Accept – The Rise of Chaos

CD Reviews, Accept – The Rise of Chaos

Das Chaos ist dieser Tage überall: Wetterkapriolen, verrückte Staatschefs, Dieselgate… Einen zeitgemäßeren Titel hätten sich die Nordrhein-Westfalen sicherlich nicht aussuchen können. Passend dazu gibt es ein apokalyptisches Coverartwork.

Album Nr. 4 mit Dirkschneider-Ersatz Mark Tornillo (ex-T.T.Quick) und das erste Studiowerk mit ex-Grave Digger Klampfer Uwe Lulis setzt musikalisch wohl die Linie der Vorgänger fort. Trotz der zahllosen Lobpreisungen (nicht zuletzt durch die Redaktionskollegen) für die Alben „Blood of Nations“, „Stalingrad“ und „Blind Rage“ bin ich mit den Scheiben nie richtig warm geworden. Auch die Videoauskopplung des Titeltracks „The Rise of Chaos“ konnte mich nicht überzeugen, da mir der Song zu wenig nach ACCEPT klingt. Ähnlich ging es mir beim ersten Hören der ersten Songs des Albums. Sicher, „Hole in the Head“ lässt schon mal aufhorchen und „Koolaid“ kann man eine gewisse Eingängigkeit auch nicht absprechen. In „No Regrets“ verbinden sich dann Härte und Melodie in recht angenehmer Weise. Doch wirklich aufhorchen ließ mich dann erst das stampfende „Analog Man“, welches musikalisch in bester ACCEPT Tradition den technischen Wandel besingt. Hier haben wir es tatsächlich mit einem potentiellen Evergreen zu tun, der auch gut in die 80er Jahre oder auf das oft unterschätze „Objection Overruled“ Album gepasst hätte. „What’s Done is Done“ beginnt mit traditionellen Gitarrenriffs und der Song steigert sich zu einem wahren Ohrwurm-Refrain. Absolut zeitlos. Auch „Worlds Colliding“ hat einen guten Unterhaltungswert, erinnert im Refrain jedoch etwas an SINNER. Mit „Carry the Weight“ und „Race to Extinction“ findet das Album dann ein Ende mit schnellen, harten Songs – so wie es auch angefangen hat.

Insgesamt finde ich die zweite Hälfte und insbesondere den Mittelteil mit „Analoge Man“ und „What’s Done is Done“ stärker als den Anfang und das Ende der Scheibe. Dennoch ist „The Rise of Chaos“ für meinen Geschmack das bislang stärkste Album der Tornillo-Era. Der Ami kämpft sich auch hörbar ab, doch gerade auf dem jüngst erschienenen „Restless and Live“ –Album zeigt sich im direkten Vergleich, dass Unken-Udo stimmlich immer noch einen Schritt voraus ist.

ACCEPT liefern anno 2017 das ab was die Fans von ihnen erwarten. Von Hoffmanns dereinstigen Ausführungen über den Tod des Heavy Metal ist nichts zu hören, im Gegenteil. Die Solinger schmieden wieder mal ein reines Stahlalbum und ich warte nun auf die Ankunft meiner LP-Version in Splatteroptik.