Tuska Open Air 2015

  • Datum: 26.06.15 – 28.06.15
  • Ort: Helsinki, Finnland
  • Besucher: ca. 25.000
  • Tickets: 125€ (3 Tage); 100€ (2 Tage); 70€ (1 Tage)
Tuska Open Air 2015

Freitag, 26.06.15
Bereits der erste Festivaltag war gefüllt von großartigen Bands. Diese Tatsache, zusammen mit dem vielversprechenden Wetter, ließen mich, voller Verzückung, zum Festivalgelände schweben. Bereits vor Öffnung der Tore war der Andrang groß, denn EMP Finnland lockte mit süßen Preisen für die ersten Personen auf dem Gelände.

Nach kurzer Begrüßung vom Veranstalter, wurde das wilde Treiben dann auch Eröffnet. Die erste Band des Tages waren DEATH TOLL 80K, die die Club Stage in Schutt und Asche legten. Wilde Melodien und unverständliches Gekreische krachten aus den Boxen. Passend hierzu wurde auch direkt der erste Moshpit des Wochenendes eröffnet. Da meine Begeisterung sich stark in Grenzen hielt, begab ich mich stattdessen auf eine kleine Erkundungstour. Wie bereits im letzen Jahr wurde dem gewillten Festivalgänger eine breite Palette an Fressbuden geboten. Auch der festivaleigene Supermarkt war wieder vorhanden. Auswahl an Essen, und auch Getränken, stand zur Genüge zur Wahl. Allerdings haben sich die Preise, wie man es in Finnland nicht anders kennt, ordentlich gewaschen.

Als nächstes sollten dann die Briten von KROKODIL einheizen, was sie auch taten. Mit ihrem lupenreinen Hardcore wussten sie zu überzeugen. Bereits zu dieser Zeit hatte sich eine beachtliche Menge vor der Hauptbühne versammelt. Durch den Sänger aufgefordert, wurde wild herumgesprungen und gemosht. Schon jetzt versprach die Soundanlage ein sehr ohrenfreundliches Festival, denn der Sound war von Beginn an spitzenmäßig. Die Jungs zockten also ihre Setlist runter, und sprangen nebenher auf der Bühne herum. Solide Show, die mich aber nicht wirklich mitreißen wollte.

Über die nächste Band musste ich mich dann aber doch wundern. THE BLUES PILLS? Auf einem Metalfestival? Da ich keinerlei Erwartungen an diese Band hatte, wurde ich dennoch positiv überrascht. Zwar war die Musik sehr bluesgeprägt - wie der Name der Band schon verraten könnte - und die Musiker wagten es kaum, ihre Blicke von den Instrumenten zu heben, aber die Sängerin machte dies ein wenig wett. Voller Energie und guter Laune schüttelte sie ihr Tamburin umher, hüpfte über die Bühne und überraschte mit ihrer kräftigen Stimme. Der Auftritt war ziemlich gut, wenn man einmal davon absieht, dass diese Band eigentlich nicht auf dieses Festival passt.

Nach dieser Verschnaufpause ging es mit LAMB OF GOD weiter. Schon vor Beginn kochte die Stimmung fast über. Erwartungsvoll wurde der Auftritt der Amerikaner herbeigesehnt. Schon beim Betreten der Bühne stellten die Jungs klar, dass sie diese Bühne heute auseinandernehmen wollten. Kerniger Sound, harte Shouts und noch derbere Riffs wummerten aus den Boxen, und trugen ihren Teil zur grandiosen Stimmung bei. Für Liebhaber von Moshpits und Wall Of Death’s wäre dieser Auftritt eine wahre Offenbarung gewesen. Kaum jemand bleibt ruhig stehen, denn die Rückkehr der Band wollte angemessen zelebriert werden.

Dann war es auch schon Zeit für das erste Highlight des Tages – EXODUS. Ich muss gestehen, ich konnte sehr lange nichts mit dieser Band anfangen. Seit einem vorangegangenen Konzertbesuch, hat sich meine Meinung allerdings stark geändert. Ein gewaltiges Thrash Metal Feuerwerk, bestehend aus einer angenehmen Mischung von Klassikern und neuen Tracks, wurde für das Publikum abgefeuert. Dabei blieb kaum jemand ruhig stehen und der Zuschauerraum verwandelte sich bald in einen wahren Hexenkessel. Der extrem fette Sound unterstrich die Größe dieses Auftritts noch. Aber auch lobend sei der Einsatz von Nebel und Licht erwähnt – Da wurde nicht nur dem Ohr eine Freude geboten.

Zeit für den Headliner dieses Tages. Diese Ehre wurde den Schweden von SABATON zuteil. Bei dieser Show sollte der neue Panzer, der den wundervollen Namen „Walther“ trägt, seine Bühnenpremiere feiern. Der Andrang vor der Bühne war gewaltig, und die Luft knisterte vor Spannung. Wie man es nicht anders kennt, bot die Band eine energiegeladene Show sondergleichen. Vor allem Basser Pär und Sänger Joákim, flogen regelrecht über die Bühne. Da sich im Repertoire der Band wohl ein Song zur Geschichte jeden Landes befindet, gestaltete sich die Setlist dementsprechend. Aus diesem Grund fand „Talvisota“ großen Anklang bei den Finnen. Auch forderten sie „Gott Mit Uns“ in Schwedisch zu hören. Diesem Wunsch kam die Band mit großer Freude nach.  Neben guter Musik boten die Fünf auch ein breites Sortiment an Feuerwerk und Flammenwerfern. So wurde dem Publikum gleich doppelt eingeheizt. Trotz anfänglicher Probleme mit dem Mikrofon wandelte der Auftritt sich zu einem würdigen Tagesabschluss.
Was mir allerdings besonders gut gefallen hat – Keine nervigen „Noch ein Bier“ Rufe, oder sonstige Aufforderungen zum Trinken. Lediglich laute „SABATON“-Chöre erklangen auf dem Festivalgelände. So lobe ich mir das!

Samstag, 27.06.15
Dieser Tag startet, für mich, mit EINHERJER. Trotz fehlendem Bassisten hatte die Band ordentlich Druck. Für meinen Geschmack sogar etwas zu viel, denn aus den Boxen kam ein einziger Brei. So direkt vor der Bühne fand ich das sehr anstrengend, wobei es aus einiger Entfernung dann ganz anständig klang. Die dreckige Reibeisenstimme des Sängers sticht jedoch zu allen Zeiten sehr hervor. Auch stellt er deutlich zu Schau, dass man nicht unbedingt lange Haare braucht, um entsprechend abzugehen.

Den, aus dem Land der aufgehenden Sonne stammenden, Herren von LOUDNESS wurde als nächstes die Bühne überlassen. Unschwer zu Überhören war, dass die Band sich auf Hardrock aus den 80ern spezialisiert hatte. Einen gewissen Touch AC/DC und ACCEPT ließ sich nicht von leugnen. Vor allem der Gitarrist durfte, mit zahlreichen, Technisch höchst anspruchsvollen Solos, sein Können unter Beweis stellen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie denselben Song einfach immer wieder gespielt haben.

Mein persönlicher Höhepunkt des Tages waren AMORPHIS. Schon seit Jahren wollte ich die Finnen live sehen, und nun war es endlich soweit. Da es sich hierbei um eine spezielle Show gehandelt hat, welche das Kultalbum „Tales From The Thousand Lakes“ feiert sollte, wurde das Album in seiner Gänze dargeboten. Neben diesen Tracks durften aber auch weitere Klassiker nicht fehlen. Zusätzlich wurde auch eine faszinierende Feuershow abgefeuert. Der Sound war extrem fett, und vor allem Sänger Tomi stellte eine unglaubliche Bühnenpräsenz dar. Wie eine solch derbe Stimme aus diesem Mann kommen kann, ist mir bis heute ein Rätsel – Dafür umso faszinierender. Das Gesamtpaket hat einfach gepasst und hat mir eins versichert: Dies war definitiv nicht meine letze AMORPHIS Show!

Danach ging es dann mit einer waschechten Weltpremiere weiter. Der ehemalige Sänger von IMMORTAL hat sich, unter dem Namen ABBATH, eine neue Band zusammengesucht. Wie nicht anders zu erwarten, würde auch diese Band klassischem Black Metal auffahren. Musikalisch konnte ich mit dieser Performance überhaupt nichts anfangen. Der Sound war zwar gut, aber mehr vermag ich hier nicht zu sagen. Die ekstatischen Reaktionen der Fans sprachen jedoch Bände. Gegen die Bühnenshow konnte ich allerdings nichts sagen, da diese mir sehr gut gefallen hat.

Abschließend wurde dann IN FLAMES auf die Meute losgelassen. Schon das Bühnensetting versprach, dass dies ein fetter Auftritt werden würde. Meine Erwartungen wurden dann aber, bei Weitem sogar, übertroffen. Die Band hat ihre unglaubliche Energie auf das Publikum übertragen, und dieses steigerte sich in ein enormes Hoch. Die Moshpits fanden kaum ein Ende, und auch ein riesiger Circlepit feuerte die Stimmung an. Nach Aufforderung des Sängers wurde dann auch das  Crowdsurfing-Verbot gebrochen. Zahlreiche mutige Besucher ließen sich zu dieser Erfahrung hinreißen, was den Sänger glücklich stimmte. Eben dieser ließ es sich nicht nehmen, ins Publikum zu klettern und für diverse Selfies zu posieren. Der glasklare Sound und die sehr eingängigen Songs taten ihr Übriges. Kaum jemand blieb unberührt stehen, und auch ich selbst war kurz davor meine Sachen auf den Boden zu schmeißen und in einen der Moshpits zu stürmen. Der Auftritt hat mal so richtig Laune gemacht!

Sonntag, 28.06.15
Immer noch AMORPHISiert vom Vortag kochten IN mir die FLAMES. (Achtung, Wortsitz!) Gut gelaunt startete ich also in den letzen Festivaltag.
Bei OPETH musste ich mir doch wirklich wundern, was die Herrschaften dort gesucht hatten. Irgendwie fand ich die Band total fehl am Platz, und somit kam auch kaum Begeisterung bei mir auf. Leider konnte ich auch, zum Großteil zumindest, nur ein lautes Wummern aus den Boxen vernehmen, welches auch den Sänger unter sich begrub. Vielleicht sollte das ja auch so sein, und ich habe die Band einfach nur nicht verstanden. Dem Publikum schien es jedenfalls gefallen zu haben, da sie die Band mit ausgiebigen Beifällen belohnten.

Im Anschluss durften die Jungs von STRATOVARIUS scheinen. Mit einem derben Tempo legen die Herrschaften dann auch direkt los, da sie alles aus ihrer Spielzeit holen wollten. Der Sound wurde sehr schön gemischt, auch wenn Keyboarder und Sänger etwas lauter hätten sein dürfen. Es wird fleißig über die Bühne gewirbelt und mit den Fans interagiert, welche lauthals mitsingen. Von allen Bands, des gesamten Wochenendes, hat mir ihre Lichtshow am beste gefallen. Alles in allem fand ich den Auftritt sehr sehr gut. Darf man sich ruhig öfter ansehen – Vor allem wenn man es etwas schneller mag.

Zum krönenden Abschluss sollte dann noch ALICE COOPER über die Bühne herrschen. Es ist wirklich unglaublich, über welch imposante, fast sogar einschüchternde, Bühnenpräsenz dieser Mann verfügt. Mit seinen Blicken muss er sich keinen Applaus erbitten, man lässt ihm diesen auch ohne Aufforderung zukommen. Insgesamt wusste die gesamte Band wie sie sich in Pose werfen musste. Kaum ohne Bewegung erschien mir als zufällig. Bei diesem straffen Ablauf wäre dies aber auch kaum möglich gewesen. Die meisten Songs wurden von einer Showeinlage begleitet, die einen exakten Ablauf gefordert hatte. So wurde Alice zum Tode durch die Guillotine verurteilt, nach dessen Vollstreckung er allerdings wieder auferstanden ist. Auch Frankensteins Monster wurde in die Show mit einbezogen, der durch ein grausames Experiment zum Leben erweckt wurde. Bei diesem Auftritt wurde dem Zuschauer wirklich eine Menge geboten, und das war definitiv sein Geld wert. Leider muss ich aber auch gestehen, dass die musikalische Darbietung mich nicht allzu umgehauen hatte. Die Songs waren zwar alle sehr gut dargeboten, aber leider kam kaum richtig Stimmung auf. Im Allgemeinen war es eher ein „Wow, die Show ist ja der absolute Knaller“-Gefühl.

Insgesamt war das Tuska Festival der Hammer! Solch ein starkes Line Up bietet in diesem Jahr kaum ein anderes Festival. Die Bands waren durchwegs gut, auch wenn ich mit einigen nichts anfangen konnte, die Stimmung glich einem Hexenkessel und das Wetter war perfekt. Im nächsten Jahr bitte mehr davon!