Protzen Open Air 2014

  • Datum: 13.-15.06.2014
  • Ort: Protzen, Brandenburg
  • Besucher: 1500
Protzen Open Air 2014

Bereits zum 17. Male wurde in diesem Jahr das Protzen Open Air im gleichnamigen Dorf in der brandenburgischen Idylle zwischen Berlin, Neuruppin und Fehrbellin ausgerichtet. Das Konzept einer größenmäßig überschaubaren Veranstaltung, bei der es in erster Linie um Musik geht, findet man heutzutage viel zu selten. Man kann es Veranstalter Mario gar nicht hoch genug anrechnen, dass er unbeirrt an dieser Marschroute festhält und jahrein, jahraus Underground-Perlen, Newcomer und ein paar Zugpferde oder auch mal die eine oder andere Legende des Death Metal, des Grindcores oder des Thrash in eine vermeindliche Einöde lockt. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Erstmals war das Festival in diesem Jahr komplett ausverkauft. Anscheinend sehnen sich viele der garstigen Extrem-Metalheads am Ende doch nach einer sehr familiären und daher total entspannten Atmosphäre, in der man Open Air – Mucke im Clubmodus erleben darf, um hernach den Tag bei Lagerfeuer-Romantik im Kreise der Lieben ausklingen zu lassen. Unser Dank gilt allen Beteiligten, die dieses Festival so einzigartig machen. Weiter so und auf ein Wiedersehen 2015!!! Auf dem POA 2014 verlustierten sich Romana Radic (RR), Trille (Tr) und Jens Dunemann (JD). Besonderer Dank gilt an dieser Stelle Jochen für die Fotos!!!

 

Freitag, 13.06.2014

Vom 13.06.-15.06.2014 wurden nicht nur der Hangar auf dem Festivalgelände, sondern auch die ca. 500 Einwohner von Protzen ordentlich durchgeschüttelt. Nicht nur wegen des Wetters macht es richtig Sinn, die Bands in einem ehemaligen Hangar spielen zu lassen. So haben alle Bands einen fetten Sound und auch wenn eine Combo bei tageslicht loslegt, stellt sich schnell das Gefühl eines Clubgigs ein.

P1100395Festivalarea

Am Freitag machten DISREPUTE, BELLGRAVE und SPACE CHASER den Anfang und begrüßten die ersten Festivalbesucher mit ordentlich Krach auf die Ohren. Wer bereits sein Zelt aufgeschlagen und das erste Bier genossen hatte, litt anschließend mit den Jungs von BLOODPUNCH aus Greifswald. Die ersten Songs konnten sie wegen technischer Schwierigkeiten leider nur bis zur Hälfte spielen. Dem Gitarristen versagte immer wieder die Klampfe, was der Sänger - auch liebevoll „Biene“ genannt - spaßeshalber auf billige Einkäufe aus Asien zurückführte und damit die Stimmung aufrecht erhielt. Schlussendlich konnten die Jungs jedoch Ihren Gig zu Ende bringen und lieferten eine grundsolide Vorstellung. Da Dehuman Reign leider wegen gesundheitlicher Probleme des Sängers kurzfristig absagen mussten, traten die Jungs von SLEDGEHAMMER NOSEJOB aus den Niederlanden auf den Plan. Mit ihrem crustigen Death Metal waren sie für mich definitiv ein gelungener Ersatz für die Berliner Jungs von Dehuman Reign. Auch wenn ich diese sehr gern gesehen hätte, da sie wenige Tage zuvor im Bi Nuu als Vorband von OBITUARY gespielt hatten und ein Vergleich zum Clubkonzert sicherlich interessant gewesen wäre. Im Anschluss folgten HARMONY DIES, die, wie man eigentlich weiß, ebenfalls aus Berlin stammen. Ich persönlich hatte etwas Probleme mit dem Sound der Band. Drei Gitarristen sind sicherlich nicht leicht unter einen Hut zu bekommen.

P1100309 Harmony Dies

harmony dies

Trotzdem hätte ich mir etwas mehr Durchsichtigkeit gewünscht. Dadurch ging mir etwas der Spaß am Auftritt verloren, der meiner Meinung nach auch nicht der aufregendste der Jungs war. (RR) Nun luden DESERTED FEAR in den Festival-Hangar ein, der ordentlich schepperte. Das überzeugende Debüt ´My Empire´ hat nun fast zwei Jahre auf dem Buckel. Ich war gespannt, ob die Thüringer diese Energie auch live entfalten würden. Was ich dann sah, ließ mir jedoch die Kinnlade runterklappen. Ich habe lange keinen Gig gesehen, der Spielfreude, Energie und Präzision in diesem Ausmaß zusammenbringt. Die Jungs sind super eingespielt und hatten richtig Bock auf das, was sie machten und hoffentlich weiter so machen werden. Damit ging es mir nicht alleine. Ein Besucher, der die Band nicht kannte stand ungläubig neben mir und meinte: „Die haben verstanden, worum es beim Death Metal geht. Wenn Bolt Thrower, Asphyx und Morbid Angel ein Kind hätten, dann Deserted Fear. Mehr muss man nicht sagen. Trotz der richtig guten Shows der etablierten Headliner, lieferten Deserted Fear den besten Gig des Festivals. Ich bin gespannt aufs nächste Album, dass noch dieses Jahr bei F.D.A. erscheinen wird. (Tr)

P1100311Deserted Fear

deserted fear

Es folgten INCANTATION aus Amerika, die ihrem Ruf alle Ehre machten und den Hanger - trotzdem es draußen langsam kalt wurde - zum Kochen brachten. Der Sound war exzellent und die Jungs in bester Spielmanier. Dazu floss das Protzener Bier in Massen, was mir noch am nächsten Tag in Erinnerung bleiben sollte. Hier war nun für mich der Punkt erreicht, indem alles in viel Geproste und Headbangen überging. Immer das eindeutigste Anzeichen für ein gelungenes Festival. (RR) Den krönenden Abschluss machten SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH. Ich weiß auch nicht, wie es passieren konnte, dass ich Pungent Stench bisher noch nicht live gesehen hatte. Da ist es mit auch egal ob die Österreicher unter Pungent Stench, The Church Of Pungent Stench oder eben Schirenc Plays Pungent Stench auf die Bühne kommen. Die Songs sind die selben und die begeistern den geneigten Fan auch nach einem Vierteljahrhundert noch immer. Insbesondere „Happy Re-Birthday“, „For God Your Soul ... For Me Your Flesh“ und „Klyster Boogie“ bringen die Menge in Wallung. Schirencs Ansagen kommen in seinem österreichischen Dialekt sehr amüsant rüber, denn die Schnittmenge zwischen Wiener Schmäh und Gore ist ja doch sehr gering. Ein Wort noch zu dem neuen Bassisten D. Vacuum. Der ist einigen von euch vielleicht schon durch die großartigen The Accidents, Voice Of A Generation oder Genocide Superstars ein Begriff. Der Schwede liefert eine sehr motivierte Show ab und man merkt, dass es wesentlich mehr als ein Aushilfsjob für ihn ist. (Tr) Ein würdiger Headliner beendet einen exzellenten ersten Festivaltag – zumindest was die Live Performances angeht - denn natürlich geht es jetzt noch ins Party-Zelt. Keks von Harmony Dies legt noch eine gelungene Mischung aus Rock und Metal auf, gewärmt wird sich am Lagerfeuer.

P1100503 Morgenstimmung

morgenstimmung

 

Samstag, 14.06.2014

Bei wem das Bier am ersten Tag genau so gut geflossen war, wie bei mir, dem ist vielleicht auch die ein oder andere Band zu Beginn des zweiten Tages abhanden gekommen.

P1100384 Prost

prost

Bei mir waren dies BLOODY INVASION und die Thüringer ROGASH. Das ich Rogash verpasst habe, ärgerte mich im dann doch sehr, insbesondere da sehr viele Festivalbesucher erwähnten, wie gut diese waren. Bei MIZEO war ich wieder bereit, mich dem Festival zu widmen, was natürlich durch das sicherlich fast jedem bekannte Festival- Konterbier untermalt wurde. Mir haben Miseo sehr gut gefallen.

P1100391Mizeo

miseo

Ich fand die Mischung aus melodischen Parts und Beatdown, gepaart mit Death Metal sehr passend, um den zweiten Festivaltag zu beginnen. Insbesondere war es mal wieder schön zu sehen, dass eine 3-Mann-Band genau so überzeugen kann wie eine 5-Mann-Combo. Gern hätte ich im mehr über MIZEO erfahren, leider habe ich nichts über die Jungs im Internet finden können. Sehr schade, da ich sie wirklich sehr gut fand. LAY DOWN ROTTEN aus Hessen sind für mich, seitdem Gitarrist „Mett God“ die Band verlassen hat, schon lange nicht mehr interessant. Enttäuscht habe ich den Hangar nach zwei oder drei Songs verlassen. Auch wenn ich von anderen Festivalbesuchern wohlwollende Worte über Lay Down Rotten wahrgenommen habe ist bei mir der leider Funke nicht übergesprungen. (RR) Zu PAGANIZER aus Schweden machte sich dann Panik breit. Es war nun endlich offiziell: Das 17. Protzen Open Air war ausverkauft. Es gab keine Tagestickets mehr zu kaufen. Gratulation an den Veranstalter, mein Beileid an die Gäste, die sich umsonst auf den Weg gemacht hatten. Wer in den Genuss kam, Paganizer zu sehen, bekam eine Mischung aus schwedischen Death Metal und Crust auf die Ohren. Sonst eigentlich sehr solide, an diesem Tag leider etwas enttäuschend. Klar sind die Songs OK, aber der Auftritt ist mir viel zu unambitioniert gewesen. Das können sie auf jeden Fall besser. So aber ging ich auch hier nach vier Songs lieber wieder zum Schnacken in die Sonne und genoss stattdessen das Bier. (Tr) Nun war auf PROSTITUTE DISFIGUREMENT zu hoffen, wieder etwas Stimmung zu machen. Und in der Tat, die Niederländer taten dies mit solidem und durchschlagskräftigem Gore-Death Grind. Wenn dies auch nicht zwingend meine klassisch-musikalische Baustelle ist, so darf ich dem Quintett doch einen ordentlichen Alarm-Faktor attestieren. (JD) TOTENMOND sind und bleiben eine Macht. Das Trio braucht kein neues Album, um weiterhin die Leute vor die Bühne zu ziehen.

P1100445Totenmond

totenmond

Nebelmaschine auf 10, spärliches Licht und brummende Akkorde. Als die ersten Riffs von „Honigtraum“ erklangen, sorgte dies für ordentliche Bewegung im Pit. Mit Songs wie „Heroin“ im Köcher kann eigentlich nichts schiefgehen und wenn dann die Schnapshure wie an diesem Abend noch drei Male ins Publikum geschickt wird, gibt’s nichts mehr zu meckern. Für alle, die es immer noch nicht gerafft haben steht auf dem aktuellen Merch „Antifaschistische Satanische Kunst“. Und auch der Rausschmeißer macht klar, wo die drei Schergen politisch stehen. Das Ton Steine Scherben-Cover „Macht kaputt was euch kaputt macht“ wurde ordentlich abgefeiert. Ich habe Totenmond dann lieber nicht kaputt gemacht, obwohl ich nach diesem Gig ziemlich zerstört war, wäre ja auch wirklich schade drum. (Tr) Bereits gegen Mittag hatte sich auf dem Festivalgelände das Gerücht verbreitet, dass unsere polnischen Nachbarn von VADER nun eher in Lack und Leder machen. Auch sollten sie eher sehr langweilig geworden sein. Nun, ich war hin und weg von VADER, die trotz viel Nieten und Leder, wie immer sehr professionell und auf den Punkt gebracht, überzeugten. Wieder kam die gleiche Stimmung auf, die einem am nächsten Tag nicht nur Kopf-, sondern auch Nackenschmerzen bringen sollte. Sicherlich ist es etwas ulkig, wenn man sich nicht sicher ist, ob Rob Halford oder Vader auf der Bühne steht. (Musikalisch lässt man allerdings nicht eine Sekunde lang Zweifel aufkommen und überrollt die Meute mit der unkaputtbaren Präzision eines Uhrwerks und der unaufhaltsamen Wucht eines Panzers... - JD) Hoffentlich macht dieser Trend nicht die Runde und wir sehen Corpse Grinder bald in Lack und Leder.

P1100459Vader

vader

Beruhigt war ich da natürlich, dass NAPALM DEATH offensichtlich nicht die falsche Garderobe erwischt hatten. Bei keinem anderen Act geht es vor den Bühne so los wie bei Napalm Death. Die Pioniere des Grindcore sind einfache eine Bank, auch weil Shane, der als frischer Vater eine Pause eingelegt hatte, wieder mit an Bord war. (RR) So ackerte sich die Band durch das Set und haute den Anwesenden mit Songs wie „Scum“, „Mass Appeal Madness“, bis hin zum abgefeierten Dead Kennys-Cover „Nazi Punks Fuck Off“ einfach um und boten eine Show, die sich gewaschen hatte. Wie üblich beendete „Siege Of Power“ das Set und ließ erschöpfte wie zufriedene Fans zurück. Hoffentlich bleibt uns diese Combo noch lange erhalten. (Tr) Ehe es im Anschluss wieder von Keks auf die Ohren gab präsentierten SUFFOCAZZO noch den Appetizer zu ihrem Zombie-Road Trip Film. Dieser Film soll bald verwirklicht werden, wofür die Jungs und Mädels noch auf Basis von Crowdfunding sammelten. Einige Tage später war das Ziel übrigens erreicht. Das 17. Protzen Open Air war durch aus gelungen und ich wünsche dem Veranstalter, dass sich der Trend weiterhin durchsetzt und das nächste Protzen Open Air wieder ausverkauft sein wird. Wenn uns wieder so ein Billing geboten wird, steht dem sicherlich nichts im Wege. (RR)

P1100478Napalm Death

napalm death

 

P1100568Bons

byebye protzen