DARK MILLENNIUM über "Acid River" und die heiligen Kühe des Genusses...

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DARK MILLENNIUM über
Mit "Acid River" hat die deutsche Ausnahme-Formation gleich zu Beginn des Jahres 2022 ein Album veröffentlicht, das nach wie vor ein heißer Kandidat auf das Album des Jahres ist.
Die Geschichte der Band ist lang und bewegt: Aufstieg im Underground der Neunziger, wobei der Durchbruch unerreicht blieb, weil man sich bereits nach dem zwei Alben wieder auflöste. Doch eben diese beiden Alben "Ashore The Celestial Burden" und "Diana Read Peace" hinterließen nachhaltige Spuren in der Szene. Anlässlich der Abstimmungen für die Re-Releases der Demos und Alben durch Century Media 2015 fand man wieder zusammen. Und heuer existiert die Band länger als jemals zuvor, man hat seither drei Alben veröffentlicht und "Acid River" scheint nicht das letzte Kapitel gewesen zu sein...


Hallo und willkommen im Twilight Magazin!

Auch wenn DARK MILLENNIUM aufgrund der langen Geschichte grundsätzlich schon zu den alten Säcken gehören, dürftet Ihr trotz der letzten Alben gerade für die junge Generation der Szene noch eine neue, weitgehend unbeschriebene Band sein. Vielleicht mögt Ihr noch einmal kurz auf Euren Werdegang eingehen. Wie begann das damals in den Neunzigern und warum war schon nach zwei (sehr guten!) Alben Schluss? Was habt Ihr danach in der Zwischenzeit so getrieben? Wart Ihr beispielsweise anderweitig musikalisch aktiv? Hattet Ihr die ganze Zeit Kontakt zueinander? Wie seid Ihr dann wieder zusammengekommen? Wie fühlte sich das an, nach so langer Zeit wieder im Proberaum zu stehen?


Hilton: Es ist erstaunlich, was wir mit dem Comeback ausgelöst haben, sowohl bei der „alten“, als auch einigen der jüngeren Generation, und wir sind dankbar und glücklich mit den Resonanzen. Wir haben uns kurzgesagt damals zu schnell entwickelt und hatten bereits einen Punkt erreicht, an dem wir uns in unterschiedliche Richtungen weiterentwickeln wollten, was wir vereinzelt in unterschiedlichen Konstellationen aus Teilen der Band oder auch allein umgesetzt haben. So habe ich den professionellen Weg bis zum heutigen Musikproduzenten im Wide Noise Studio eingeschlagen, in dem wir auch unsere Alben schreiben und ausarbeiten. Jeder von uns hatte einige Bands, die zum Teil auch noch heute nebenbei existieren. Es gab immer mal wieder das Gefühl des „Was wäre wenn…?“ bei jedem von uns und als Christian und ich nach einer Anfrage von Century Media hinsichtlich der Reissues der alten Alben und Demos, uns zu einem Bier getroffen haben, fiel die Entscheidung, das Ganze da nicht enden zu lassen. Ich habe dann die alte Truppe reaktiviert und wir haben eine der aufwendigsten Produktionen, die ich je geleitet habe, ins Leben gerufen, inkl. Drum Trainingslager in Berlin für Christoph, Proben in einem alten Kino, Vorproduktion in einem Studio, Drum-Recording in einem anderen Studio in Luxemburg, dann weiter zur nächsten Station und zum Schluss noch analoges Mastering etc. Für uns und auch für unsere Anhänger hat sich die Reise und auch die ganzen Mühe gelohnt und deshalb machen wir seitdem fleißig und mit bester Stimmung kreativ weiter, was sich gelinde gesagt fantastisch anfühlt.


War mit Eurem Comeback „Midnight In The Void“ eigentlich schon absehbar, dass die Band auf unabsehbare Zeit aktiv sein wird? DARK MILLENNIUM sind aktuell länger aktiv, als jemals zuvor? Immerhin ist „Acid River“ bereits Euer drittes Album „am Stück“…

Christian: Ich denke als wir uns entschieden haben, unsere Geschichte weiterzuerzählen, haben wir schon gespürt, dass wir wieder längerfristig zusammenarbeiten werden. Wir hatten und haben richtig Lust auf diese Band und sind noch lange nicht am Ende angekommen. Die Harmonie in der Band ist hervorragend, die persönliche und musikalische Ebene funktioniert in einer ganz besonderen Art und Weise. Wir haben im Übrigen noch so unendlich viele Ideen, dass da noch eine ganze Menge passieren wird.


Dark Millennium Acid River Cover ll


Als Century Media seinerzeit Euren Back-Katalog neu aufgelegt haben, war es da keine Option, „Midnight In The Void“ über das Dortmunder Label zu veröffentlichen? Gab es da kein Angebot? Wie seid Ihr dann schlussendlich wieder bei Eurem „Stammlabel“ Massacre Records gelandet? Gab es darüber hinaus noch andere Optionen? Was erwartet Ihr heutzutage von einem Label, im Vergleich zu den Neunzigern?

Hilton: Es gab mehrere Optionen und auch wenn Century Media zunächst nahelag, sind wir doch froh, das erste Comeback Werk allein über unser Label mit Believe / Soulfood Vertrieb gestemmt zu haben, was auch der Bandkasse gut tat, denn der Spaß kostet einiges.
Danach zeigten sich noch ein paar Optionen mehr, aber nach einem langen Telefonat mit Thomas, mit dem wir schon früher bei Massacre Records gearbeitet haben, war absolut klar, dass wir „nach Hause“ kommen, wir volle Unterstützung und unsere künstlerische Freiheit voll genießen können, und das ist alles was wir wollen und brauchen.



Ihr habt im vergangenen Jahr Euren Demo-Song „The Apocryphal Wisdom“ u. a. mit Eurem Ex-Mitglied Yannic Mertens sowie Christian M. Müller (Night In Gales), Alex Krull (Atrocity) und Marc Grewe (Insidious Disease, Ex-Morgoth) neu eingespielt und ein Video dazu veröffentlicht. Das Video kann sich sehen lassen und die Neuaufnahme ist definitiv gelungen. Wieso also kam das Stück nicht zu physischen Ehren. Das wäre doch prädestiniert für eine Siebenzoller oder eine EP. Habt Ihr eventuell vor, weitere Songs der Demos neu aufzunehmen?

Christian: Zunächst muß ich korrigieren, daß Yannic kein Ex-Mitglied ist, sondern mein Sohn, dessen Intermezzo mich natürlich sehr stolz gemacht hat. Vielleicht meintest Du mit Ex-Mitglied den Torsten, den Sänger vom zweiten Demo und einen engen Freund der Band. Bezüglich der Frage nach physischer Veröffentlichung kann ich sagen, dass wir mit dem Song bzw. Video einfach das Jubiläum unseres ersten Demos feiern wollten, und um die Wartezeit auf das nächste Album etwas zu überbrücken. Eine EP wird es aber nicht geben und ich glaube auch nicht, dass wir weitere ältere Songs neu aufnehmen werden. Prinzipiell finde ich das nicht erstrebenswert, wobei „Apocryphal…“ aber eine Herzensangelegenheit gewesen ist. Letztendlich war es halt auch das erste „richtige“ Death Metal – Stück, welches wir damals komponiert haben.

Dark Millennium - The Apocryphal Wisdom _ Official Video:





Wie wichtig sind Euch die Gestaltung und die Aufmachung Eurer Releases und welche Möglichkeiten nehmt Ihr wahr, um Einfluss zu nehmen? Ich frage, weil ich mich nach wie vor sehr darüber aufrege, dass Vinyl-Re- und Re-Releases regelmäßig auf ein Doppel-LP-Format „aufgebläht“ werden, was den Hörgenuss durch ständiges Umdrehen nicht nur merklich verringert, sondern u. a. auch die Presswerke aus- und überlastet. Das ist bei „Acid River“ glücklicherweise nicht der Fall. Die Vinyl-Version beschränkt sich auf´s Wesentliche, während „Oceans Collide“ noch als Gatefold erschien. Im Falle von „Acid River“ hat dies jedoch dazu geführt, dass ein zentraler Song wie „Lunacy“ geteilt werden musste. Wie schwer ist Euch dieser Entschluss gefallen, auch wenn es die Struktur und der Aufbau des Songs es hergibt, mit ihm die A-Seite ausklingen zu lassen und die B-Seite zu beginnen. Wie pflegt Ihr heutzutage selbst Musik zu hören, welche Formate bevorzugt Ihr?


Hilton: Die Gestaltung ist uns sehr wichtig, vor allem die Inhalte und Motive unseres alten Freundes und All Time Cover Designers Alex Freund. Gelegentlich muss man Kompromisse eingehen, wie z.B. dass man 7 Songs eben nicht glatt teilen kann hinsichtlich Spielzeit und Anzahl, aber sogar die Hardcore Kritiker Fans waren scheinbar zufrieden mit dieser Lösung, da es die perfekte Stelle war, und wir selbst solche Edits umsetzen.
Der Mann der Alles für Vinyl und CD grafisch umsetzt ist Roland von Massacre Rec. Er hat damals schon unsere Alben gemacht und ist über die Jahre noch besser geworden. Wir selbst lieben die gesamte Bandbreite an Medien, wobei Streaming eben das Ding für Unterwegs und CD und Vinyl die heiligen Kühe des Genusses darstellen, die wir immer noch zelebrieren.


Dark Millenium by Markus Gabriel Frey llPic by Gabriel Frey

Die Musik von DARK MILLENNIUM war stilistisch schon immer sehr facettenreich und vielseitig. Gerade bei „Acid River“ habt Ihr es jedoch aus meiner Sicht geschafft alles in einer stimmigen Einheit zu verschmelzen. Inwieweit seht Ihr DARK MILLENNIUM noch als klassische Metal-Band oder inwieweit fühlt Ihr Euch noch als Teil der Metal-Szene? Steckt Ihr da noch drin oder verfolgt Ihr die Entwicklungen abseits der eigenen Band? Wie wichtig sind Euch die Reaktionen von außen bzw. das Feedback, wie Eure Musik von anderen Menschen wahrgenommen wird?

Christian: Vielen Dank für Deine Einschätzung! Ja, wir fühlen uns definitiv als Teil der Metal-Szene, wir lieben viele Spielarten dieser Musik, den Enthusiasmus, die Begeisterungsfähigkeit der Metalheads. Wir sind mit dieser Musik groß geworden, sie hat unsere Vorstellung von Kreativität und auch unsere Lebenseinstellung definitiv verändert. Aber wir haben dabei auch immer über den Tellerrand geschaut, uns mit vielen anderen Musikstilen beschäftigt, waren immer sehr offen und neugierig. Prinzipiell glaube ich, dass diese offene Haltung eine Metal-Band sehr inspirieren und zu neuen Möglichkeiten führen kann. Bezüglich der Reaktionen von außen ist es so, dass wir uns über jedes positive Feedback sehr freuen, wir lassen uns in unserer Arbeit aber nicht von Erwartungen anderer oder auch von negativen Reaktionen beeinflussen. In dieser Hinsicht sind wir uns selber treu, und ich glaube, dass die Fans dieser Band das auch zu schätzen wissen.


Wie geht es nun weiter? Wann wird es DARK MILLENNIUM endlich wieder live zu erleben geben? Wie sehen Eure Zukunftspläne allgemein aus?


Hilton: Wir haben bereits mit dem Schreiben der nächsten Scheibe begonnen und bereiten darüber hinaus noch ein paar Specials zum diesjährigen 30. Jubiläum der „Ashore the Celestial Burden“ vor. Wir hoffen, dass sich bald Gelegenheiten ergeben, wieder Live zu spielen und freuen uns drauf. Vielen Dank für das Interesse und beste Grüße!

Line Up

Christian Mertens - Gesang

Hilton Theissen - Gitarren, Backing Vocals

Michael Burmann - Gitarren

Gerold Kukulenz - Bass, Keyboard

Andre Schaltenberg - Drums

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