Tuska Open Air 2014

  • Datum: 27.06.2014 – 29.06.2014
  • Ort: Helsinki, Finnland
  • Besucher: ca. 24.000
  • Tickets: 122€ (3 Tage Ticket); 98€ (2 Tage Ticket); 71€ (Tagesticket)

Kann man sich ein schöneres Ende für einen Finnlandurlaub vorstellen? Ich glaube kaum! Dieses Wochenende hat den Urlaub zu etwas ganz Besonderem werden lassen. Ich habe nicht nur alte Freunde wieder getroffen, unglaublich sonnige Stunden erlebt, im Regen gestanden und eine neue Band für mich entdeckt – nein, ich habe auch ein paar unvergessliche Erfahrungen gesammelt.
Aus persönlichen Gründen war es mir leider nicht möglich den ersten Festivaltag (Freitag, 27.06) mitzuerleben und ihr könnt euch nicht vorstellen wie sehr ich mich immer noch darüber ärgere! Das ist aber nun mal der Lauf der Dinge und ändern kann ich es leider nicht.

 

Samstag, 28.06.2014

Der Freitag hatte mir ordentlich aufs Gemüt geschlagen und so war meine Laune am Samstag immer noch nicht die Beste. Der Sonnenschein und die wohlig warmen Temperaturen sollten meine Laune jedoch schnell wieder aufheitern. Das Festivalgelände befindet sich sehr zentral in Helsinki und war somit sehr einfach zu finden. Und im Zweifelsfall hätte man auch einfach den Scharen von schwarzen Gestalten hinterher watscheln können.

Am Gelände angekommen waren die Leute schon ordentlich in Partystimmung und der Alkohol floss in Unmengen. Es war sehr interessant die friedlichen Festivalgänger zu beobachten. Bevor ich mich jedoch ins Getümmel gestürzt habe, wollte ich erst einmal meine Sachen irgendwo verstauen. Die erste Anlaufstelle war natürlich das Pressezelt. Hier sollte sich jedoch herausstellen, dass es sich um ein „Presse- & VIP Bereich“ handelt, in dem ordentlich gebechert wurde. Hier war also nichts mit Sachen abstellen und so musste ich in den sauren Apfel beißen und die Garderobe in Anspruch nehmen. Nach dem ersten hin und her Gerenne, und dem ersten kleinem Dämpfer, habe ich mich dann also frisch ans Werk gemacht.

Nachdem ich mir einen ersten Überblick verschafft hatte und nebenher zu den Klängen von METAL CHURCH lauschte wuchs meine Begeisterung. Von der Band habe ich leider nicht mehr allzu viel mitbekommen, da sie grade ihre letzen Songs gespielt hatten. Das zahlreiche Publikum feierte aber sehr ausgelassen. Die Lokation versprühte einen ganz besonderen Charme und auch das bombastisch gute Wetter trug einen, nicht unerheblichen Teil, zu der genialen Stimmung bei. In der Zwischenzeit hatte sich auch eine unglaublich lange Schlange für die ANTHRAX Autogrammstunde gebildet.

Mit TANKARD hatte man sich deutschen Thrash Metal für Liebhaber ins Boot geholt. Das Publikum wurde von den Deutschen sehr fleißig zum Abfeiern aufgefordert und natürlich wurde dieser Aufforderung nur allzu ausgiebig nachgegangen. Die Bühnenshow ist sehr aktiv ausgefallen, vor allem der Sänger blieb kaum lange an einem Platz. Man könnte fast schon sagen, dass er vor Energie nur so strotze und am liebsten Baume rausgerissen hätte.

Auf der Hauptbühne erwartete mich als nächstes ein Hardcore-Gewitter der britischen Band BRING ME THE HORIZON. Man kam einfach nicht umher zu bemerken, dass das Publikum hier vor allem aus sehr jungen, kreischenden Mädchen bestand. Sänger Oliver Sykes blieb kaum ruhig stehen, höchstens um tief Luft zu holen, um einen neuen Shout hervor zu pressen. Die restlichen Bandmitglieder schienen sich eher im Energiesparmodus zu befinden und beschränkten sich, zum Großteil, darauf ihre Haare im Takt ihren zahlreichen Breakdowns umher zu wirbeln. Angestachelt vom Sänger sprangen, moshten und sangen die Leute fleißig mit. Das beeindruckende hierbei war, dass kaum Worte dazu nötig waren – ein paar kleine Handbewegungen reichten schon aus. Durchweg eine sehr energiegeladene Show, die ich recht sehenswert fand, auch wenn die Musik überhaupt nicht meinen Geschmack traf.

SHINING traten die lange und beschwerliche Reise aus dem Nachbarland Schweden an und hatten einen ordentlichen Batzen Extreme Metal im Gepäck. Musikalisch gesehen war mir das Ganze zu viel, dennoch hat es Spaß gemacht die Jungs zu beobachten. Auch wenn der Sänger ein wenig den Anschein machte, als wäre er auf der Bühne verloren gegangen. Seine Bewegungen wirkten unkoordiniert und er erschien mir fast ein wenig hilflos. Das tat seinem kraftvollen Gesang jedoch keinen Abbruch. Gekonnt setzen sich hingegen die anderen Bandmitglieder in Pose.

Mit ANTHRAX wurde dann auch schon der Headliner des Tages auf die Massen losgelassen. Bereits beim Soundcheck konnte man die Aufregung des Publikums spüren und umso größer war die Begeisterung als die Band endlich auf die Bühne sprang. Vom ersten Song standen die Band und das Publikum absolut unter Strom und man konnte diese gewaltige Energie in der Luft spüren. Die Stimmung war einfach nur genial! Die Fanchöre übertrafen fast den Gesang, eine gewaltige Masse an Devil Horns reckte sich gen Himmel und die Moshpits wollten sich gar nicht mehr auflösen. Bei einem Blick ins Publikum blickte man durchwegs in zufriedene Gesichter und kaum jemand bleibt von dieser Show ungerührt und ruhig stehen. Absolut starker Auftritt. Sowas Krasses habe ich vorher noch nirgends gesehen.

 

Sonntag, 29.06.2014

Bei einem Blick aus dem Fenster war die Laune erst einmal komplett im Eimer. Über Nacht hatte sich das Wetter um 180° gewendet und nun musste man sich über einen Sonnenbrand definitiv keine Gedanken mehr machen. Meine Gedanken befassten sich eher damit, woher ich einen Regenmantel bekomme. Auf dem Hinweg also noch schnell in einem R-Kioski angehalten und einen Regenmantel gekauft – beste Anschaffung des Tages!
Meine Laune hatte sich diesem trüben, windigen, kalten und regnerischem Wetter angepasst. Allerdings sollte sich meine Laune schlagartig bessern als ich das Festivalgelände betrat.

Warum? Das lässt sich einfach beantworten – POWERWOLF!
Ich fand die Jungs ja schon seit längerem echt super und wollte sie auch unbedingt mal live sehen, die Möglichkeit hat sich aber irgendwie nie aufgetan, bis zu diesem Tag. Schon als die Jungs die Bühne betreten haben wusste ich, dass das episch werden wird. Von der ersten Sekunde an haben sie absolut Vollgas gegeben und das haben sie auch konstant durchgezogen. Das Wolfsrudel weiß definitiv wie man die Fans begeistert und vor allem das Posing hat mich fast dahin schmelzen lassen – es hat sogar teilweise den Eindruck erweckt, als würden die Jungs miteinander spielen. Es hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht ihnen zuzusehen. Und ich habe noch nie einen solch aktiven Keyboarder gesehen, der Wahnsinn. Davon könnte sich manch einer ruhig mal eine Scheibe abschneiden. Trotz des miserablen Wetters (windig und ziemlich viel Regen) haben das Publikum, und ich, die Show sehr genossen und ordentlich mit den Wölfen geheult. Und auch der Band hat man ihre gute Laune und Energie deutlich angesehen. Um es kurz zu machen: ein absolut genialer Auftritt, der Lust auf mehr von den Jungs gemacht hat! (Und ich bin fest davon überzeugt, dass sie sich auch auf der Hauptbühne sehr gut gemacht hätten.)

Als nächstes spielten dann INSOMNIUM. Mein erster Gedanke war „Jungs, ihr seid echt mutig.“ – wer sich bei so einem Wetter in einem Muskelshirt auf die Bühne stellt, Respekt. Die Fans strömten in Massen vor die Bühne und genossen die Show der Jungs. Ich muss allerdings gestehen, dass mir ein wenig die Aktion gefehlt hat. Das kann aber auch daran liegen, dass ich immer noch von POWERWOLF geflashed war. Die prächtigen Haartollen der Jungs wurden prunkvoll zur Schau gestellt und gekonnt wurden die Instrumente zum Glühen gebracht. Ich muss gestehen, dass mir etwas zu viele „ruhige“ Töne angeschlagen wurden. Trotzdem war es ein sehr solider Auftritt.

Schon mal israelischen Metal gehört? Nein? Ich nämlich auch nicht. ORPHANED LAND zeigten allerdings dass diese Kombination nicht unmöglich ist. Optisch gesehen würde man die Jungs nicht unbedingt dem Metal zuordnen, vor allem nicht den Sänger, der fast ein wenig Hippiemäßig rüber kam. Mit ihrer Musik brachten sie nicht nur die typischen Metalklänge auf die Bühne, nein, ihnen schwangen auch markante, orientalische Klänge nach. Die Band ging es eher gelassen an und so gab es kaum Aufforderungen zum Moshen oder Headbangen. Es war eine durchaus interessante Show, auch wenn sie mich nicht vollkommen umgehauen hat.

Durch das immer schlechter werdende Wetter wurde mein Beschluss, nicht mehr allzu lange zu bleiben und meine Rückreise vorzubereiten, bestärkt und somit waren SATYRICON die letze Band für mich. Die Lichtshow der Band war eine der Spitzenklasse – unglaublich schnelle Lichtwechsel, die der aggressiven Musik bestens angepasst waren. Obwohl es in Strömen gegossen hat, versammelten sich sehr viele Leute vor der Bühne. (Der Anblick all dieser Regenmäntel war schon äußerst amüsant.) Ich hatte den Eindruck, dass die Band ein wenig wasserscheu war und sich deswegen nicht allzu nahe ans Publikum gewagt hat. Einer der Gitarristen hat sich dann aber doch einmal getraut und das wurde mit einem unglaublichen Schauspiel belohnt. Nicht nur hat er mit einem fetten Gitarrensolo die Saiten zum Qualmen gebracht, sondern auch seine Haare sehr imposant durch den Regen geschmettert. Leider entsprach die Musik überhaupt nicht meinem Geschmack, aber allein diese epische Lichtshow hat es sehr sehenswert gemacht.

 

Von einem Sonnenbrand bis hin zu komplett durchnässten Klamotten war einfach alles im Sortiment vertreten. Mein tiefster Respekt geht hier vor allem an die wetterfesten Finnen!
Auf dem Festivalgelände gab es jede Menge Fressbuden, eine separate Bar, einen eigenen, kleinen Supermarkt, Merchandise und enorm viel gute Laune. Über ungenügende Versorgung konnte man sich hier in keinem Fall beklagen.

Leider habe ich nicht halb so viel vom Festival mitbekommen wie ich es mir gewünscht hätte. Das was ich jedoch gesehen habe, hat mir mehr als gut gefallen. Ein Erfolg auf ganzer Linie und musikalisch war auch etwas für jeden Geschmack dabei. Allerdings muss ich dann doch noch etwas kritisieren: ich finde es nicht allzu sinnvoll die VIP’s und die Presse in ein Zelt zu stecken. Eine Trennung hätte mir besser gefallen.

Nächstes Jahr wäre ich sehr gerne wieder dabei, wenn die Finnen zum Tuska Open Air Metal Festival rufen.