Sodom

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  • Erstellt am: Mittwoch, 15 März 2006

Die Idee zum Albumtitel kam eigentlich, als wir das Cover gesehen haben, erzählt Tom. Unten war noch kein Titel drin und oben der Sodomschrifzug und da dachten wir uns, da muss eigentlich gar kein Titel drauf, lasst uns doch die Platte einfach Sodom nennen. Und ausserdem sind wir im jetzigen LineUp 10Jahre zusammen, also eine gute Möglichkeit zu dokumentieren, dass wir die Band Sodom sind. Wir sind 10Jahre zusammen und auf die nächsten 10! Musikalisch ists auch für mich ein klassisches Sodom Album. 10 Jahre im festen LineUp, dass hats nicht immer gegeben bei der Band. Die drei Junds scheinen gut zu harmonieren und macht sich in der ungebrochenen Spielfreude und Fannähe zum Ausdruck. Das ist die stärkste Besetzung, die wir bislang hatten. Bis auf Witchhunter hat keiner so lange für Sodom gespielt. Wir sind so ungefähr eine Altersklasse, sind schon ein bischen abgeklärter und haben z.B. viele Sachen zusammen entschieden. Obwohl du bestimmt wert drauf legst, der Kopf der Band zu sein, oder? Ja na klar, ich bin zwar kein Diktator, aber letztenendes entscheide natürlich ich. Ich meine, ich habe die meiste Erfahrung und bin Mitbegründer der Band. Das wird auch von den beiden voll akzeptiert und deswegen gibts auch keinen Streit oder so. Das war bei anderen Musikern nicht so. Und so viel habe ich ja auch nicht verkehrt gemacht, sonst wären wir schon lange nicht mehr in der Szene. Hast du denn noch Kontakt zu den „alten“ Mitgliedern wie Blackfire oder Witchhunter? Ja. Könnt ihr übrigens auch sehen auf der DVD, die wir jetzt rausgebracht haben („Lord Of Depravity“ Part1). Ich habe auch vor zwei Jahren z.B. ein „Klassentreffen“ in der Zeche Carl arrangiert. Und fast alle Ex-Mitglieder waren da. Ein paar waren nicht mehr aufzufinden und einer ist auch schon tot. Aber für die DVD Produktion haben nochmal alle rangeholt. Finde ich auch wichtig, die anderen mal zu Wort kommen zu lassen, also sowas als historisches Dokument aufzuarbeiten. Die Band gibt es seit 1982 und jeder sollte seinen Standpunkt dazu erklären. Witchhunter natürlich auch. Es gab vor ein paar Jahren im RockHard eine Rubrik „Was macht eigentlich...?“ Da war dann auch mal der Witchhunter dabei. Die Geschichte damals hat sich so angehört, als ob er noch ordentlich schmutzige Wäsche waschen will. Das stimmt. Wir haben ihn 1992 aus der Band geworfen. Und er ist heute immer noch angepisst davon. Er hat schon nen Knaks abgekriegt, also kann ich das auch irgendwo verstehen. Wir sind auch nicht mehr die besten Freunde. Ich habe ihn für die DVD nochmal vor die Kamera bekommen, das wollte er ursprünglich garnicht machen wollte, aus Gründen, die aus seiner Sicht verständlich sind. Er hat gesagt, jetzt komme ich nach 10 Jahren angeschissen und er soll mir bei der DVD helfen. Er hats dann trotzdem gemacht, weil ich ihm erklärt habe, dass er mir nicht helfen soll, sondern dass er einfach ein wichtiger Teil der Bandgeschichte ist. Wenn man sich Platten wie Agent Orange oder Better Off Dead anhört hat er doch schon Maßstäbe im Drumming gesetzt oder? Sagen wir es so, er hatte seinen Stil. Aber er hat sein Spiel nicht wirklich weiterentwickelt. Aber das war garnicht das Ding. Wichthunter war schwierig. Es war im Studio schwer mit ihm, hat öfter mal die Nerven verloren, Konzerte gecancelt. Dazu kamen dann persönliche Probleme, Alkoholismus, ich kam mit ihm einfach nicht weiter. Das ist seit seinem Rauswurf auch nicht besser geworden. Trotzdem muss man ihm hoch anrechnen, dass er und sein Drumming damals Kult waren. Die Leute fanden das einfach gut, was er gemacht hat. Ich vergleiche das immer so mit Animal Taylor von Motörhead. Der war auch nicht der beste, aber kultig. Also wie gesagt, wir sind nicht mehr die besten Freunde, aber wir haben Kontakt. Nächstes Jahr haben wir ja auch 25jähriges Jubiläum und ich habe vor ne Party in der Zeche Carl zu machen und mal alle auf die Bühne zu holen. Blackfire z.B. wohnt in Brasilien und kommt so einmal im Jahr, also man kann da bestimmt war arrangieren. Aber jetzt sehen wir erstmal zu, die Platte zu promoten. Im Sommer kommen die Festivals, im Herbst ne Tour. Sodom sind ja auch bekannt für sehr authentische Sachen wie das Touren ist Osteuropa oder wie z.B. 2004 Konzerte in Bangkok und Saigon. Das war gigantisch. Die Leute haben uns zu Füssen gelegen, da war richtig was los. Das kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Die sehen ja auch solche Bands sonst garnicht, die Scorpions waren mal da oder die Stones. Aber ne Metal Band garnicht. Die Szene spielt sich auch völlig im Untergrund ab. Ich glaube in Vietnam ist es Jungs auch verboten, lange Haare zu tragen, Kutten z.B. sind verpöhnt und so. Thailand schon eher. Zu den Konzerten sind dei Fans auch teilweise richtig weit gereist. Die kamen aus Laos, Kambodscha oder Malaysia. Nervt es dich eigentlich, wenn du bzw. Sodom immer mit den „früheren Zeiten“, bzw. neue Platten ständig mit Klassikern wie Agent Orange oder Better Off Dead verglichen werden? Vergleiche hinken immer hinterher, bleiben aber nie aus. Ein Sodom Fan, der die ganze Musik und die Geschichte der Band kennt, vergleicht automatisch. Wobei ich Agent Orange nicht mal als die beste Sodom-Scheibe sehen würde, hat sich nur am Besten verkauft. Und eine Better Off Dead mit Obsessed By Cruelty zu vergleichen geht eigentlich garnicht. Wir versuchen, Songs von allen Alben in unseren Konzerten unterzubringen, aber immer nur zurückschauen geht und funktioniert nicht. Immer versuchen irgendwie was Neues zu machen, aber alles in allem immer Sodom bleiben, das klappt. Wie kann man sich Songswriting bei euch vorstellen? Bist du derjenige, der mehr oder weniger sagt wo es lang geht oder trefft ihr euch alle drei im übungsraum und „baut“ neue Sachen? Das machen wir drei zusammen. Natürlich habe ich schonmal nen Text da oder der Gitarrist n Riff, aber den Song an sich machen wir zusammen. Bei der neuen Platte haben wir versucht, alles mehr auf den Text aufzubauen und nicht umgekehrt, dass ich mich auch ein bischen austoben kann. N Gitarrenriff auf der kein Text passt, bringt nichts. Klar, letztendlich wenn mir das alles nicht gefällt, sage ich dann schon, machen wir nicht. Aber Songwriting läuft bei uns sehr entspannt und ohne Streitereien. Es gibt ja viele, die machen dann fast alles allein zu Hause, mit Cubase oder so und gehen dann nur noch ins Studio. Finde ich nicht gut. Mein Verständnis ist, dass sich die Band im Proberaum trifft und da alles macht, dann wird es ehrlicher und authentischer. Kann auch mal anstrengend sein, aber im Schweiß- und Bierdunst müssen unsere Songs enstehen. Bei uns ist das so altmodisch wie vor 20 Jahren. Ne Band wie z.B. Motörhead machen das wahrscheinlich mit Tapes oder MP3s, weil die ziemlich weit auseinander wohnen. Aber sowas hörst du dann auch. Dass ich ein Fan von den letzten Motörhead Platten bin kann ich nicht sagen. Seit Orgasmatron haben die kontinuierlich abgebaut. Ich glaube, dass die von Zeiten zu Wurzel oder Fast Eddie an der Gitarre wirklich noch im Proberaum gestanden haben. Eure kürzlich erschienene DVD ist eine Part1. Dann gibts nächstes Jahr den Nachfolger? Genau. Mit Live-Konzert, Bandgeschichte so ab 1995 wo ich meine Jungs dann kennengelernt habe, mit ein bischen hinter die Kulissen schauen, mit Tourleben und so. Ich will den Fans auch mal zeigen, dass Tourleben auch mal übel sein kann, wenn du krank wirst z.B. oder wie mal in Peru passiert, wo die Kohle nicht bezahlt wurde. Da hats dann Theater geben mit Polizei und so, einer mit nem Revolver rumgeschossen hat und wir uns im Buss verstecken mussten. Sowas will ich halt mal dokumentieren. Ideen haben wir genug. Du bist ja auch in den alten RockHard Videos zu sehen.... ....haben wir teilweise auf der ersten DVD mit drauf. Die haben mich auch gefragt ob ich bei ihrem neuen Guerilla TV mitmache. Aber das finde ich nicht mehr ganz so gut, ein bischen konzeptlos und albern. Ich will mich da auch nicht zum Affen machen. Bei nem guten Konzept bin ich gerne wieder bereit, aber momentan habe ich auch andere Sachen im Kopf. Platte promoten, Tour und so..... ....wobei wir viel Erfolg und Spass wünschen. Zur „Lords Of Depravity“ – DVD lass noch angemerkt sein, dass sie sich wirklich lohnt. Eigentlich sinds zwei DVDs: die erste ein 3stündiger Zusammenschnitt von On und Off Stage Material zwischen 1983 und 1995, die zweite ein Live Zusammenschnitt der letzten Tour und die Videos zu Ausgebombt, Silence Is Consent und Die Stumme Ursel. Nicht nur für Sodom Fans klasse!