Scheissediebullen – Anwohner Raus

CD Reviews, Scheissediebullen – Anwohner Raus

Wir leben in verrückten Zeiten. Talentfreie Menschen profilieren sich in Fernsehsendungen, C-Promis essen frittierte Genitalien, religiöse und politische Fanatiker schrecken vor nichts mehr zurück. Da wünscht man sich doch fast den Kalten Krieg mit seinen klaren Feindbildern zurück. Und da mir die sozialen Medien kürzlich erst bestätigten, dass ich vom Typ her „Straßenpunk“ bin, sollte es auch nicht verwundern, dass ich jetzt SCHEISSEDIEBULLEN laut aufdrehe.

Musikalisch könnte man die Freiburger Jungs auch in einem 80er Jahre Film laufen lassen, denn der Stil der Punker unterscheidet sich nicht sonderlich von Kapellen wie BUMS, DRITTE WAHL, ELF, DÖDELHAIE, THE PIG MUST DIE, bORDERpAKI & Co. Es geht politisch zu und die Message der Band ist in eingängige Punkrocksongs verpackt. Dabei ist die Produktion druckvoll genug ausgefallen, um auch dem mäkeligen Metal Fan zu gefallen.

Der Opener und Titeltrack begeistert mich nicht nur musikalisch, sondern ist auch inhaltlich irgendwie eine witzige Idee. Mit „Gebrochene Hände“ und „Videoabend“ (erinnert an DRITTE WAHL) geht es unterhaltsam weiter. "Relativistischer Dreck" kommt als echter Ohrwurm daher und mit „Frauke Petry, Hurensohn“ gibt es dann natürlich auch einen Beitrag zur gegenwärtigen politischen Diskussion um Zuwanderung und AFD. Das Misstrauen in die Ordnungshüter, welches in „110“ zum Ausdruck kommt, ist mittlerweile – interessanter weise – ein Thema, bei dem sich Rechts und Links irgendwie verständigen könnten. Nach meinen letzten Erfahrungen mit den Freunden und Helfern speichere ich den Song gleich mal in meiner Favoritenliste.

SCHEISSEDIEBULLEN liefern auf „Anwohner Raus!“ genau das, was man von einer Punkband erwartet und vor auf sich die Fans nach dem Debüt von 2013 gefreut haben: Heftige Mitgrölsongs und musikalische Opposition treffen auf politische Inhalte, die dazu auffordern die Ärmel hochzukrempeln und nicht einfach alles zu schlucken was einem täglich vorgesetzt wird.

Neben der CD-Version gibt es auch eine limitierte Vinyl-Ausgabe des Zweitwerks der Freiburger Punkrocker – wer diese ergattern möchte, sollte sich jedoch beeilen, da sie bereits vielerorts vergriffen zu sein scheint!

Fazit: Wenn einen der Heißhunger auf Punkrock überkommt, dann bietet sich „Anwohner Raus!“ als kleine Leckerei hervorragend an. Für mich die beste Scheibe in diesem Genre seit „Kaktus“ von HASS.