OUL im Interview - Darkwave, Gothic Rock & Synthie-Pop als D.N.A. des Metals!

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OUL im Interview - Darkwave, Gothic Rock & Synthie-Pop als D.N.A. des Metals!

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Hallo Allen, willkommen im Twilight Magazin! Von den meisten unserer Leser dürftest Du durch deine Hauptband The Vision Bleak sowie deine Beteiligung als Sänger von Ewigheim aber z. B. auch als Live-Trommler von Empyrium eher in rockigen und metallischen als in vorwiegend reinen Dark Wave, Elektro-/Synth-Pop-Gefilden verortet werden. Mit deinem ersten Solo-Projekt OUL wandelst du aber auf genau jenen stilistischen Pfaden. Erzähl´doch mal. Wie und wann kam es zur Idee dieses Projekt, was inspirierte dich dazu, wie gestaltete sich die Umsetzung und wie fühlt sich für dich das Ergebnis in Form von "Antipode" an? Was hast du dir erhofft, mit welchen Erwartungen bist du an OUL herangegangen und haben sie sich (bisher) erfüllt?

Hallo, cool dass uns OUL zum Gespräch führt! Die Idee zu OUL schwebt mir seit gut zehn Jahren im Kopf herum. Ich bin schon seit meiner Jugend schwer in den Dark Wave bzw. Synthie Pop verliebt und kann mich sehr gut abseits der Gitarrenmusik damit vergnügen. Der Gedanke, ein komplettes Album im Alleingang zu realisieren war so übergroß und in der Theorie nicht zu schaffen, dass ich es einfach probieren musste. Zu Beginn waren da einige Fetzen Musik aber ich hatte eine klare Vorstellung vom Klang, den Texten, sogar vom Layout, so dass nach gut acht Wochen Arbeit "Antipode" vor mir lag! Und nach weiteren zwei Monaten die fertige CD. Ich war danach zwar vollkommen ausgebrannt aber zufrieden! Das Album ist nun gute drei Monate draußen und es erfreut sich recht regem Interesse, was mich als Künstler klar sehr glücklich macht!

Angenommen, man würde The Vision Bleak ins Zentrum einer imaginären stilistischen Skala stellen und auf der Schwadorf´schen Seite würden hinter Empyrium und Noekk Sun Of The Sleepless als stilistisches "Extrem" stehen. Würdest du mir zustimmen, dass OUL hinter Ewigheim das Ende des Pendelausschlags hinsichtlich Stil und Einflüssen auf der anderen Seite markiert? Oder denke ich da zu eindimensional? Immerhin bin ich der Meinung, wie ich auch schon in meiner Rezension geschrieben habe, dass das Album zu 100 % deine Handschrift trägt, obwohl sich die Bands und Projekte in denen du involviert bist und warst ja deutlich von einem Album wie "Antipode" unterscheiden.

Das hast du gut zusammengefasst. Ich glaube, dass das was man macht immer eine gewisse Handschrift trägt. Könnte ich malen, würde man sicher selbst hier eine gewisse Handschrift erkennen. Man kann halt nicht aus seiner Haut. Aber ein reines R'n'B Album wird es wohl aus unserem Kosmos nicht geben. Das Leben ist im ständigen Wandel. Dinge kommen und gehen und man sollte dem Neuen offen entgegenblicken. Musik kommt und geht, aber hier gibt das Phänomen, alte Sachen neu zu entdecken und anders vielleicht sogar besser zu verstehen. Somit wäre ein Album wie "Antipode" vor 10 Jahren sicher undenkbar gewesen bzw. wäre vollkommen anders ausgefallen!

Wie kam es dazu, dass du OUL nahezu komplett in Eigenregie in Angriff genommen, produziert und auch Veröffentlichung sowie Vermarktung übernommen hast. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Entscheidung aus der Not heraus gefallen ist, dürftest du doch gewiss durch dein Wirken bei den anderen Bands durchaus vernetzt genug sein, um "Antipode" über ein passendes Indie-Label zu veröffentlichen. Ist OUL diesbezüglich so eine Art ganzheitliche Business-Erfahrung oder ein Abenteuer, dem du dich stellen wolltest? Es muss doch ein ungeheuer aufwändiger und kraftzehrender Prozess gewesen sein, der bis zu diesem Tage andauert, oder?

Oh ja - das war und ist es noch, aber es befriedigt ungemein alles in der Hand zu haben. Anfangs war die Idee, das Album bei einem Label unterzubringen, aber immer mit der Option es selbst zu veröffentlichen. Ich musste feststellen, dass alle Labels die ich in Betracht gezogen hatte, das gleiche Problem haben. Ihnen fehlt der Mut und auch die Phantasie für Neues. Alle setzen auf die sicheren Pferde! Das hat mich nur mehr bestärkt in dem Gedanken alles selbst zu machen und ich habe es bis heute nicht bereut! Ganz im Gegenteil, wir werden es mit dem nächsten Ewigheim Album genauso machen! 

Zum Marketing bzw. zu diesem "Prozess" gehört auch die Produktion von Album-Teasern, Lyric-Videos, den beiden Clips zu "You Are All" und "The Apocalypse" aber auch dem "Compilation-Clip", der zeigt, wie du das Album sozusagen "unplugged" am Klavier zelebrierst. Wie stemmt man so etwas und wer hat dir dabei unter die Arme gegriffen?

Sebastian Spelda ist ein Freund und nicht wegzudenkender Teil meines künstlerischem Lebens. Es ist seit gut acht Jahren für Photos, Design und Videos zuständig und ich kann ihm nicht genug dafür danken! Bei der Umsetzung der Dinge bedarf es guter Planung und dem Wichtigsten: Einer Idee.

Bleiben wir bei den Videos. Das vorab veröffentlichte und schon angesprochene Video zu "You Are All" war sozusagen mein erster Kontakt zu OUL und er hat mich mit seiner äußerst simplen wie stimmigen Umsetzung, für die du einfach über eine karge Hochebene und einen Plattenweg, der sich der zunehmenden Vegetation unterwerfen muss, gewandert bist, sehr berührt. Dein Weg wird dabei aus der Vogelperspektive gezeigt. Musik und Bilder harmonieren perfekt miteinander. Die Landschaft hat mich sofort an die Rhön erinnert... War die Idee zum Clip die deinige? Was verbindest Du persönlich mit der Landschaft und dem Song?

Mit dem fertigen Album hatte ich diese Art von Clip vor Augen. Ich bin sehr oft im Hainich unterwegs und habe mich vor langer Zeit in die Landschaft verliebt! Das Video zeigt einen Wanderer allein auf sich gestellt, ohne wirkliches Ziel aber immer dem Wissen verbunden, dass er ankommt.

Allen, du bist - soweit ich richtig informiert bin - ausgebildeter Orchestermusiker und hast neben deinen durchaus in der Szene erfolgreichen Bands und Musikprojekten eine eigene Musikschule. Doch lass´ uns noch mal zurück in die Vergangenheit gehen. Irgendwer hat mir am Rande einer Feier mal gesteckt, dass aus Dir auch durchaus ein ambitionierter Skispringer hätte werden können. Ist das wahr? Erzähl uns doch mal etwas über Deine musikalische "Sozialisation" bzw. den Werdegang. Welche Bands und Künstler haben dich zur Musik getrieben, gibt es Idole? Wem huldigst du mit "OUL" und ab wann stand für dich fest und was führte zu deiner Entscheidung, dein Leben mehr oder weniger vollumfänglich der Musik zu widmen?

Haha, ja Skispringen war meine erste Passion. Gut neun Jahre bin ich zu 100% Ski gesprungen. Dank dem damaligen ASK war der Sport rundum versorgt. Vom Turnschuh bis zum Ski, alles war finanziert und gut betreut. Aber die Musik war schon immer Teil meines Lebens und so zog es mich mehr und mehr zu ihr hin! Ich fand Gefallen am Schlagzeug und mit Phil Collins und KLF fand ich meinen Weg ans Keyboard und Drumset. Unleashed, Entombed und Emperor führten mich zum Heavy Metal und Musiker wie Brandon Perry und Nick Cave inspirierten und vervollständigten das Bild. Ironischer Weise wurde mein älterer Bruder musikalisch voll gefördert und hatte null Interesse dafür. Während ich heimlich an seinem Keyboard spielte und immer Ärger mit meinen Eltern wegen meiner Leidenschaft für die Musik hatte. Ich hatte immer den Drang, Musik zu machen und vor allem selbst zu bestimmen wer ich bin.

Bleiben wir noch ein wenig im Gestern. Wir beide sind sozusagen Teil der "Wende-Generation" und hatten das große Glück, Teil eines ungeheuer spannenden und erfreulichen Abschnitts deutscher Geschichte zu sein... Ich selbst bin im Harz nahe der ehemaligen Grenze aufgewachsen und hatte in der Umbruchzeit der Neunziger wiederum das Glück, den Mut und die richtigen Menschen an meiner Seite, um den Vorurteilen und -behalten zwischen "Besser-Wessies" und "Mecker-Ossies" zu enteilen und bin im Osten nicht nur mit und in der Musik, sondern auch menschlich in eine völlig neue Welt eingetaucht und von diesen, insbesondere menschlichen Erfahrungen jener Zeit zehre ich noch heute, ebenso wie von dauerhaften Freundschaften.

Wie hast du diese aufregende Zeit erlebt, inwiefern beeinflusst auch dich das noch heute? Wie hast du Schwadorf kennen gelernt, der ja aus Franken und nicht wie du aus Thüringen kommt. Wie kam es zur eurer musikalischen Liaison?

Die Wende war das Beste, was uns Ossis passieren konnte! Als Künstler wollte in der Zone keiner tot über'n Zaun hängen. Und schaue ich mir das fast schon legendäre Eminenz-Interview an, sollte auch dem letzten Ostnostalgiker klar werden, dass geistige und physische Einschränkung keine dauerhafte Lösung ist! Markus lernte ich über Prophecy kennen, da Nox Mortis und Empyrium die einzigen Bands dort waren. Alles war neu und aufregend. Wir konnten es nicht glauben einen Deal zu haben. Wir reden von 1996 und ich war 16 Jahre jung! Seither ist mein Umfeld geprägt vom Ost-West Verhältnis und ohne dieses gäbe es viele Dinge nicht die mich heute ausmachen!



Wie bist du zu deinem Alter Ego Allen B. Konstanz gekommen? Wo liegen die Unterschiede zwischen Allen und Tobias oder beginnen die Grenzen mittlerweile zu verschwimmen?

Konstanz ist laut, meist geschminkt und eher extrovertiert. Diese Art trennt mich mit zunehmenden Alter von ihm. Als Gemeinsamkeit kann ich die Musik und die Vorliebe für gute alkoholische Getränke nennen!

Zurück zu "Antipode". Gibt es einen persönlichen Lieblingssong für Dich? Oder einen, der dir besonders viel bedeutet? Wenn ja, warum?

"The Apocalypse" war einer der ersten und sehr ernsten Songs und sein Text lässt mich immer wieder erstarren! "My Elegy" hat die Energie die ich mir immer für Musik dieser Art gewünscht habe!

Allen, ich bedanke mich für die Zeit, die du mir und meinen umfangreichen Fragen und unseren Lesern gewidmet hast und wünsche Dir nicht nur für OUL alles nur erdenklich Gute! Ich möchte dich bitten, mir und der Leserschaft abschließend noch zu verraten, welches Album bisher in diesem Jahr Dein Highlight ist und welches Album du selbst innerhalb dieses Jahres noch am sehnsüchtigsten erwartest und natürlich auch wieso... Selbstverständlich darfst du auch loswerden, aus welchem Grund die Twilight-Leser OUL eine Chance geben sollten.

Auch wenn es noch nicht veröffentlicht ist - das neue Final Breath Album hat mich ziemlich umgehauen. Ich bin gespannt wie das neue Hypocrisy Album ausfällt und was sich am Dark Wave Himmel tun wird. Aber egal was musikalisches auf uns zukommt, die Musik von OUL ist immer ein Ohr wert! Danke dir und euch eine gute Zeit!

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Allen B. Konstanz