ Erlebnis…
Auf der Maximum Metal Stage durfte man dann mit Sepultura ihr 30 Jähriges Bestehen feiern. Auch wenn nur noch Paulo Xisto Pinto Jr., der Bassist, von der Ursprungsbesetzung über geblieben ist. Anfangs hatte auch Sänger Derrick Probleme mit seinem Mikrofon. Welche aber schnell behoben waren. Somit konnte dieser grandiose Auftritt dann weiter gehen.
Destruction: Trashmetal seit 1982… Die Urgesteine Schmier und Mike brachen brachial los und in heizten kürzester Zeit in ater Manier den Ballroom nieder. Ein Auftritt der wohl auch in die Annalen des Metal Hammer Paradise eingehen wird.
Auf der Metal Stage gab sich Danko Jones die Ehre. Von Blues Rock über Hard Rock und Metal bis Punk Rock, es war für jeden was dabei. Eine Darstellung die seines Gleichen sucht. Ein genialer Akt, den die Menge auch zu würdigen wusste.
Nach der brachialen Gewalt von Destruction im Ballroom, kam nun Rage. Die Jungs um Sänger und Bassist „Peavy“ Wagner brachten Power Metal vom feinsten. Man spürte sichtlich die Freude am Spielen. Es war echt ein Genuss dem beizuwohnen.
Ähnlich ging es auf der Maximum Metal Stage zu. Denn dort standen Helloween, und das schon zum zweiten Mal beim Metal Hammer Paradise. Mehr „Horns up“ waren hier auf keinem Konzert zu sehen. Sänger Andi Deris gedachte auch der Opfer von Paris. Das Bühnenbild der neuen Scheibe My God-Given Right wurde gekrönt mit einem schneeweißen Schlagzeug. Tolles Bühnenbild, klasse Konzert und Humanität. Horns Up!!!
Der Hauptakt am Samstag… Black Label Society. Eine Band, deren Hardcore Fans sich ähnlich organisieren wie ein Motorradclub. Sänger und Gitarrist Zakk Wylde war in Topform und brachte die Erde, in dem Zelt, um die Maximum Metal Stage zum Beben.  Von den klassischen Blues und Country Einflüssen war nicht ganz so viel zu hören. Es hat einfach nur gerockt!!!
So ging dann auch ein weiteres Metal Hammer Paradise zu Ende.  Aber wer glaubt man muss am Sonntag um 10:00 Uhr aus dem Zimmer sein, irrt sich. Hier hat man bis 12:00 Uhr Zeit. ;-)